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Das geheime Leben des Nachtfalters Der philosophische Weg von Schmid, Sabine M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2017
  • Verlag: Papierverzierer Verlag
eBook (ePUB)
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Das geheime Leben des Nachtfalters

Ein alter Mann haust in seinem Turm, empfängt Wanderer und bleibt für die Bewohner des naheliegenden Dorfes ein Rätsel, wodurch sie sich viele Geschichten über ihn erzählen. Das hätte auch so bleiben können, wenn Gerr nicht zur gleichen Zeit beinahe real wirkende Träume erleben würde, die ihr anscheinend einen Weg aufzeigen wollen. Und je mehr Gedanken sie sich macht, desto mehr stellt sie sich die Fragen, wohin sie will und was sie will. Denn die Wahrheit hinter den Träumen birgt neue Geheimnisse, die Gerr auf eine fantastische und metaphorische Reise schicken ... Wenn du zwischen A und B zu wählen hast, nimm C! Sabine M. Schmid, geboren an Silvester 1978 in München, studierte Ethnologie, Religionswissenschaft und Philosophie und finanzierte sich das Studium mit Nebenjobs in Comicläden. Sie verbrachte einige Zeit als einziges europäisches Mitglied eines aztekischen Tanzzirkels in Coyoacán, Mexico City und trat mit unterschiedlichen düster-elektronischen Musikprojekten am Mikro und Schlagzeug auf, bevor sie die Universität schließlich ohne Abschluss aber mit einem Ausbildungsvertrag bei einer alteingesessenen Münchner Buchhandlung verließ. Nach fast einem Jahrzehnt als Buchhändlerin, freie Lektorin und Übersetzerin zog es sie schließlich nach Hamburg, wo sie in einem auf Manga und Comics spezialisierten Verlag anheuerte. Obwohl Sabine in ihrer Freizeit mittelalterlichen Schwertkampf trainiert, taucht in ihrem ersten Buch kein einziges Schwert auf, was sie auf jeden Fall in ihrem nächsten Roman ändern möchte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 13.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944544496
    Verlag: Papierverzierer Verlag
    Größe: 2461 kBytes
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Das geheime Leben des Nachtfalters

Kapitel 1

Kleine Menschen und große Träume

Zur gleichen Zeit lebte in einer heute nahezu unbekannten Stadt ein allseits geachteter Mann namens Johar Tialis, seines Zeichens Schreiber in den Diensten eines Lebemanns und Ratsherren. Er hatte nicht viel, was er sein eigen nennen konnte. Johar Tialis hatte eine Frau, doch hätte er sie jemals sein eigen genannt, dann wäre er nicht länger der Mann gewesen, den sie geheiratet hatte. Anders als sein Dienstherr hatte er keine Konkubine und sein Bauch war weder rundlich noch den Genuss von Wachteln gewöhnt. Doch dafür hatte Herr Tialis etwas, von dem der wohlhabende Herr, dem er mit seinen Künsten diente, nur deshalb nicht träumte, weil er es nicht besser wusste. Johar Tialis hatte eine Tochter, Gerariana, sein Stolz, sein Augenstern. Wären seine Träume ein Kristall gewesen und die Liebe seiner Frau das Licht, das sich darin brach, so wäre Gerariana das leuchtende Spiel der daraus hervortanzenden Farben gewesen. All seine Wünsche, all seine Träume hatte er schon in den kleinen Schoß gelegt, als Gerariana noch nicht einmal hatte laufen können. Und jetzt, da sie vierzehn Sommer zählte und sich zu einer Frau entwickelte, sollten diese Wünsche Früchte tragen.

Gerariana würde es besser haben als er und seine Frau, das wusste Johar. Sie war in den gehobeneren Kreisen aufgewachsen, die ihm als Schreiber eines so hohen Herrn zugänglich geworden waren, und sie hatte einen hellen Kopf und ein gutes Herz. Er sah sie an der Seite eines Meisters der Goldschmiedekunst, der vielleicht - wer wusste das schon? - einmal der Gildenvorsteher werden würde. Und wenn sich eine solche Heirat doch nicht bewerkstelligen ließ, so konnte seine Tochter es dank ihrer vielen Talente auch an der Universität zu etwas bringen. Seit kurzem standen ihre Tore auch Bürgersfrauen offen, die talentiert genug waren, um zu Gouvernanten ausgebildet zu werden. Die Anstellung am Hof des Erzherzogs, der seine zahlreichen Nachkommen gerne von jungen Frauen unterrichten ließ, würde aus seiner Kleinen eine sehr angesehene Person machen, zweifelsohne. Und es geschah schließlich auch hin und wieder, dass Erzieherinnen selbst in den Adelsstand erhoben wurden. Freilich nur, wenn sie sich durch die gute Ausbildung, die sie ihren Zöglingen angedeihen ließen, ganz besonders verdient gemacht hatten.

Er sah Gerariana in die prächtigsten Kleider gehüllt. Er sah sie als eine strahlende Erscheinung, die seinen Namen für immer von der Schande niederer Geburt reinwaschen würde. Er sah so vieles in ihr. Nur sah er sie in letzter Zeit kaum an und schon lange hatte er nicht mehr in ihre Augen geblickt. Augen, in denen eigene Wünsche zu brennen begonnen hatten, von denen kaum jemand etwas ahnte - nicht einmal sie selbst.

In dem Moment, in dem sie ihre Augen schließt, hört sie es. Das dumpfe Dröhnen einer Glocke, die in ihrem Inneren angeschlagen wird. Tief und dunkel und immer wärmer und lichter, je länger sie erklingt. Der Klang setzt sich fort, die Grenzen ihres Körpers können ihn nicht halten. Eine Welle aus Dunkelheit und Licht strömt von ihr weg, nach allen Seiten breitet sie sich aus. Noch immer hat sie die Augen geschlossen.

Die Glocke ertönt zum zweiten, zum dritten Mal. Sie fühlt, dass alles, was der Klang berührt hat, nun nicht mehr leere Dunkelheit sein kann. Etwas muss entstanden sein.

Sie kann spüren, wie es um sie herum lebt, atmet, sich bewegt. Ein Lufthauch berührt ihr Gesicht, der Wind bringt Gerüche mit: Stroh, trockene Erde, frisch gemähte Wiesen. Sie öffnet vorsichtig die Augen. Vor ihr liegt ein staubiger Feldweg, links und rechts erstrecken sich Felder, wo das Korn schon geerntet und das Gras frisch gemäht worden ist. Die reifen Ähren sind zu großen Büscheln gebunden und auf dem Feld zurückgelassen worden. Morgen, wenn der Tag noch jung is

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