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'Ich hab dich rein optisch nicht verstanden!' Deutsche Dialoge mitgehört von Sieg, Sören (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2014
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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'Ich hab dich rein optisch nicht verstanden!'

In Deutschland wird jede Menge Stuss geredet. Streitgespräche auf offener Straße, Missverständnisse an der Käsetheke, pseudointellektuelle Philosophievorträge im Café ... Mal skuril und verquer, mal einfach witzig, mitunter überraschend tiefsinnig - so lesen sich die Dialoge aus Deutschlands Alltag, die Sören Sieg und Axel Krohn mitgehört und aufgeschrieben haben. Sören Sieg wurde 1966 in Elmshorn geboren. Der Vater von drei Kindern war viele Jahre mit seinem a-cappella-Quartett LaLeLu in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs: 140 Konzerte im Jahr, zehn Programme und CDs, zahlreiche Preise, TV- und Hörfunkauftritte. Jetzt hat er sich den Büchern verschrieben. Sören Sieg lebt in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 05.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843709910
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3008 kBytes
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'Ich hab dich rein optisch nicht verstanden!'

1. Kommunikationskünstler

"Es ist sehr schwierig, jedes Mal eine neue Rede zu erfinden."
(Heinrich Lübke)

"For You. Vor Ort."
(Letzter Werbeslogan von Schlecker vor der Insolvenz)

Wenn ein Zigarettenhersteller einen Liberty Award für mutige Journalisten ins Leben ruft, nennt man das "Unternehmenskommunikation". Wenn Tepco sagt, man habe in Fukushima längst alles unter Kontrolle, handelt es sich um "Krisenkommunikation". Und Ronald Pofalla gibt reumütig zu, er habe seinen Wechsel vom Kanzleramt in den Vorstand der Deutschen Bahn nicht gut genug "kommuniziert". Beschönigen, rumlabern, sich herausreden, verharmlosen, lügen, übertreiben, untertreiben, suggerieren und unterstellen - das ist zum Glück alles ausgestorben. Heute wird nur noch kommuniziert! Dabei gilt der Grundsatz: Das, was wir denken, wenn wir hören, was jemand öffentlich sagt, ist der Grund dafür, dass er es gesagt hat. Weswegen es verhältnismäßig wenig zur Wahrheitsfindung beiträgt, jemanden zu der Sauerei zu interviewen, in die er gerade verwickelt ist. ("Hat die Großspende des Panzerherstellers an Ihren Parteibezirk etwas damit zu tun, dass Sie den Panzerexport nach Saudi-Arabien genehmigt haben?" - "Überhaupt nicht. Der Panzerhersteller ist überzeugter Sozialdemokrat in zehnter Generation. Und Saudi-Arabien ist eine lupenreine Demokratie!")

Schenken Sie sich also Talkshows, Interviews, Homestorys, Pressekonferenzen und Preisverleihungen. Alles verkappte Propaganda. Tauchen Sie lieber ein in das Universum des Alltagsgesprächs. Hier wird niemand abgeholt, wo er ist, um ihn irgendwo hinzubringen, wo er niemals sein wollte. Niemand ist geschult, und keiner verfolgt einen Zweck. Im alltäglichen Gespräch sind wir wirklich frei. Und im Ausleben dieser Freiheit zeigt sich, wozu der Mensch ursprünglich die Sprache erfunden hat: Er möchte gerne reden. Egal worüber, egal mit wem, und egal ob das jemanden interessiert. Das durchzuhalten, wenn man auf eine Person trifft, die dasselbe Bedürfnis hat, ist gar nicht so einfach. Zuhören ist nicht nur anstrengend und überflüssig, es ist vor allem kontraproduktiv. Denn solange ich zuhöre, kann ich ja selbst nichts von mir geben. 16.215 Worte sprechen Frauen im Schnitt pro Tag, 15.669 sind es bei Männern. Und das ist kein zufälliger Messwert, sondern ein Mindestausstoß. Wer darunter bleibt, fühlt sich einfach nicht wohl. Das hinzubekommen, ohne einen einzigen interessanten Gedanken zu haben, dem die Mitmenschen freiwillig folgen würden - das ist die wahre Kunst. Lassen Sie uns einigen Meistern dieser Kunst lauschen.

Höhere Macht

Vorweihnachtszeit; im Spielwarengeschäft. Ein junger Mann schaut sich suchend um, ein südländisch aussehender Verkäufer spricht ihn an.

Verkäufer:

Kann ich Ihnen helfen?

Mann:

Ja, das ist lieb. Meine Tochter führt nächste Woche im Kindergarten ein Krippenspiel auf. Sie hat die Rolle des Esels, und jetzt suche ich ein Kostüm für sie. Oder zumindest Eselsohren oder so etwas.

Verkäufer:

Oh, das ist schwierig. Ich habe viele Weihnachtsmannkostüme, auch gut?

Mann:

Na ja, das passt nicht wirklich. Es geht ja um das Krippenspiel, und ihre Rolle ist nunmal der Esel.

Verkäufer:

Ich habe auch noch Prinzessin-Kleid. Sehr hübsch.

Mann:

Beim Krippenspiel wird ja die Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Maria, Josef, das Christkind. Dazu ein paar Schafe, ein Esel, ein Ochse und drei heilige Könige, Sie wissen schon. Eine Prinzessin kommt da leider nicht vor.

Verkäufer:

Ja, das ist schade. Anderes habe ich leider nicht. Oder warten Sie, Weihnachtsmann, Prinzessin und habe ich glaub ich noch Star-Wars-Maske. Und Lichterschwert!

Fehlendes Verständnis

Ein Live-Konzert. Zwei Männer, etwa 45 Jahre alt, stehen am hinteren Ende der Halle.

Mann 1 (schreit) :

Geiles Konzert, ey! Aber ganz schön l

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