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DSA 33: Das Galgenschloss Das Schwarze Auge Roman Nr. 33 von Büchner, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2014
  • Verlag: Ulisses Spiele
eBook (ePUB)
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DSA 33: Das Galgenschloss

Als Mikail Ouvenske sein ererbtes Schloss in Besitz nehmen will, empfangen ihn von den Zinnen warnend vier Galgen. Fortan hat er alle Hände voll zu tun, sich der blutigen Vampir-Plage zu erwehren, die sein Gut heimsucht. Doch dann verdächtigt ihn die Praios-Inquisition eines Dämonenpakts und verhaftet ihn ...

Die Wienerin Barbara Büchner ( 01.02.1950) schreibt seit 1997 Geschichten und Romane, die Aventurien spielen, der Hintergrundwelt des erfolgreichsten und bekanntesten deutschsprachigen Fantasys-Rollenspiels 'Das Schwarze Auge'. Sie arbeitet darüber hinaus als Übersetzerin und freie Journalistin und hat für ihre Kinderbücher schon mehrere Preise erhalten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 237
    Erscheinungsdatum: 16.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957524324
    Verlag: Ulisses Spiele
    Größe: 828 kBytes
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DSA 33: Das Galgenschloss

2. Kapitel

Im hohen Heiligtum des Boron auf dem Rabenpaß, der die Gelbe Sichel durchschneidet, erhob sich früh im Morgengrauen der junge Geweihte Jagotin von seinem Lager. Er wusch sich mit kaltem Wasser den rasierten Kopf, Gesicht und Hände, dann schlüpfte er in seine einfache schwarze Kutte und die lammfellgefütterten Stiefel, die im kalten Bornland auch für einen Geweihten ein Muß waren. Sein Blick glitt über die spartanisch eingerichtete Zelle: Mauern aus dunklem Stein, ein schmales Lager aus Rotföhrenholz. Auf einem Brett standen die Dinge des täglichen Bedarfs: eine Öllampe, ein Eßnapf, ein Krug und ein Becher. Jagotin war ein Künstler, und so hatte er die Wände seiner Zelle mit Holzschnitten geziert, die Borons heilige Pflanzen darstellten: Ebenholzbaum, Boronweide und die tödlich berauschenden Blüten des Schwarzen Lotos.

Er trat an das kleine Fenster und blickte hinaus. Sein Blick wanderte über das einfache Steingebäude des wiederaufgebauten Tempels und die brandgeschwärzten Ruinen, die sich ein Stück entfernt am Hang hinaufzogen. Nach langen Jahren der Verlassenheit regte sich wieder borongefälliges Leben auf dem Rabenpaß. Eine Vision hatte den Tempelvorsteher Ilko Dagoneff dazu berufen, neben dem abgebrannten Heiligtum ein neues zu bauen, und mit nur sieben Geweihten hatte er es zustande gebracht, diese Aufgabe zu erfüllen.

Jagotin streckte sich, daß sein hagerer, sehniger Körper knackte. Er hätte jetzt Anrecht auf ein Frühstück gehabt, aber er wollte lieber fasten, bis er dem Vorsteher des Tempels seinen Traum erzählt hatte. Er wußte genau, daß es ein richtungsweisender Traum gewesen war. Jeder Boroni erkannte die bedeutsamen Träume sofort.

Wenig später schritt er einen steinernen Gang entlang, in den nur durch schmale Scharten das Morgenlicht hereinfiel, und betrat das teppichverkleidete Zimmer des Tempelvorstehers. Ilko Dagoneff saß auf seinem Meditationskissen und blickte ihm aufmerksam entgegen. Jagotin verneigte sich stumm.

"Du willst mir einen Traum erzählen?" fragte der Vorsteher. Er war ein Mann in fortgeschrittenen Jahren mit statuenhaften bleichen Zügen. Sein Schädel war rasiert, aber an seiner Kinnspitze sproß ein langer, spitz zulaufender blauschwarzer Bart, der ihm bis auf die Brust hinabhing.

"Ja, Euer Hochwürden. Ich bin sicher, daß er mir zur Warnung vor kommendem Ungemach gesandt wurde."

"Dann berichte." Ilko deutete auf ein weiteres kreisrundes Kissen.

Jagotin ließ sich nieder und begann zu erzählen. "In meinem Traum stand ich auf dem höchsten Punkt unseres Heiligtums und blickte hinunter. Es war um die Zeit der Dämmerung, und ich sah dort unten, zwischen den Nordwalser Höhen und dem Totenmoor, ein bösartig schillerndes Licht zucken. Es war so groß wie eine Wolke, die mehrere Dörfer bedeckt. Dann war ich plötzlich unter dieser Wolke, unter der es wie Gewitterlicht leuchtete. Ich schritt eine Straße entlang. Die Felder links und rechts stöhnten und brachen auf, und Särge sprangen hervor, als speie die Erde sie aus. Dann sah ich, daß mir ein Zug Leute auf der Straße entgegenkam, und ich trat beiseite und ließ sie passieren. Sie waren hager und verblichen, und in meinem Traum wußte ich, daß sie kein Spiegelbild und keinen Schatten hatten. Stumpf und wortlos trotteten sie an mir vorbei und verneigten sich alle vor einer Frau, die auf einem Stein saß. Erst als sie vorbeigezogen waren, blickte ich hin und sah, daß es eine sehr schöne Frau war, mit langem Haar und in ein kostbares rotes Gewand gehüllt. Aber von ihrem Gewand, das aus Menschenhaut gemacht war, tropfte Blut, und

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