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Dorian Hunter - Unheilige Nacht 9 Kurzgeschichten von Borner, Simon (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.11.2016
  • Verlag: Zaubermond Verlag
eBook (ePUB)
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Dorian Hunter - Unheilige Nacht

Nicht erst mit den Raunächten bricht eine besondere Zeit an. Es ist die Zeit der Einkehr. Die Dämonen werden mit zunehmender Dunkelheit von Nacht zu Nacht realer. Höchste Zeit also, Dorian Hunter und Coco Zamis in neun Geschichten auf ihrer Winterreise zu begleiten. Mit Storys von Simon Borner, Catalina Corvo, Logan Dee, Jörg Kleudgen, Catherine Parker, Christian Schwarz, Michael Marcus Thurner, Uwe Voehl und Susanne Wilhelm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 07.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955728205
    Verlag: Zaubermond Verlag
    Größe: 1405 kBytes
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Dorian Hunter - Unheilige Nacht

Das ABC des Teufels

von Simon Borner

Karten sind des Teufels ABC.

- sorbisches Sprichwort

Spanien, 1796

Sein Name war Hugo Bassarak. Aber er hatte keine Bedeutung mehr. Er gehörte der Vergangenheit an - genau wie jedes andere Detail seines Lebens. Und die Vergangenheit war vorüber. Endgültig. Sie musste es einfach sein.

Andernfalls wäre es vermutlich sein Tod.

Die Straße war lang, staubig und kerzengerade. Bassarak wusste nicht, wie lange er sie schon beschritt. Tage? Wochen? Die Zeit verlor jegliche Bedeutung, wenn man stur nach Süden wanderte, nichts als den Himmel und das Gras am Wegesrand als Begleitung und nichts als das ferne Ziel im Sinn:

Portugal. Die Atlantikküste.

Dort würde er ein Schiff finden, das ihn noch weiter weg von all dem brachte, was er zu vergessen suchte. Wenn erst Ozeane zwischen ihm und Paris lagen ... Vielleicht würde er dann endlich vergessen können. Endlich leben können. Endlich Frieden finden.

Am Tag gelang ihm das schon recht gut. Die staubige Landstraße half, die Erinnerungen verblassen zu lassen. Sie bestätigte einem mit jedem zurückgelegten Schritt und jedem passierten Grashalm aufs Neue, dass es vorwärts ging und die Grauen des Gestern immer weiter hinter ihm lagen. Die Straße gab einem eine Beschäftigung und ein Gefühl von Fortschritt. Nur bei Nacht, wenn Bassarak allein auf seinem Lager ruhte, den Blick ins Dunkel gerichtet, kehrten die Erinnerungen zurück und überwältigten ihn wie Sturmwellen das schutzlose Ufer. Nachts bekam das Gestern Zähne, und sein Biss war noch so teuflisch wie eh und je.

Nicht denken , tadelte er sich daher und richtete den Blick nun wieder stur gen Horizont. Handeln.

Es war sein Mantra, seit Wochen schon. Er ging, um zu vergessen - das ja -, aber auch, um sich einen Neuanfang zu ermöglichen. Er ging, damit ein Schlussstrich gezogen wurde und ein neues Kapitel begann. Eines, in dem das Gestern keine Rolle mehr spielte, weil niemand es mehr kannte. Weil niemand Fragen stellte, die Bassarak nicht beantworten wollte. Und weil gefühlt Welten zwischen ihm und Paris liegen würden. Welten voller Sicherheit.

Es war spät geworden an diesem Tag. Dunkle Wolken bedeckten den Himmel über Spaniens Bergen. Bassarak war auf seiner Wanderung so in Gedanken versunken gewesen, dass er sie erst jetzt bemerkte. Ferner Donner drang nun an sein Ohr, und in der Luft lag eine drückende Schwüle, die ihm trotz der schon späten Stunde erneut den Schweiß aus den Poren lockte. Ein Sturm bahnte sich an. Sogar ein ziemlich starker, wenn er sich nicht irrte. Selbst das Zwitschern der Vögel - eigentlich eine Konstante auf seinem Weg - war inzwischen verstummt. Die gefiederten Tiere schienen bereits irgendwo Zuflucht gefunden zu haben.

Da geht es ihnen besser als mir.

Seufzend beschleunigte Bassarak seinen Schritt. Irgendwo würde er schon eine Scheune oder einen Gasthof finden. Wenn er Glück hatte und sich beeilte, erreichte er ihn noch, bevor das Wetter zur Gefahr wurde und ein Blitz an ihm beendete, was dem Grauen von Paris nicht gelungen war.

Knapp eine Stunde später kam er nach Punto Final. Der so pathetisch betitelte Ort war wenig mehr als ein Klecks auf der Landkarte. Eine Handvoll windschiefer Häuser, irgendwo im Hinterland des spanischen Nirgendwo gelegen, zwischen den Bergen und dem Wald, und rechts und links an ein und derselben staubigen Straße aufgereiht, der einzigen weit und breit. Schwarze Fenster, hinter denen sich nichts rührte. Krumme Schornsteine, aus denen kein Rauch aufstieg. Schmutzige Fassaden. Doch mittendrin: ein Gasthaus.

Bassarak, inzwischen regennass bis auf die Knochen, atmete erleichtert auf. Schnell bog er von der Straße ab und steuerte auf das ebenso kleine wie unscheinbar wirkende Lokal zu. Es hieß genau

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