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Der Krähenwolf von Haden, Lonna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2014
  • Verlag: dead soft verlag
eBook (ePUB)
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Der Krähenwolf

Auf dem Nachhauseweg werden der junge Bejran und seine Mutter von einem Wolf angefallen. Schwer verletzt überlebt Bejran den Angriff. Doch irgendetwas hat sich verändert. Während er im Fieber liegt, quälen ihn Träume und die Erinnerungen an den Angriff. Und was hat es mit der Krähe auf sich, die ihn verfolgt? Ist sie ein Todesbote oder hat er ihr gar sein Leben zu verdanken?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 15.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944737867
    Verlag: dead soft verlag
    Größe: 673 kBytes
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Der Krähenwolf

3

Bejran verbrachte die ganze Nacht in Vargans Haus. Der Heiler hatte ihm sein Bett überlassen. Doch Bejran schlief unruhig. Wirre Träume und Schmerzen weckten ihn ein ums andere Mal. Als Vargan ihm am Morgen Tee und Hafergrütze brachte, war er sich nicht einmal sicher, ob er wirklich wach war oder immer noch träumte. Er starrte in seinen Tee und versuchte verzweifelt, die Traumbilder abzuschütteln, aber es wollte ihm nicht gelingen. Wald und Schnee, Krähe und Wolf - und jede Menge Blut. Die Bilder gingen ihm einfach nicht aus dem Kopf. Immer wieder zogen sie ihn zurück in seine düstere Traumwelt. Die Stimme des Heilers ließ ihn zusammenfahren: "Was ist da gestern geschehen, Bejran?"

Bejran schaute unsicher zu dem Heiler auf und leckte sich nervös die Lippen. Dann schüttelte er langsam den Kopf. Die Antwort war eigentlich ganz einfach, doch zur gleichen Zeit war sie es nicht. Daher beschloss Bejran, mit dem anzufangen, was er tatsächlich wusste: "Ein Wolf hat uns angegriffen. Er lauerte uns auf und stürzte sich auf meine Mutter, als sie fliehen wollte."

Es war unangenehm, die Worte auszusprechen. Als würde es dadurch erst zur Wirklichkeit.

"Dich hat er auch angegriffen, mein Junge", erinnerte Vargan ihn sanft. Der Heiler lehnte sich in seinem Stuhl zurück und legte nachdenklich eine Hand ans Kinn.

"Ein einzelner Wolf. Das ist ungewöhnlich. Nicht unmöglich, aber ungewöhnlich. Vor allem zu dieser Jahreszeit."

Bejran konnte mit Vargans Worten nur wenig anfangen. Über Wölfe wusste er nur, wovor man ihn als Junge stets gewarnt hatte und was der Volksmund erzählte. Dass man bei Dämmerung nicht allein in den Wald gehen sollte. Dass sie unartige Kinder entführten und dergleichen mehr. Er nippte an seinem Tee und schloss die Augen. Der kräftige Geschmack der Kräuter half ihm, richtig wach zu werden, und die Wärme tat ihm gut. Obwohl ihm seit dem Bad nicht mehr wirklich kalt war, kam das Gefühl des Frierens zurück, sobald er an seine Mutter dachte. Als wäre ein Teil von ihm noch immer im Wald. Dort, wo sie gestorben war.

Vargan fuhr fort und riss Bejran aus seinen schwermütigen Erinnerungen: "Männliche Wölfe lösen sich von ihrem Rudel, wenn sie alt genug sind, um eine eigene Familie zu gründen. Aber das tun sie für gewöhnlich im Frühjahr. Sah der Wolf aus wie ein Jungtier?"

Bejran schüttelte langsam den Kopf, obwohl er sich nicht sicher war. Immerhin war er noch nie zuvor einem Wolf so nah gewesen.

"Ich glaube nicht. Es ... es kam mir eher so vor, als wäre er ungewöhnlich groß."

Es fiel Bejran schwer, darüber zu reden und die Erinnerung an das Erlebnis im Wald zuzulassen. Er hätte es lieber weit, weit weg gedrückt. Gleichwohl ahnte er, wie wichtig diese Fragen waren. Er konnte sich nicht erinnern, dass es schon einmal einen Wolfsangriff auf einen Menschen in der Nähe des Dorfes gegeben hatte. Womöglich blieb es nicht bei diesem einen Angriff. Dann mussten die Dorfbewohner gewarnt werden.

Vargan hatte die Stirn gerunzelt und rieb mit dem Daumen über seinen grauen Bart.

"Vielleicht wurde er von seinem Rudel getrennt, war verletzt oder krank ...", plötzlich hielt der Heiler in seiner Bewegung inne und sah Bejran besorgt an. "Hoffen wir, dass er nicht tollwütig war."

Bejran schauderte, aber es waren mehr der Blick und der Tonfall des Heilers, die ihn frösteln ließen. Die volle Bedeutung dieser Worte vermochte er in seinem Zustand nicht zu erfassen. Er leerte seinen Becher und ließ den Tee den Anflug von Kälte ein weiteres Mal vertreiben, während der Heiler fortfuhr: "Wir müssen vorsichtig sein. In nächster Zeit sollte niemand unbewaffnet in den Wald gehen. Ich werde eine Dorfversammlung einberufen. Ruh dich noch etwas aus. Ich werde nachher noch einmal nach dir sehen."

Tatsächlich fielen Bejran die Augen zu, kaum dass der Heiler das Haus verlassen hatte. Als er später wieder

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