text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Schinkenreise Oder auch: Wollt ihr wirklich nur wegen Schinken nach Spanien reisen? von Osterburg, Carsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2015
  • Verlag: edition fischer
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Schinkenreise

"Der Schinken war schon allein die Reise wert - aber bei Weitem nicht das Wertvollste an der Reise." Wer im Spätwinter in Görlitz dem Geschmackserlebnis eines Iberischen Schinkens hinterher schmachtet, hungert bereits auf hohem Niveau. Wer sich sodann mit äußerst marginalem Reisegepäck, aber dem festen Willen, den "besten Schinken der Welt" zu kaufen, ohne nennenswerte Reisevorbereitung oder weiterführende Sprachkenntnisse (Englisch wird hier weit überschätzt) auf den langen Weg nach Spanien macht - handelt auf hohem Niveau. Wie man von einem Bahnhof im "Nirwana" in den nächsten Ort kommt, weshalb ihnen in Spanien neben den Füßen auch die Ohren wehtun, weshalb sie unverschuldet aus Lyon ausgewiesen werden, wo man in Westeuropa bestens Salsa tanzen kann und was es mit Heimstetten in Baden-Württemberg auf sich hat, berichten die beiden Schinkenreisenden mit ersichtlichem Vergnügen. Carsten Osterburg, 1982 in Dresden geboren, ist (außerhalb seiner Schinkenreisen) als Diplom-Psychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig, interessiert sich für Bücher aller Art, Geschichte, Reisen und Wandern, Salsa - und natürlich für Schinken. Peter Gaida, 1986 in Görlitz geboren, ist als Mathematiker beschäftigt, tanzt besonders gerne Salsa und Merengue, hat Freude an Herausforderungen, seinem Nintendo DS, extravaganten Hüten - und natürlich (aber nicht nur) an Schinken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 15.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864550461
    Verlag: edition fischer
    Größe: 787 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Schinkenreise

Samstag, 05.07.2014 - Görlitz

Hatte ich nicht gerade erst die Augen zu gemacht? Und nun schreit mich mein Handy mit heftigem Hardstyle-Techno schon wieder aus den Federn. Es ist gerade mal 03:40 Uhr! Einmal umdrehen wird wohl noch erlaubt sein, ein Hoch auf die Schlummertaste! Unglaublich, wie schnell zehn Minuten schlafend dahinrasen, schon drängt mich mein blöder Wecker, doch endlich aufzustehen! Ich quäle mich auf, ziehe mich an, verabschiede mich von Vincent Vegas, meinem Kater, dem es nicht begreiflich zu machen ist, dass er nun die nächsten acht Nächte allein verbringen muss. Was nützt es, wenn ich ihm acht Finger zeige und sage: "Nur so oft schlafen, dann bin ich wieder da"? Einer gesunden Katze reicht ein Vormittag, um achtmal zu schlafen. Doch ich muss los, weiß den Katzenjungen durch meinen Arbeitskollegen gut versorgt.

Mitten in der Nacht fährt in Görlitz natürlich keine Straßenbahn und so bin ich gezwungen, in straffem Schritt zum Bahnhof zu laufen. Die schwüle Sommernacht treibt mir schon den ersten Schweiß des Tages aus den Poren. Ich schaffe es zur verabredeten Zeit, vorm Bahnhof zu sein, unserem Treffpunkt. Erstaunlich viel los um diese Zeit, aber eher keine Urlauber, es sind noch keine Schulferien.

Dann kommt Peter aus der Berliner Straße - auf zweihundert Meter zweifellos erkennbar an seinem charakteristisch wippend-schlaksigen Gang. Gemeinsam mit Peter ( @ .de 3 , Tänzer, Autor, Mathematiker und Naturfreund 4 , wie er eine knappe Woche später auf seine QR-Code-Visitenkarte schreiben wird) habe ich eines schönen Wintertages im Schwimmbad, durch merkliche Hungergefühle bedingt, beschlossen, eine Reise in das Land zu unternehmen, wo der beste Schinken Europas hergestellt wird. Das war nach eingehender Recherche dann wie erwartet Spanien und dort gibt es nicht nur den besten Schinken Europas, sondern sogar den besten Schinken der Welt! Die meiste Zeit für die Planung unseres Urlaubes hat wohl die Abstimmung unserer Urlaubstage und deren Beantragung auf Arbeit eingenommen, gefolgt von der Buchung des Fluges vor vier Tagen im Görlitzer Reisebüro. Wie es der Zufall eben so wollte, soll es heute nach Málaga gehen. Gelegen an der Costa del Sol, der spanischen Sonnenküste, gleich gegenüber von Afrika und ein guter Ausgangspunkt für unsere Reise ins Land der Ibérico-Schweine. Es hätte ebenso Córdoba sein können, was viel näher an der Quelle gelegen hätte. Doch die 1.300 EUR für diesen Flug waren uns verglichen mit den 550 EUR ins besagte Málaga viel zu viel. Wir wollten unser sauer verdientes Geld schließlich in Schinken investieren und nicht in Fluglinien.

Wir trotten zum Zug, die Fahrkarte habe ich dank zielgerichteter Urlaubsvorbereitung bereits am Mittwoch in Dresden gekauft und kostet uns bis Leipzig günstige 13 EUR pro Nase. Tageszeitlich bedingt lassen wir uns mit dem Bummelzug in die Landeshauptstadt tragen. Eigentlich bummelt er nicht wirklich, doch kaum hat er sein Reisetempo erreicht, schon bremst er für den Halt am nächsten stillen Bahnhof. So richtig schlafen können wir nicht, denn langsam drückt ein zunehmendes Realisieren, dass wir tatsächlich in das sonnige Schinkenland reisen, die Müdigkeit nieder. Scheinbar reichen zweieinhalb Stunden Schlaf völlig aus, um in den Urlaub zu fahren. Ich blicke aus dem Fenster. Wir halten gerade in Seitschen. Hatten wir da nicht vor fünf Minuten erst gehalten? Mann, zieht das sich hier.

Im Zug nach Leipzig ist es ähnlich. Obwohl der Zug als Regionalexpress firmiert, hält er bis Riesa an jeder Klitsche, wie der Sachse so sagt. Im Prinzip ein getürkter Bummelzug. Wir unterhalten uns über dies und das, malen uns unser Traumziel aus.

"Peter, hast du einen Fotoapparat mit?", frage ich.

"Äh, nein. Ich dachte, du nimmst deinen mit."

Habe ich natürlich nicht. Das ist noch so eine Digicam der zweiten Generation: ein Riesenklotz von 2002, gleiche Auflösung wie schlechte Handy

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen