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Die Legenden von Mond und Sonne Naris von Hounsom, Lucy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2015
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Die Legenden von Mond und Sonne

Bei der Zeremonie zum Eintritt in die Gesellschaft der Erwachsenen geschieht etwas Unvorstellbares: Ein heiliges Artefakt zerbricht unter der Berührung der jungen Kyndra. Kurz darauf verwüstet ein Sturm ihr Dorf und die Bewohner geben dem Mädchen die Schuld an all dem Unglück. Die Situation droht zu eskalieren - bis zwei Fremde auftauchen und Kyndra mit Kräften, die seit Jahrhunderten nicht mehr gewirkt worden waren, in Sicherheit bringen. Gemeinsam fliehen sie zu der versunkenen Festung Naris, doch hier erwarten sie Intrigen, Fanatiker und Rebellen. In den unterirdischen Hallen findet Kyndra aber auch ihr wahres Ziel, und sie muss Verrat und Wahnsinn bekämpfen, um sich letztlich ihrem Schicksal zu stellen. Lucy Hounsom arbeitet als Buchhändlerin für Waterstones. Sie hat einen BA in English & Creative Writing von der Royal Holloway University of London. Ihren Master in Creative Writing machte sie bei Sir Andrew Motion. "Naris. Die Legenden von Mond und Sonne" war ihr erster Roman, mit "Naris. Das Schicksal der Sterne" setzt sie die erfolgreiche "Naris"-Trilogie fort.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 11.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492969628
    Verlag: Piper
    Serie: Naris 1
    Größe: 1130 kBytes
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Die Legenden von Mond und Sonne

Kapitel 2

I hr Herz schlug wie eine Trommel. Das Relikt war in drei ungleiche Teile zerbrochen. Eines lag in ihrem Schoß, die anderen Fragmente waren auf die Binsenmatten gefallen. Sie hatten sich von unten mit Wasser vollgesogen, sodass im Zelt ein modriger Geruch herrschte.

Kyndra hatte das Gefühl, seit Stunden auf dem harten Schemel zu sitzen und die Überreste des Relikts anzustarren. Sie konnte die Menschen draußen nicht hören, und einen Moment lang glaubte sie voll wilder Hoffnung, alle seien gegangen. Dann nahm sie eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr, blickte auf und sah, wie sich Iljin auf alle viere herunterließ. Knochen knackten, und der alte Mann zuckte zusammen. Kyndra sah zu, wie er die beiden Fragmente langsam in den Händen barg. Die flachen, gebogenen Bruchstücke glänzten feucht. Der Alte drückte die Stücke an sich und ignorierte das Wasser, das in seine Robe sickerte.

Kyndra glitt von dem Schemel und kniete neben ihm nieder. Leises, halb unterdrücktes Schluchzen stieg aus der Kehle des Mannes auf, der den Kopf tief über die zerbrochene Schale beugte. Behutsam hielt Kyndra ihm das Fragment hin, das in ihrem Schoß gelegen hatte. "Hier", murmelte sie und streckte es ihm entgegen. "Es ... es tut mir leid."

"Es tut dir leid?" Iljin hob den Kopf. Unter den Tränen war sein Gesicht totenbleich.

Kyndra legte das Fragment bei den Knien des Alten ab, wich dann zurück und hob die Hände. "Ich habe das nicht mit Absicht getan."

Iljin blickte von den verstreuten Eissplittern in Kyndras Gesicht, und für einen Moment glühten seine Augen vor Argwohn. "Dummes Kind!", rief er dann und wandte den Blick ab. "Warum sollte es dir leidtun? Wie kann ich dir die Schuld daran geben?"

Kyndra schwieg.

"Was soll ich denn den Leuten sagen? Dass ein Mädchen etwas zerbrochen hat, das mithilfe der alten Kräfte geschaffen wurde? Das Relikt, das fünfhundert Jahre überstanden hat?" Taumelnd stand er auf und barg die Fragmente in den Armen. "Das ist unvorstellbar. Unmöglich." Seine Nase lief, aber der alte Mann schien es nicht zu bemerken. Er starrte Kyndra an und bewegte die Lippen, doch es kam nichts heraus. Dann begann er durch das Zelt zu stolpern, bis er einen großen Samtbeutel fand, der unter den Tisch gefallen war. Seine stummen Lippenbewegungen wurden zu einem kaum hörbaren Brabbeln. Iljin legte jedes Teil des Relikts behutsam in den Beutel.

Kyndra begann zu zittern. Ihr Kopf fühlte sich ganz leicht an, so wie damals, als sie zu lange in der Sonne geblieben war. Da hatte sie ihre Hausarbeiten vernachlässigt, um mit ihren Freunden zu spielen und in den Bächen, die in den Bergen oberhalb von Brenwym entsprangen, zu plantschen. Bei der Erinnerung wünschte sie sich ein Glas Eiswasser und dachte betrübt an die Kristalle, die sich in der Schale gebildet hatten, bevor sie zerplatzt war. Vielleicht lag noch einer davon herum.

"Du ..." Iljin packte Kyndra am Arm. Der Alte war erstaunlich kräftig. "Du wirst nichts von dem erzählen, was hier passiert ist. Hast du mich gehört? Kein Wort." Er schüttelte Kyndra, bis sie nickte und ihren Arm wegzog. Die Anstrengung schien Iljin zu erschöpfen, denn er schwankte und hielt sich an einer der Zeltstangen fest.

"Ich hätte es wissen müssen", flüsterte der Alte. Seine Gesichtszüge erschlafften, und Kyndra sah, wie seine blauen Augen seltsam blicklos wurden. "Das Relikt war uralt. Ich hätte es kommen sehen müssen ... diese graue Farbe war eine Warnung, aber ich habe sie nicht verstanden."

Wie betäubt wurde Kyndra klar, dass sie jetzt nie erfahren würde, was die Berufung ihres Lebens war. Sie würde ihren wahren Namen niemals kennen. Sie spürte einen Stich ins Herz, als sie sich an Jhrens fröhliche Rufe erinnerte und an Hannas breites Lächeln, mit dem sie ihren Neffen als Erwachsenen begrüßt hatte.

Kyndra biss sich zu fest auf die Lippen und schmeckte Blu

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