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Die verlorene Puppe Ein Steampunk Roman von Vogt, Judith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.11.2016
  • Verlag: Feder & Schwert
eBook (ePUB)
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Die verlorene Puppe

Fantástico - Fabuloso - Apocalíptico! So lautet das Motto des fliegenden Zirkus Apocalástico. Rasante Artisten zu Pferde, eine bärtige Dame, ein echtes Mammut, ein Magier, der mit elektrischem Strom zaubert, der junge Roma-Akrobat Ferenc Badi und seine chinesische Partnerin Yue am Trapez können das Publikum in ganz Europa begeistern. Die Eiszeit des 19. Jahrhunderts verhindert ein Vordringen auf andere Kontinente jenseits der Ozeane - bis maskierte Männer das Zirkusluftschiff kapern, um es in Gefilde zu steuern, die nie ein Europäer zuvor betreten hat. Bereits auf der Überfahrt stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint: Agenten verschiedener Mächte haben im Zirkus ihre Finger im Spiel, und der Name eines schrecklichen Geheimnisses geistert durch die Gänge des Luftschiffs. Doch am Ziel ihrer Entführer wartet eine faszinierende, fremde, blutrünstige Hochkultur auf die Artisten, und der Rückweg in die Heimat wird ihnen das Äußerste abverlangen ... Der zweite, eigenständige Roman aus der doppelt preisgekrönten Steampunk-Welt von Eis&Dampf entführt in ein faszinierendes Abenteuer und auf einen noch nie auf diese Weise beschriebenen weißen Fleck auf der Landkarte!

Judith und Christian Vogt teilen die Leidenschaft für phantastische Literatur, fremde Kulturen, ungeklärte Rätsel und Luftschiffpiraten. Während Judith sich auf das Schreiben spezialisiert hat, versucht Christian als Physiker, ungelösten Mysterien auf den Grund zu gehen. 'Die zerbrochene Puppe' ist ihr erster gemeinsamer Roman und hat ihre Ideen zu einer Steampunk-Wissenschaftsfantasyerzählung verschmolzen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 18.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783867622769
    Verlag: Feder & Schwert
    Serie: Steampunk
    Größe: 3187 kBytes
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Die verlorene Puppe

Apocal á stico

Nummer: Manege frei

D amen und Herren, liebe Kinder! Willkommen! Ich sehe, ihr reibt euch ungläubig die Augen - doch traut ihnen ruhig. Was ihr hier seht, existiert nur hier, hier im Zirkus, und nur für euch! Erlebt waghalsige Akrobaten, schlangengleiche Mädchen, zersägte Jungfrauen, bärtige Damen, Zauberer und Hellseher, eine Messerwerferin, schwarz wie die Nacht - und erst die Tiere! Ein Mammut, das letzte seiner Art, aus den Weiten des Ewigen Eises des Zarenreichs! Der Mund wird euch offen stehen am heutigen Abend, und wenn ihr gefragt werdet, wie es euch gefallen hat, werdet ihr nur sagen können: Fantástico! Fabuloso! Apocalíptico! Denn ich, Damen und Herren, werte Kinder, bin Pablo Cervantes Diaz, und dies hier ist mein fliegender Zirkus, der Circo Apocalástico!"

Der geforderte Applaus folgte, noch ehe die letzte, langgezogene Silbe verklungen war - begeistert zwar, doch angesichts der Tatsache, dass die aufstrebenden Sitzreihen des hölzernen Gradins nicht einmal zur Hälfte gefüllt waren, wirkte er ein wenig schmalbrüstig. Nur ein paar baskische Bauernfamilien hatten ihren Weg hierher gefunden, und das, obwohl der Eintrittspreis wenig mehr als den sprichwörtlichen Apfel und das Ei betrug.

Pablo Cervantes Diaz war alles andere als schmalbrüstig, ein Mann mit breiten Schultern, über denen der ein wenig abgewetzte Stoff des schwarzen Fracks spannte. Schwarz waren auch seine Haare und der Schnauzbart. Seine Augen waren wie Kohlen, in die man nur einmal hineinpusten musste, damit sie aufglühten in der einzigen Leidenschaft, die dieser Mann kannte: der Leidenschaft für den Circo.

Die Stimmung, die von den bedauerlich wenigen Zuschauern in den Sattelgang im hinteren Teil des Zelts schwappte, war jedoch weit besser als in Gibraltar, als Diaz sich in seinem Patriotismus ein wenig verausgabt hatte (war die Stadt doch vor kurzem an die æ nglische Krone verhökert worden).

Der Vorhang, durch den ich gelugt hatte, bewegte sich kaum, als Yue aus der Manege kommend hindurch- und an mir vorbeischlüpfte. Sie war der Grund, warum Männer, Frauen und Kinder sich schon bei Diaz' Rede die Augen gerieben hatten. Zu Beginn seiner feurigen Ansprache kroch sie kopfüber von einem Seil herab, das von der Zeltspitze auf den Manegenboden hing, verdrillte und entwirrte sich dabei mehrmals und endete schließlich als menschlicher Knoten vor Diaz, dem sie mit ihren gelenkigen Füßchen Wein aus einer kleinen Flasche in ein Glas füllte, das er in der Linken hielt.

Mir wurde stets schwindlig von diesem Anblick. Noch schwindliger wurde mir höchstens davon, dass ich seit einigen Wochen ihr Partner auf dem Seil und am Trapez war. Als Mann stand ich im Schatten ihrer schillernden Erscheinung. Ich durfte mit ihr auf dem Hochseil tanzen, sie heben, herumwirbeln und am Trapez auffangen. Während der Nummern strahlte sie; das Lächeln lag auf ihrem herzförmigen Gesichtchen wie der Ausdruck einer Puppe - doch es galt nicht mir. Sie lächelte, wenn sie sich wie ein Kleidungsstück um meinen Leib wickelte und nur mit ihren Knöcheln an meinem Hals festhielt. Sie lächelte, wenn ich am Trapez ihre schmalen Handgelenke fasste, doch nun schlich sie durch den Sand auf ihre Position, und ich war Luft für sie.

Ich seufzte.

Dass mir ihr Lächeln so viel bedeutete, war höchst unprofessionell. Diaz verbat sich Liebeleien unter seinen Artisten, und ich wusste aus Erfahrung, dass er recht damit hatte. Schlimmer war eigentlich nur eine Liebschaft zwischen Artisten zweier konkurrierender Schausteller, wenn wir beispielsweise annehmen würden, im zweigeteilten Budapest würde sich ein junger Roma vom Badi-Clan in eine lybysche Kunstreiterin verlieben und damit die Ehre seines Zirkus ' in den Schmutz ... Ach, lassen wir das. So romantisch, wie es sich anhört, war es gar nicht.

Yue

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