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Der Krähenturm Roman von Pflieger, Kerstin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2011
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Krähenturm

Heidelberg 1771: Ein Hexenjäger, ein Halbvampir und eine mysteriöse Mordserie, die den Menschen das Blut in den Adern gefrieren lässt 'Wenn du dieses Buch findest, bin ich vermutlich tot.' Als Icherios Ceihn das Tagebuch seines ermordeten Freundes in den Händen hält, ist er entsetzt. Hatte Vallentin gewusst, dass man es auf ihn abgesehen hat? Warum hat er verheimlicht, dass er für den geheimen Orden der Rosenkreuzer arbeitete? Hat dieser etwas mit seinem Tod zu tun? Icherios entschließt sich, im Auftrag des Ordens nach Heidelberg zu gehen und nach Vallentins Mörder zu suchen. Was ihn dort allerdings erwartet, hätte er nie für möglich gehalten. Kerstin Pflieger lernte schon früh durch Reisen an die Küsten Europas, Afrikas und Asiens unterschiedliche Kulturen und Denkweisen kennen und entdeckte so auch ihre Liebe zum Schreiben. Nach dem Abitur studierte sie Biologie in Heidelberg und arbeitet unter anderem für ein Institut zur biologischen Stechmückenbekämpfung. Für ihren Roman "Die Alchemie der Unsterblichkeit" wurde sie in der Kategorie "Bestes deutschsprachiges Debut" mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Kerstin Pflieger lebt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 19.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641066963
    Verlag: Goldmann
    Serie: Icherios Ceihn Bd.2
    Größe: 1188 kBytes
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Der Krähenturm

33 Kroyan Nispeth (S. 266-267)

G
15. Novembris, Heidelberg

In der Mittagspause zwischen den Vorlesungen stand Iche-rios erneut vor dem Haus des Puppenmachers Kroyan Nispeth. Es war ihm nicht leichtgefallen, Marthes davon zu überzeugen nicht mitzukommen. Ihr letzter Ausflug hatte ihn zwar gelangweilt, trotzdem verlangte er ständig, mehr über Icherios' Tätigkeit zu erfahren. Die Tür zum Geschäft stand offen. Nach dem Besuch bei dem anderen Puppenmacher bekam der junge Gelehrte ein ungutes Gefühl, als er die heruntergekommene Fassade betrachtete. Nispeth schien keinen großen Wert darauf zu legen, dass Kunden sich bei ihm wohlfühlten.

Als er in den Laden ging, fiel ihm als Erstes der betäubende Gestank auf, der ihm entgegenschlug. Es roch nach Verwesung und Tod, doch vermochte Icherios nicht, die Quelle des Geruchs auszumachen. Die Wände waren zwar feucht, aber der Ausstellungsraum ordentlich aufgeräumt und die zierlichen Puppen von herausragender Machart. Hatte Nispeth es deshalb nicht nötig, sein Auftreten angenehm zu gestalten, weil seine Arbeiten so gut waren?

Dann erblickte Icherios den Händler, und der Verdacht, den Mörder seines besten Freundes vor sich zu haben, breitete sich in ihm aus. Nispeth war ein sehr kleiner Mann, der trotz seiner mageren Statur einen runden Kopf mit tiefen Falten besaß. An seinen linken Arm hatte er ein Nadelkissen gebunden, und als der junge Gelehrte ihm in die blassgrünen Augen blickte, raubte ihm der Schrecken fast den Atem. In ihnen schwelte der Funke des Wahnsinns. Icherios' Blick wich instinktiv auf den Kopf des Mannes aus, der nur noch von einzelnen Strähnen fettigen, grauen Haares bedeckt war.

"Wie kann ich Euch helfen?", knurrte der Händler. Seine Worte klangen zuvorkommend, seine Stimme schien allerdings etwas ganz anderes zu fordern. "Ich suche eine Puppe für die Tochter meines Freundes." Es kostete den jungen Gelehrten viel Kraft, ein unbefangenes Lächeln auf die Lippen zu zwingen. "Sucht Euch eine aus." Nispeth deutete auf seine Ausstellung. Icherios fiel in der Nähe der Tür, die zum Nachbarraum führte, eine atemberaubend schöne Puppe auf, die ein weißes Kleid mit rotem Blumendruck trug. "Diese gefällt mir." Icherios nahm sie vorsichtig hoch, während er zur Tür schielte.

Dahinter lagen weitere Räume und eine Kellertreppe, von der der Gestank zu kommen schien. "Fünf Gulden." Der junge Gelehrte nickte und holte ohne mit der Wimper zu zucken seinen Geldbeutel hervor. Inzwischen hatte er sich an die Preise gewöhnt. "Das Mädchen würde sich sehr freuen, wenn ich ihr etwas über die Herstellung der Puppe erzählen könnte. Wärt Ihr so nett, mich ein wenig herumzuführen?" "Ich hab zu tun. Kauft Janine, oder lasst es." Nispeth starrte ihn bösartig an. In Icherios keimte der Verdacht auf, dass der Händler wusste, warum er hier war. Sein Inneres krampfte sich zusammen.

Er nahm die Münzen, legte sie auf den Tisch und ging mit der Puppe nach draußen, während Nispeth sein Rechnungsbuch aufschlug. Das musste der Mörder seines Freundes sein. Plötzlich trat Marthes mit undeutbarer Miene aus dem Schatten eines Hauses auf ihn zu. "Planst du etwa wieder einen Besuch bei einem Freund?" Icherios starrte ihn verblüfft und zugleich entsetzt an. War er ihm etwa gefolgt? "Ja, bald, und nachdem du mir diesen Puppenmacher empfohlen hast, wollte ich mir seine Arbeit anschauen." "Lüg mich nicht an." Marthes sah ihn finster an. "Ständig verschwindest du, erfindest seltsame Ausreden. Ich will

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