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Das Schwert der Dämmerung Roman von Ahmed, Saladin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Schwert der Dämmerung

Dhamsawaat ist die Stadt aller Städte: Prachtvoll, einzigartig und alles überragend, ist sie seit Jahrhunderten Zentrum der Macht und Magie der vereinten Königreiche. Hier lebt auch der alternde Adoullah, der letzte große Ghul-Jäger. Eigentlich will Adoullah nur seine Ruhe, doch als immer mehr Menschen Opfer besonders grausamer Ghule werden, begibt er sich noch einmal auf die Jagd. Und macht gemeinsam mit seinem jungen Assistenten und einer geheimnisvollen Nomadin eine unglaubliche Entdeckung ...

Saladin Ahmed wurde in Detroit geboren und ist in Derborn, Michigan, aufgewachsen. Er studierte Englisch an der Rutgers University und hat einen Masterabschluss in Poesie. Sein erster Roman "Das Schwert der Dämmerung" wurde mit dem Locus Award für das beste Debüt ausgezeichnet und war für zahlreiche weitere Preise nomminiert, u.a. für den Hugo Award, den Nebula Award, den Gemmell Award und den BFSA Award. Saladin Ahmed lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in Detroit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641164768
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Throne of the Crescent Moon
    Größe: 1595kBytes
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Das Schwert der Dämmerung

1

Dhamsawaat, du Königin der Städte, du Krone von Abassen

Tausend mal tausend gehen durch deine Tore ein und aus

Und durch das enge Gewirr deiner Straßen, Mauern und Gassen

Zum Marktstand voller Bücher, zur Schule und zum Freudenhaus

Deinen Straßen bin ich vermählt, deine Nachtluft ist meiner Geliebten Kuss

Denn wer deiner überdrüssig wird, Dhamsawaat, den plagt des Lebens Überdruss

Doktor Adoulla Machslûd, der letzte echte Ghuljäger in der großen Stadt Dhamsawaat, seufzte, als er diese Zeilen las. Bei ihm war es anscheinend genau umgekehrt. Er fühlte oft des Lebens Überdruss, aber von Dhamsawaat konnte er trotzdem nicht genug bekommen. Nach über sechzig Jahren auf Gottes weiter Welt musste Adoulla feststellen, dass seine Geburtsstadt zu den wenigen Dingen gehörte, derer er nicht überdrüssig geworden war. Die Dichtkunst des Ismi Shihab gehörte auch dazu.

Wenn er frühmorgens die vertrauten Zeilen aus diesem frisch gebundenen Buch las, fühlte sich Adoulla jünger - und dieses Gefühl war ihm sehr willkommen. Das kleine Bändchen war in braunes Schafleder gebunden, und auf dem vorderen Buchdeckel war mit goldener Säure der Titel eingeätzt: Ismi Shihabs Palmblätter . Das Buch war sehr wertvoll, doch Hafi, der Buchhändler, hatte es Adoulla umsonst überlassen. Zwar war es schon zwei Jahre her, dass Adoulla Hafis Frau vor den Wasserghulen eines grausamen Magiers gerettet hatte, doch die Dankbarkeit des Buchbinders war noch immer überschwänglich.

Sacht schlug Adoulla das Buch zu und legte es beiseite. Er saß allein an einem langen Steintisch vor Jehjehs Laden, seinem liebsten Teehaus auf der ganzen Welt. Letzte Nacht hatte er grausige und lebhafte Träume gehabt - von Blutströmen, brennenden Leichen und schrecklichen Stimmen -, doch mit dem Aufwachen waren die Einzelheiten verblasst. In seinem Lieblingsteehaus, mit dem Kopf über einer Schale Kardamomtee und einem Buch von Imsi Shihab in der Hand, brachte es Adoulla beinahe fertig, seine Albträume vollkommen zu vergessen.

Der Tisch stand direkt an Dhamsawaats großer Hauptstraße, der breitesten und hektischsten Verkehrsader im ganzen Königreich des Halbmonds. Schon jetzt, am frühen Morgen, war die Hauptstraße fast vollständig verstopft. Einige der Vorübergehenden sahen wegen seines unglaublich weißen Kaftans zu Adoulla hin, die meisten aber nahmen keine Notiz von ihm. Auch er schenkte ihnen keine große Aufmerksamkeit, denn er konzentrierte sich auf etwas viel Wichtigeres.

Auf Tee.

Adoulla hielt das Gesicht noch tiefer über die kleine Schale und inhalierte tief, denn das Aroma war wie eine Kur gegen seinen Lebensüberdruss. Der würzig-süße Kardamomdampf hüllte ihn ein, befeuchtete sein Gesicht und seinen Bart, und zum ersten Mal an diesem matten Morgen fühlte er sich wirklich lebendig.

Wenn er vor den Toren Dhamsawaats weilte, in spinnwebverhangenen Grüften Knochenghulen nachstellte oder Sandghule über die staubigen Ebenen jagte, musste er sich damit begnügen, auf Süßteewurzeln herumzunagen. Es waren harte Zeiten, aber als Ghuljäger war Adoulla es gewohnt, sich einzuschränken.

Wenn du zwei Ghulen gegenüberstehst, vergeude keine Zeit damit, dir zu wünschen, dass es weniger wären.

So lautete ein Sprichwort seines veralteten Ordens. Zu Hause jedoch, im zivilisierten Dhamsawaat, brauchte er erst einen Kardamomtee, bevor er sich als Teil der Welt fühlte.

Er hob die Schale an seine Lippen und nippte, genoss die pikante Süße. Er hörte, wie sich Jehjeh ihm schlurfend näherte, und roch das Gebäck, das ihm sein Freund brachte. Dies, so dachte Adoulla, war das Leben, wie der Barmherzige Gott es bestimmt hatte.

Mit lautem Klirren stellte Jehjeh seine Teeschale und einen Teller mit Gebäck auf den Steintisch und schob seinen drahtigen Leib neben A

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