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Die verlorenen Wälder von Hocke, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.02.2014
  • Verlag: hockebooks
eBook (ePUB)
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Die verlorenen Wälder

Seit jeher bilden die Waldkäuze die privilegierte Adelsschicht unter den Nachtvögeln, in weitem Abstand zu Schleiereulen und Steinkäuzen. Auch Yoller, der Sohn des Anführers einer Waldkauz-Dynastie, ist in diesem Bewusstsein aufgewachsen. Als der ungestüme, junge Waldkauz jedoch während eines Botenauftrages in entlegene Waldgebiete von Bussarden attackiert wird, hilft ihm seine aristokratische Herkunft nicht weiter. Erst in höchster Not wird Yoller von der Käuzin May Blossom vor dem sicheren Tod bewahrt. Yoller und seine Lebensretterin verlieben sich ineinander, doch gegensätzliche Lebenspläne trennen sie wieder voneinander. So folgt Yoller der ihm vorgesehenen Bestimmung als Waldkauz und kehrt zurück in seine Heimat, wo er sich mit dem ewigen Kampf um die Vorherrschaft in den Wäldern konfrontiert sieht. Doch das Erlebnis mit May lässt ihn an den alten Regeln zweifeln ... Ein unerbittliches System regelt das Nebeneinander von Schleiereulen, Wald- und Steinkäuzen. Im Land der Eulen werden Verstöße gegen diese uralten Regeln mit dem Tode bestraft. Doch eine neue Zeit beginnt: Aus ehemaligen Feinden werden notgedrungen Verbündete im Kampf gegen einen gemeinsamen, alten Feind. Die fantastische Romantrilogie, die sich um Eulen und andere Nachtvögel dreht, hat Martin Hocke mit poetischem Witz und bestechender Beobachtungsgabe zu einer Parabel verwoben, die in der Tradition von "Unten am Fluß" und "Wind in den Weiden" steht. Einzelbände: Zeit der Eulen, Die verlorenen Wälder, Der Krieg der Käuze

"Nur die Fantasie kann die unfassbare Wahrheit menschlicher Erfahrungen in nachvollziehbare Sprachbilder bannen", schreibt Martin Hocke über seine Wahl, fantastische Romane zu verfassen. Seit seinem ersten Eulen-Roman gilt Martin Hocke - 1938 in Köln geboren, kurz darauf nach England umgesiedelt - als anerkannter Schriftsteller im Bereich der fantastischen Literatur. Ursprünglich Schauspielschüler an der Royal Academy of Dramatic Art in London, erkannte er, dass er nur im Schreiben, nicht aber im Schauspielen seine wirkliche Ausdrucksstärke finden würde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 460
    Erscheinungsdatum: 06.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943824476
    Verlag: hockebooks
    Größe: 2183 kBytes
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Die verlorenen Wälder

TEIL DREI

... schweigen hat seine Zeit; reden hat seine Zeit;

SALOMO, Kap. III, Vers 7

Mit ihnen sät ich Weisheit, frommgesinnt,
Das Feld bebaut ich, dass es Früchte trage.
Die Ernte hieß: Ich kam, wie Wasser rinnt,
Und geh' vorüber wie der leichte Wind.

OMAR CHAIJAM, 1048–1131
Robaejat

Ich fand mich grad, in unseres Lebens Mitte,
In einem finstren Wald zurück, verschlagen,
Weil ich vom rechten Pfad gelenkt die Schritte.
Ha! Wie er ausgesehn ist hart zu sagen
Der wüste Wald mit wildverwachsenen Strecken,
Dass in Gedanken sich erneut mein Zagen!

DANTE ALIGHIERI, 1265–1321
Die Göttliche Komödie, Die Hölle
1

Nach meiner Heimkehr erzählte ich meinen Eltern alles, was ein großer Fehler war, wie ich jetzt erkenne.

"Das ist ein Zeichen", sagte meine Mutter, nachdem ich ihnen über mein knappes Entrinnen von dem Feuerstock berichtet hatte. "Ein Zeichen dafür, dass die Menschen die Einwanderer ebenso wie wir für Abschaum halten. Und offensichtlich betrachten sie uns Waldkäuze als eine höhere Lebensform."

"Ich wäre dessen nicht allzu sicher", entgegnete mein Vater, der wie immer zögerte, ihr zu widersprechen, und beim Reden ein wenig nuschelte, was darauf hindeutete, dass seinen Worten die Überzeugung fehlte. "Es könnte viele Gründe geben, warum die Menschen von dem Versuch Abstand nahmen, Yoller ums Leben zu bringen. Wenn sie zum Beispiel unsere Gewohnheiten erforscht haben, so wie die Schleiereulen die ihren, dann wissen die Menschen, dass unser traditionelles Territorium der Wald ist und wir demzufolge eine viel geringere Bedrohung für die Tiere und Vögel sind, die im Park und am See und in deren nähererer Umgebung brüten."

"Unsinn!", fuhr ihm meine Mutter über den Schnabel. "Wir wissen, dass der Mensch ein Emporkömmling ist, aber er ist nicht völlig blöd. Er weiß, dass die Fremdwesen seit weniger als einhundert Lenzen hier leben. Er weiß, dass sie kein natürlicher Teil dieser unserer Umwelt sind. Deshalb trachtet er wie wir danach, sie zu vernichten."

"Du magst recht haben, meine Liebe, aber wir haben keinen Beweis dafür", antwortete mein Vater. "Ich denke, Yoller, du solltest dich in dieser Angelegenheit mit May Blossom beraten. Sie ist in die Stadt gezogen, um Wissen zu erlangen und auch, um die Gewohnheiten und Eigenarten der Menschen aus nächster Nähe zu beobachten. Unterdessen wollen wir, abgesehen von ihren unmittelbaren Erfahrungen, hoffen, dass sie einiges von Sage gelernt hat. Ich meine, wir sollten uns alle nur erdenklichen Informationen zugänglich machen, bevor wir versuchen, das Verlorene Reich zu rekolonisieren."

"Aber ihr habt doch gesagt, Sage sei ein Volksverhetzer!", wandte ich ein.

"Das ist er auch", stimmte mir mein Vater zu. "Aber man muss stets bereit sein, von seinen Feinden zu lernen. Wie deine Mutter richtig bemerkte, sind wir in der Tat eine höhere Lebensform, und das Recht ist unbestreitbar auf unserer Seite. Aber um alle flüchtigen Gefahren dieser modernen Zeiten zu überdauern, müssen wir uns zur Demut erziehen. Wir müssen bereit sein zu lernen, nicht nur vom Feind im Inneren, sondern auch von so minderwertigen Vögeln wie Elster und Saatkrähe."

Es erstaunte mich, meinen Vater so reden zu hören, und ich kam zu dem Schluss, dass er allmählich senil wurde. Gleichzeitig merkte ich, dass meine Mutter noch entsetzter war als ich.

"Von der Elster lernen!", rief sie aus. "Was für ein Unsinn! Und was kommt dann? Ich

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