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Von Krösus lernen, wie man den Goldesel melkt Von der irren Jagd nach dem Geld von Schnoy, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Von Krösus lernen, wie man den Goldesel melkt

Als der Historiker und Comedian Sebastian Schnoy die vergangenen Jahrhunderte nach den besten Finanzstrategien durchsuchte, wurde er selbst zum Goldgräber. In fast jeder Epoche schlummern für ihn versteckte Anlagetipps: Ludwig der XIV. erfindet im Barock das "must have", der Vatikan versichert seit dem Mittelalter Unglücke, die im Sündenfall garantiert erst nach dem Tod eintreten und derer zu Thurn und Taxis hätten aufmüpfige Konkurrenten wie Uber einfach hinrichten lassen. Schnoy seziert die Geschichte des Geldes mit so großem Spaß an der Provokation, dass man dabei fast nicht merkt, wie viele fundierte Antworten auf aktuelle Wirtschaftsfragen dieses Buch bereithält. Sebastian Schnoy lebt in Hamburg und ist ein vielfach ausgezeichneter Kabarettist. Sein Programm, das Geschichte humorvoll beleuchtet, hat er erfolgreich in seinen Büchern aufbereitet. "Smörrebröd in Napoli", "Von Napoleon lernen, wie man sich vor dem Abwasch drückt" und "Heimat ist, was man vermisst" waren allesamt Spiegel-Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 01.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975667
    Verlag: Piper
    Größe: 1413 kBytes
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Von Krösus lernen, wie man den Goldesel melkt

1
Warum denken die Deutschen öfter ans Geld als an die Liebe?

"Als ich klein war, glaubte ich,
Geld sei das Wichtigste im Leben.
Heute, da ich alt bin, weiß ich, es stimmt."

Oscar Wilde

Umzüge waren die letzte Sache in meinem Leben, die noch ohne Geld ablief. Zog ich um, waren rund acht Freunde zur Stelle, meine Mutter machte Kartoffelsalat, es wurde geschleppt, gelacht und am Ende Bier getrunken. Als ich vor einem Jahr erneut den Stadtteil wechselte, stöhnten auch meine treuesten Kumpel am Telefon: "Wieso lässt du das nicht eine Spedition machen?" Dabei ging es doch nur um vier Stunden Arbeit für einen Freund. Sehnsüchtig dachte ich an die Familie meines Nachbarn Dimitri, der aus Russland stammt. Als er in die Wohnung neben mir einziehen wollte, erschienen zunächst zahllose Cousins und Freunde, die ihm alle Zimmer strichen und eine neue Küche einbauten. Für den Umzug selbst hatte er nicht nur unzählige Helfer, einer war sogar im Besitz eines Lkw. Das Buffet seiner Mutter reichte selbst für mich als nicht helfenden Nachbarn, der nur zufällig durchs Treppenhaus gegangen war. "Komm, Sebastian, iiiiß was", sagte er mit dem spitzen "i", das er aus Jekaterinenburg mitgebracht hatte.

Dimitri sparte sich aber nicht nur die Maler, die Spedition und den Cateringservice - in der Zeit nach seinem Einzug bemerkte ich, dass er sich auch in anderen Lebensbereichen weitgehend aus dem Geldsystem raushielt. Wenn seine Tochter mit Fieber zu Hause bleiben musste, zogen vorübergehend die Großeltern ein. Wenn mein Sohn erkrankt war, mussten meine Frau und ich ein kostspieliges Kindermädchen engagieren, da meine Eltern am Telefon sagten: "Wir fahren doch morgen nach Martinique, das Essen soll sehr gut sein auf der Queen Mary."

Wenn Dimitri in den Urlaub fuhr, besuchte er stets irgendeinen seiner Verwandten, die sich über ganz Europa verteilt hatten. Sogar in London wohnte ein Schwager. Ich musste dort für viel Geld ein Hotelzimmer buchen. Er hatte Freunde, die ihm das Auto reparierten. Ich muss bis heute zum Audi-Händler und hasse ihn für Gespräche wie dieses: "Die Inspektion lief tadellos, Herr Schnoy, Ihr Wagen hat nichts."

"Klasse!"

"Das macht dann 623,56 Euro. Zahlen Sie mit Karte?"

Dimitri vermied jede Art von Ausgaben. Das akzeptierte sogar der Mann von der GEZ, deren Geldeintreiber in Deutschland eigentlich als besonders hartnäckig gelten. Als dieser bei ihm klingelte, wurde ich von empörtem Russisch aufgeschreckt, das durch den Hausflur tönte. Durch den Spion sah ich, dass er den Mann durch den Flur führte und rief: "Heizung kaputt! Wann Sie machen heil?" Das waren dann auch die einzigen deutschen Wörter, die er in diesem Gespräch benutzte. Später sagte er mir dazu lächelnd: "Jetzt habe ich wieder Ruhe."

Er war weder in einem Sportclub Mitglied noch im ADAC. Buchte keine Pauschalreisen und bestellte nichts im Internet. Als an sich marktliberal eingestellter Bürger machte ich im Geiste eine Liste. Auf die notierte ich Dimitris Partys, die ohne DJ und Cateringervice auskamen, die Tochter, die Klavier bei seiner Schwester lernte, und die Oma, die gegen alle möglichen Krankheiten ein Mittel "von zu Hause" anfertigen konnte. Alles zusammen belief sich der volkswirtschaftliche Schaden, den allein die Familie von Dimitri Jahr für Jahr anrichtete, auf mindestens 30 000 Euro. Man muss kein Volkswirt sein, um diese Summe auf alle ähnlich lebenden Familien hochzurechnen und dabei auf einen Millionenschaden zu kommen. Ein Heer von Erzieherinnen, Heilpraktikerinnen, Mechanikern, Musiklehrern und Handwerkern blieb arbeitslos, weil ein Teil der Bevölkerung einfach alles selbst machte. Ein Skandal!

Als Dimitris Ehe kriselte, hörte ich erst laute Wortwechsel durch die Wand, dann verschwand Dimitri mehrere Tage mit einem Kumpel. Als es in meiner Ehe kriselte, suchten wir Rat bei einer Beziehungstherapeutin. Ihre astronomisch

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