text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Sehr geehrte Frau Merkel! Briefe einer Bürgerin von Elis, Helene (eBook)

  • Verlag: BookRix
eBook (ePUB)
kostenlos
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Sehr geehrte Frau Merkel!

Keine Angst vor Hartz4 - warum eigentlich nicht? Sonja Meining, studierte Hauptschullehrerin, erfährt am eigenen Leibe, was geschieht, wenn Menschlichkeit auf Hartz4 prallt - und beschließt, ihren Weg unbürokratischer und trotziger zu beschreiten, als es das System ihr abverlangen will: Sie schreibt direkt an die Kanzlerin - und zwar in anschaulichen kleinen Briefen. Sie beginnt, sich zu wehren, doch ihre Chancen stehen schlecht ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 92
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739687650
    Verlag: BookRix
    Größe: 907 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Sehr geehrte Frau Merkel!

Bitte kommen Sie wieder!

Nun war Sonja Meining also schon bald zwei Jahre lang krank: Das hätte sie sich nie träumen lassen! Sie fühlte sich zunehmend unsicher, während sie auf das Gebäude mit den zwei großen "A" zu lief. Der dicke Stapel Unterlagen unter ihrem Arm rutschte unbehaglich am Stoff ihrer Jacke entlang. Außerdem machte sie sich Sorgen: Wie würde sie sich verständlich machen? Auf Ämtern hatte sie nicht so gute Erfahrungen gemacht. Es fehlte Sachbearbeitern offenbar an Kommunikationsfähigkeiten, die einen Blickkontakt notwendig machten!

Der Verkehr war unfassbar laut, für acht Uhr morgens eindeutig zu viel! Gerade hatte der Sommer begonnen. Kurz vor den Ferien schien jeder in eine Art Wahn zu verfallen, der in einem Auto am Steuer saß ...

Als die Fußgänger-Ampel auf grün schaltete, bremste ein kleiner weißer Polo gerade noch vor ihr ab. Sonja erschrak und wollte rufen:

"Idiot!"

Doch aus ihrem Hals kam kein Ton. Seit zwei Jahren nun, und weil ihr ein Arzt attestiert hatte, dass die Stimme noch eine Weile so bleiben könne, machte sich die studierte Lehrerin nun langsam wirklich Sorgen um ihren Job!

Seufzend lief sie auf das Gebäude zu, das wenig einladend aussah: hohe kahle Wände, Neonlampen, der Boden in wenig liebevollem Grau. Bereits jetzt war dort eine Schlange vor dem Schalter - Sonja war also Nummer fünf. Na, immerhin. Die Tür zu diesem Zimmer stand weit offen. An der hohen Theke redete eine Frau mit Akzent sehr laut darüber, dass sie dringend ein Formular benötige, während eine Stimme hinter der Rezeption laut dagegen argumentierte:

"Das habe ich verstanden. Hören Sie? Hier ist nur die Annahme. An - nah - mööö! Das machen wir hier gar nicht!"

"Bin ich geschickt worrden hierr, Sie mussen das machen jetzt!"

Vier Leute machten lange Gesichter, als eine kleine, rundliche Frau hinter der Theke hervorkam und mit einem Bündel Papier aus dem Zimmer stapfte. Sie verschwand im Nachbarzimmer.

"Es dauert nur fünf Minuten", hatte man Sonja über die Anmeldung für ALG1 - also Arbeitslosengeld für Ausgesteuerte - informiert: Sonja sah nun, wie diese fünf Minuten hinter verschlossener Tür verstrichen. Na schön; dann würde sie eben erst um zehn oder elf zum Arzt kommen. Was soll' s, dachte sie.

Um zehn Uhr war sie endlich dran. Die Frau an der Annahme lächelte:

"Ah, kommen Sie zur Abgabe? Wann war Ihr Termin?"

Sonja war irritiert. Sie zeigte als Erstes auf ihren Hals und machte eine Geste, die andeutete, dass es nicht klappen würde, sich mit ihrer Stimme verständlich zu machen.

"Ach, heiser? Ja, das ist ja blöd, ne? Können Sie denn flüstern?"

Sonja nickte, war aber genervt. Jedes mal dasselbe: Die Leute sprachen lauter, als sei sie auch taub!

"Nein, nein, ich komme zur Anmeldung", flüsterte sie angestrengt.

"Ach? Wozu dann so viel Papier?", fragte die Frau von ihrem Bürostuhl aus in die Höhe.

Sonja zuckte mit den Schultern und flüsterte mit Nachdruck:

"Ich dachte, das können Sie alles gebrauchen. Mein Formular von der Krankenkasse ... mein Rentenantrag ... meine Papiere zum Nachweis von Miete und ..."

"Nein, nein!" protestierte die kleine Frau und nahm entspannt die Brille von der Nase, um sie zu putzen. "Also, ich brauche eigentlich nur das Schreiben von Ihrer Krankenkasse ..."

Mit einem galanten Schwung landete das Papier vor der Nase der Sachbearbeiterin.

"Donnerwetter!", lobte sie und setzte die Brille wieder auf, "da ist ja mal jemand sortiert!"

Und mit einem Blick über ihre Brille hinweg, der verwegen aussehen sollte, vermutete Sonjs, fügte sie hinzu: "Sowas bin ich hier nicht gewöhnt!"

Sie lachte. Sonja war nicht danach zumute - sie linste auf ihre Uhr wegen des Arzt-Termins.

Zwei weitere Schreiben schwebten zu der Dame hinunter

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen