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Kaufen Sie noch ein Los, bevor wir abstürzen Aus meinem Alltag als Pilotin bei einer Billig-Airline von November, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.03.2014
  • Verlag: riva
eBook (ePUB)
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Kaufen Sie noch ein Los, bevor wir abstürzen

Piloten sind braun gebrannte Haudegen mit Sonnenbrille, die cool die Flieger durch die Lüfte steuern und von einem Traumziel zum nächsten jetten. So denkt man sich das. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Julia November, eine der wenigen aktiven Pilotinnen in Deutschland, berichtet aus ihrem Berufsalltag. Von den netten Kollegen, die ihr beim Einparken am Gate helfen wollen, von durchgeknallten Cabin Crews, die bei Turbulenzen hysterisch werden, anstatt die Passagiere zu beruhigen, und vom alltäglichen Wahnsinn bei einer Billig-Airline. Vom Gepäckgewicht, dessen Überschreitung im Grammbereich zu Dramen beim Einchecken führt, über Musikterror beim Boarding bis hin zum Sparzwang bei den Getränkeautomaten in der Mitarbeiterkantine. Garantiert wird man vieles aus dem Buch beim nächsten preisgünstigen Flug in der Realität wiedererkennen. JULIA NOVEMBER, Jahrgang 1979, hat bereits im zarten Alter von 13 Jahren mit dem Segelfliegen begonnen und wurde sofort mit dem Flugvirus infiziert. Direkt nach dem Abitur begann sie mit der Pilotenausbildung und fliegt seit ihrem Abschluss quer durch Europa. Sie lebt im Ruhrgebiet, und wenn sie gerade einmal nicht fliegt, vertreibt sie sich die Zeit gerne mit Sport, Kochen, Lesen und ihrer Familie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 07.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864135064
    Verlag: riva
    Größe: 443 kBytes
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Reaktionen des Umfelds

Wenn sich ein Sohn für den Beruf des Piloten entschließt, wird das vermutlich seinen Vater stolz machen, seine Mutter ebenso. Die Entscheidung wird vom Umfeld zumeist durchweg positiv wahrgenommen. Fliegen - das klingt schließlich nach Freiheit, das klingt abenteuerlich und ausgesprochen männlich. Als ich mich hingegen für die Fliegerei entschied, protestierten meine Großeltern vehement. Das sei doch nichts Gescheites, mit diesem Beruf würde ich ganz sicher niemals geheiratet werden - ein Gedanke, der meine arme Oma ernstlich umtrieb. Sie machte sich große Sorgen, zumal ich alle ihre Versuche, mir das Stricken, Sticken oder das Kochen von Hausmannskost beizubringen, hartnäckig verweigert hatte. Ihr war stets anzusehen, dass meine Berufswahl in ihren Augen einem großen Scheitern gleichkam. Mein Großvater krönte seine Skepsis, indem er mich spöttisch aufzog: "Glaubst du wirklich, wenn schon einige Männer mit dem Beruf nicht zurechtkommen, dass du das dann packst?" Ich blieb ebenso trotzig wie damals, als ich mich geweigert hatte zu lernen, wie man mehlige Kartoffeln so lange breiig kocht, dass man sie hinterher in einer klumpig gebräunten Mehlschwitze ertränken kann.

Meine Oma startete noch ein paar Versuche. Sie schenkte mir Handtücher und Spitzendeckchen und steckte mir bisweilen Geld zu, damit ich mir einen gescheiten Rock kaufen könnte und nicht immer nur diese amerikanischen Jeans (wobei ein "gescheiter Rock" bei ihr selbstredend bis zum Knie ging und nicht, wie in meiner Vorstellung, nur knapp bis über den Po). Ganz nebenbei fragte sie mich, ob ich nicht mal zum Backen vorbeikommen wollte, und immer wieder versuchte sie herauszufinden, ob es da nicht vielleicht doch einen adretten jungen Mann aus gutem Hause gab, der mir die Flugflausen austreiben und mich anschließend zu einer kirchlichen Hochzeit und ein paar bodenständigen Urenkelchen überreden würde.

Meine Eltern hingegen waren großartig. Sie förderten und unterstützten mich und taten alles, damit ich meine Ausbildung abschließen konnte. Die Einwände meiner Großeltern sowie von Freunden und Bekannten ignorierten sie oder argumentierten sachlich und überlegt dagegen an. Meine Mutter begab sich sogar mit mir auf Wohnungs- beziehungsweise Zimmersuche in Flugschulnähe. Sie nähte mir Vorhänge und Kissen und machte mit mir die große Runde durch den IKEA-Container, wo sie mir meine Erstausstattung an Salatschüsseln und Töpfen kaufte und mich so flügge werden ließ. Sie und mein Vater hatten sich auf die Fahnen geschrieben, dass sie jedes ihrer Kinder bei seinem Wunschberuf unterstützen würden, egal, wie viele dumme Kommentare sie sich dafür anhören müssten.

Als ich zu arbeiten begann, wurden meine Eltern für ihren Freundes- und Bekanntenkreis endgültig zu kuriosen Exoten, zumal zwischenzeitlich auch mein Bruder ein Studium im Ausland begonnen hatte. Sie waren die, die ihren Kindern dabei halfen, höchst seltsame Träume auszuleben. Diese merkwürdige Tochter flog nun tatsächlich! Ein mittelgroßes Flugzeug! Bei einem Billigflieger!

Viele Bekannte unterhielten sich fortan mit meinen Eltern, als seien diese Zeugen einer Ufo-Landung geworden oder würden heimlich kleine grün und blau getupfte, fließend Kapadokisch sprechende Aliens im Keller züchten. Die Leute musterten meine Eltern, als ob die Ärmsten sich irgendeinen Infekt eingefangen hätten, den man bei sich selbst besser rechtzeitig erkennt, um dagegen angehen zu können. Die Freunde meiner Eltern waren fasziniert, gruselten sich aber vor der Vorstellung, ihre eigenen Kinder könnten ebenfalls derart verdorbene Ideen ent

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