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Der Sturm Roman von Jacuba, Tom (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 27.07.2018 per Download lieferbar

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Der Sturm

Prospero, der Herrscher von Milano, stürzt nach dem Tod seiner Frau in tiefe Verzweiflung. Mit Hilfe der gefangenen Hexe Coraxa und ihres Zauberbuches will er sie aus der Unterwelt heraufbeschwören. Doch der magische Akt führt zur Katastrophe - und zu seinem Sturz. Mit nur wenigen Vertrauten auf einer verlassenen Insel gestrandet, stößt Prospero bald auf Coraxas dämonischen Diener Taifunos und den Tiermenschen Caliban. Beide sind entschlossen, Prospero zu vernichten. Mit aller Kraft stemmt der sich gegen seinen Untergang ...

Eine kraft- und fantasievolle Adaption frei nach Shakespeare

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 527
    Erscheinungsdatum: 27.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556793
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Prospero, der Magier
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Der Sturm

1

Der Sturm

E ine Frau saß in der Takelage des Großmastes. Ganz oben, neben dem Krähennest. Himmelblaues Kleid, zierliche Gestalt, langes weißblondes Haar. Sie bewegte Arme und Oberkörper wie zum Klang einer unhörbaren Musik.

Hübsch anzusehen - aber ein Trugbild.

Feridan blinzelte zu dem schönen Bild hinauf. Blinzelte, bis das grelle Flimmern der Vormittagssonne die Frau mit dem Segeltuch und dem wolkenlosen Himmel verschwimmen ließ. Die Sinnestäuschung löste sich in nichts auf.

Gott sei Dank!

Schade.

Feridan senkte den Kopf, umklammerte die Balustrade der Reling und kniff für einen Moment die Lider zusammen. Nach einem tiefen Atemzug wandte er sich wieder der krummen Gestalt des Herzogs zu. Und der Seekarte, die der Herrscher von Milano zwischen seiner linken Hand und dem Haken seines rechten Armes auf der Reling ausbreitete; dabei drückte er eine Seite des großen Pergaments mit der eisernen Prothese auf die Brüstung.

Herzog Tonio schüttelte ungläubig den Kopf. "Wohin um alles in der Welt hat es uns verschlagen? Was ist das für eine Insel da drüben? Das kann doch nicht wahr sein!" Der Herzog murmelte so vor sich hin, als würde er mit sich selbst sprechen. Oder mit niemandem. Eine Insel? Feridan blickte sich um. Er konnte nirgends Land entdecken. Nur Wogen und Möwen. Meinte der edle Tonio vielleicht dieses dunkle Etwas zwischen Ozean und Himmel da hinten am Nordhorizont? Ein weit abgetriebenes Schiff der kleinen königlichen Flotte wahrscheinlich. Oder eine aufsteigende Wolke oder ein Möwenschwarm. Aber niemals Land.

Oder doch?

Wieso wurde es eigentlich plötzlich so dunkel?

"Land! Backbords!", schrie der Schiffsjunge vom Krähennest herab. "Eine Insel!"

Feridan blinzelte zu ihm hinauf. Nur eine Armlänge weit von dem Jungen entfernt saß eine Frau in der Takelage. Immer noch. Ganz oben, neben dem Ausguck mit dem Jungen. Diesmal verschwamm ihre Gestalt nicht mit Himmel und Segel, da konnte Feridan blinzeln, so oft er wollte. Der Atem stockte ihm, denn die Frau hielt sich nirgendwo fest, ließ die Beine einfach so baumeln, fuchtelte einfach so mit den Armen, als wollte sie ein Orchester dirigieren.

Schwachsinn! Feridan kniff die Augen zu. Frauen saßen nicht in Takelagen. Niemals! Frauen in Takelagen, die sich nirgendwo festhielten, die Beine baumeln ließen und mit den Armen fuchtelten? Das gab es überhaupt nicht! Das hatte es noch nie gegeben.

Feridan riss die Augen wieder auf und schüttelte sich. Der Wein. Sein Vater, der König, hatte zum Frühstück Wein ausschenken lassen. Viel Wein. Und jetzt saß eben eine Frau in der Takelage. Na und?

Feridan schaute lieber aufs Meer hinaus. "Na und?", murmelte er.

Wieso rauschte und brauste und heulte es plötzlich von allen Seiten? Wieso zogen alle Möwen auf einmal ab? Wieso türmten sich die Wellen plötzlich haushoch vor dem Bug? Und wieso riss eine Sturmböe dem Herzog auf einmal die Seekarte aus den Händen? Das Pergament klatschte Feridan ins Gesicht. Er erschrak, griff nach der Reling und hielt sich fest.

Der Wein! Das hatte er jetzt davon. Wein schon zum Frühstück, und nun eine Frau in der Takelage; und Möwen, die in einem großen Schwarm nach Süden abzogen; und ein Schiff, das sich vor hohen Wellen aufbäumte; und einen schwarzen Himmel im Norden; und einen Kapitän, der plötzlich Befehle schrie, als gelte es sein Leben; und im Gesicht eine Seekarte.

Viel zu viel tunischen Wein schon zum Frühstück, und nun schaute er Sachen, die es gar nicht gab.

DIE ES GAR NICHT GAB!

Panik ergriff ihn. Als würde ein Windstoß in einen Haufen Flaumfedern fahren, so fühlte es sich hinter seinem Brustbein und unter seiner Schädeldecke an. Und schlecht war ihm auch.

Feridan klammerte sich an der Bugreling fest und versuchte, die Seekarte von seinem Gesicht zu ziehen. Der Sturm presste das Pergament so heftig in seine Augenhöhlen und in s

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