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Blutroter Stahl Sword & Sorcery Anthologie

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2018
  • Verlag: Mantikore Verlag
eBook (ePUB)
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Blutroter Stahl

Wir sind der Schrecken im Auge unserer Feinde. Wir sind das Wispern ihrer verlorenen Seelen. Wir sind Blut und Stahl. Möget ihr unsere Namen auch vergessen, unsere Taten leben ewig! Diese spannende Kurzgeschichtensammlung bietet einen einmaligen Einblick in die vielfältige deutschsprachige Fantasy-Szene. Neue Talente und bekannten Größen der schreibenden Zunft präsentieren fantastische Geschichten aus dem sog. 'Sword & Sorcery' Genre. In 18 Kurzgeschichten treffen martialische Elemente auf klassische und düstere Fantasy. Mit Geschichten von Anja Bagus, B.C. Boldt, Tom Daut, Torsten Exter, Marc Geiger, Christian Günther, Peter Hohmann, Daniel Isberner, Mike Krzywik-Groß, Thorsten Küper, Gloria H. Manderfeld, Kay Noa, Christel Scheja, Judith & Christian Vogt, Florian Wehner, Dominik Schmeller, Jörg Benne, Mario Steinmetz und Karl-Heinz Zapf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 440
    Erscheinungsdatum: 18.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783961880454
    Verlag: Mantikore Verlag
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Blutroter Stahl

ANJA BAGUS
Das letzte Lied

Könntest du bitte deine Füße aus meinem Gesicht nehmen?", knurrte Kal.

"Es ist nicht meine Schuld, dass wir uns keine zwei Betten leisten konnten", murmelte Eimon schlaftrunken.

"Na ja, wenn du mir die richtigen Zeichen gegeben hättest ..." Kal riss an der dünnen muffigen Decke, die sie sich teilten.

"Das hab ich", schimpfte Eimon und zog seinerseits. "Du bist kurzsichtig, das sage ich dir schon lange."

"Du hast ein paar Finger gehoben. Danach war deine Zunge in dieser Kellnerin, und ich musste raten, was du damit meinst."

Eimon drehte sich auf den Bauch, und Kal spürte schon wieder einen großen Zeh an seinem Ohr. "Die war aber auch süß", sagte der Fußbesitzer seufzend. "Und drei Finger bedeuten: Gib auf, der Kerl blufft nicht."

"Wie sollte ich sehen, wie viele Finger es sind? Deine Hand war zu schnell in ihrer Bluse." Kal gab das Schlafen auf, überließ die Decke seinem Freund und stand auf. Während er sich in den Pisspott erleichterte, sah er aus dem Fenster.

Die Stadt erwachte schon. Händler brachten die ersten Waren zum Markt, Handwerker eilten zu ihren Baustellen, Lieferanten drängten sich durch das Gewühl, um ihre Botengänge pünktlich zu erledigen. Kal betrachtete alles distanziert. Es war nicht seine Zeit. Morgens war jeder ungeduldig und kritisch und sicher nicht bereit für ein Spielchen. Er zog seinen Gürtel wieder zusammen und hörte seinen Partner schnarchen. Eimon war, im Gegensatz zu ihm, fähig, jederzeit und überall tief zu schlafen. Eine nützliche Eigenschaft, wenn man fast immer auf der Flucht war.

Kal fasste in seine Tasche, fand ein paar Kupferstücke und eine fremde silberne Münze. Er hatte keine Ahnung, was die wert war. Sie würden einen Geldwechsler fragen müssen. Wo hatte er die überhaupt her? Sicher aus einer schnellen Runde eines Karten- oder Würfelspiels in Hinterhöfen und Seitengassen, die seiner Meinung nach viel erfolgreicher waren als die langen Spiele in den Kneipen. Aber Eimon schleppte ihn immer wieder in die verbotensten Glücksspieltempel.

Nun waren sie mal wieder pleite, bis er jemanden fand, der die merkwürdige Währung wechselte. So ein exotisches Geldstück würde außerdem wahrscheinlich nur zu einem miesen Kurs gehandelt. Das bedeutete tagelange kleinste Einsätze am Hafen. Bauerntölpel und Seefahrer abzocken. Kal hasste das, aber er konnte es gut. Sein Bauch knurrte. Er hatte Hunger und musste etwas essen. Also glättete er sich seine Haare und nestelte aus Eimons Westentasche noch ein paar Geldstücke. Bis dieser aufwachte, sollten die sich vermehrt haben.

Er drückte sich an dem Wirt vorbei, der gerade ein neues Fass anschloss, und atmete draußen erst einmal die frische Luft ein. Frisch ... das hieß morgenfeucht und geschwängert von Pisse und Jauche. Aber der Wind hatte über Nacht gedreht und brachte einen Hauch salzige Verheißung vom Meer her mit. Die Schleierwolken verhinderten, dass es jetzt schon so drückend heiß war, wie es sicher in ein paar Stunden werden würde.

Kal rieb sich die Wange um die lange und wulstige Narbe herum, die sich von seiner rechten Schläfe bis zu seinem Mundwinkel zog. Sie war der Grund, weshalb viele Damen und auch Herren ihm nicht mehr als einen flüchtigen Blick gönnten. Aber das machte nichts. Schönheit war Eimons Ressort. Kal hatte andere Vorzüge. Die befanden sich am Ende seiner Arme und hatten zehn Finger, die sich blitzschnell bewegen konnten. Er verschränkte seine wertvollen Hände vor sich und ließ die Gelenke knacken, bevor er die Rechte in seine Hosentasche steckte, wo er erst seine Kronjuwelen sortierte und dann mit den dort immer befindlichen Würfeln spielend lautlos pfeifend losmarschierte.

Zwei Stunden später war er satt und

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