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Die Macht der Steine Roman von Bear, Greg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.07.2015
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Macht der Steine

Die wandernden Städte

Vor Jahrtausenden bauten Christen, Moslems und Juden gewaltige selbsterhaltende Städte auf dem Planeten Gott-der-Schlachtenlenker, die ständig in Bewegung sind. Sie sollten das Leben der Gläubigen schützen und erhalten - aber auch die Reinheit von Glaube und Lehre, denn jeder, der gegen die Gebote verstößt, wird ausgesetzt. Da jeder Mensch ein potenzieller Sünder ist, sind diese Kolosse längst menschenleer und dem Verfall preisgegeben - und zu einer Bedrohung für die Bewohner dieser Welt geworden ...

Greg Bear wurde 1951 in San Diego geboren und studierte dort englische Literatur. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren der Gegenwart. Etliche seiner Romane wurden zu internationalen Bestsellern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 30.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641175351
    Verlag: Heyne
    Größe: 725kBytes
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Die Macht der Steine

Es war in der Mitte des Monats Tammuz; Dürre plagte das Land. Das Dorf Akkabar war in der Nähe des Zusammenflusses zweier Wasserläufe gelegen, die normalerweise schiffbar waren, in einer ansonsten öden und eintönigen Weite, wo einst ein einziger breiter Strom sich dem Meer entgegengewälzt hatte. Die Flüsse waren jetzt völlig ausgetrocknet. Einige Dörfler glaubten, dass der Grundwasserspiegel unter die Bohrtiefe der meisten Brunnen der Gemeinde gesunken war; andere hingegen interpretierten die Trockenheit als Strafe Allahs für eine Vielzahl von Sünden. Doch an wen konnte man seine Gebete um Vergebung noch richten? Sie hatten die Erde vor über tausend Jahren verlassen. Unter dem heißen blauen Himmel von Gott-der-Schlachtenlenker konnte sich niemand mehr an die Richtung erinnern, in der Mekka lag.

Die vierzigjährige Reah war eine vom Leben gebeutelte Lumpen- und Knochensammlerin. Sie hatte sich ganz bewusst dafür entschieden, dem Weg der Teufel zu folgen, der nur von Albträumen und ifrits beschritten wurde, zu denen sie vielleicht auch gehörte: ein besonders gut getarnter ifrit. Allmählich bekam sie wieder einen klaren Kopf, und sie wühlte weiter im Müll herum. All das war in den letzten zehn Jahren eingetreten, nachdem ihr Mann und ihre Tochter in einem Brand umgekommen waren.

In der Stadt fiel nur wenig Abfall an. Da stand sie nun in ihrem schwarzen Mantel, mit zum Schutz vor dem Staub und der Sonne verschleiertem Gesicht, und blickte mit schwarzen Augen auf den gestapelten Felsenschutt, verdurstetes Vieh, zerbrochene Keramik, alte, zersplitterte Kisten und eine scharrende Katze. Ihre abgetragenen Sandalen schlurften unsicher über den zusammengebackenen Dreck. Sie drehte sich um und betrachtete das Nordtor von Akkabar. Von dem, was es hier gab, konnte sie nicht mehr leben. Die Leute produzierten nicht genügend Müll.

Sie schlurfte durch die Tore der Stadt und ging zwischen schläfrigen Wachen hindurch, die zu müde waren, um sie zu treten. Sie konnte den Durst an einem der wenigen öffentlichen Wasserhähne stillen, die noch aktiv waren, aber der Hunger nagte in ihr. Mit dem letzten Rest ihres Verstandes wartete sie auf das Einsetzen der Dämmerung, zog sich auf dem vom Mondlicht beschienenen leeren Platz aus und wusch ihre einzige Kutte, bis sie ansehnlich genug wirkte, um sich als arme Witwe ausgeben zu können. Sie arrangierte die Kapuze und den Schleier so, dass ihr struppiges Haar darunter verborgen wurde. Am Rande des Marktes wartete sie auf den Morgen.

Nachdem die Händler ihre Stände aufgebaut hatten, spazierte sie zwischen den Reihen hindurch und erweckte den Anschein, die halbvollen Körbe mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu begutachten. Mit Fliegenklatschen bewaffnete Jungen beobachteten sie mit zu Schlitzen verengten Augen, als sie mal diese, mal jene verschrumpelte Frucht inspizierte. Als sie glaubte, dass die Jungen mal etwas unaufmerksam waren, schob sie eine Hand in den Ärmel und ergriff eine halbverfaulte Orange. Als die Hand wieder zum Vorschein kam, war sie leer.

Sie hatte drei Früchte ergattert und hielt nach der günstigsten Fluchtroute Ausschau, als der Aufseher des Marktplatzes wie ein Dschinn aus dem Staub vor ihr auftauchte. "Wer bist du, Frau?", fragte er. Sie schaute auf und schüttelte den Kopf. "Du weißt, was es bedeutet, zu stehlen?"

Reah wandte sich ab und wollte wegschlurfen. Der Aufseher packte sie am Arm, woraufhin eine Orange aus dem Ärmel kullerte. Einer der Jungen lachte und hob die Frucht auf. "Es sind harte Zeiten", wusste der Aufseher. "Wir müssen alle essen." Reah schaute ihn hoffnungsvoll an. "Wer stiehlt, stiehlt das Essen aus dem Munde unserer Kinder. Ist dir das klar?" Sein Gesicht rötete sich, und der Blick schweifte in die Ferne. Eine innere Wut wallte in ihm auf, und weder Reahs demütige Haltung noch ihre ängstlichen Augen konnten ihn besänftigen.

"Dieben hackt man die Hand ab", grummelte er. "So steht e

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