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Erinnerungen an Pallahaxi Roman von Coney, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2015
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Erinnerungen an Pallahaxi

Dann kamen die Lorin. Viele Generationen nach Drove, dem Helden aus 'Der Sommer geht', erlebt Hardy, wie seine Welt, der Planet der Stilk, erneut vor einem langen Winter steht. Die Gesellschaft dort hat sich verändert, vor allem in Bezug auf die Lorin, und auch menschliche Siedler sind angekommen und schürfen schon seit einigen Hundert Jahren nach Bodenschätzen. Hardy und sein Volk versuchen, sich auf den Winter vorzubereiten, von dem niemand weiß, wie lange er dauern wird. Im langen Sommer haben die Stilk vergessen, wie man sich vor der Kälte schützt, und auch die Menschen werden immer verzweifelter ... Michael Coney wurde 1932 in Birmingham geboren und besuchte die King Edward's School. Er wurde zunächst Buchhalter, übte dann eine Reihe unterschiedlicher Berufe aus: Unter anderem betrieb er ein Pub in Devon, später leitete er ein Hotel auf der Karibikinsel Antigua. Anfang der Siebzigerjahre siedelte er mit seiner Familie nach Kanada über und wurde Feuerwächter der Columbia Forestry Commission. Seit 1966 schrieb er Science Fiction, mit seinen grandiosen Schilderungen außerirdischer Welten wurde er schnell zu einem der zentralen Autoren der Siebziger und Achtziger. Die beiden 'Pallahaxi'-Romane gelten als seine bedeutendsten Werke. Michael Coney starb 2005 an Krebs.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 30.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641175504
    Verlag: Heyne
    Größe: 1314 kBytes
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Erinnerungen an Pallahaxi

2 DEVON-STATION

DIE ERNTEZEIT KAM, und die Pilgerreise lief wie immer ab, und von Mays Vorschlag war nie wieder etwas zu hören. Wir trugen ihre kleinen Tassen- und Anemonenbäume zum Molchwald und pflanzten sie vorsichtig ein, wobei wir mehr als die Zahl der alten, abgestorbenen Bäume ersetzten. Die Lorin wuselten um uns herum und urinierten auf die Jungpflanzen. Die großen Anemonen verhielten sich ruhig. Das ist seltsam, aber so ist es immer zum Erntedankfest. Sie ziehen ihre Tentakel ein und stehen wie riesige Stümpfe da, während wir um sie herum Setzlinge pflanzen. Vielleicht wissen sie irgendwie Bescheid, dass wir zum Wohl des Waldes tätig sind. Oder die Lorin haben eine beruhigende Wirkung auf sie, wie sie es auch auf uns haben. Aber die Anemonenbäume mögen es nicht, wenn die Försterin Stecklinge schneidet.

Nach dem Erntedankfest kommt die Ernte und danach die Traufe, die Zeit der absterbenden Vegetation, des endlosen Regens, des kalten Nebels und der schlecht gelaunten Erwachsenen. Das ist die Jahreszeit, in der die Schuppen neben den öffentlichen Radiatoren mit einem Vorrat an warmen Ziegelsteinen bestückt werden. Es gibt nichts Besseres als einen warmen Ziegelstein, um die Angst zu vertreiben, wenn man im kalten Regen unterwegs ist. Während der Traufe nach meinem siebzehnten Geburtstag gab es viele Versammlungen der Dorfältesten, sowohl der Männer als auch der Frauen, und viel Kopfschütteln und Mienen der düsteren Vorahnung. Als junger Erwachsener und Neffe des Hauptmanns wurde mir erlaubt, an solchen Zusammenkünften teilzunehmen, und Vater bestand sogar darauf, dass ich es tat.

"Du solltest dabei sein", sagte Vater eines Tages, als er sich mehrere Lagen Pelze anzog und einen Ziegelstein aus dem Ofen nahm, um auf den Lauf durch den Regen zum Bierhaus vorbereitet zu sein, wo die Versammlung stattfinden sollte. "Du weißt nie, welche Position du einmal in Yam innehaben wirst, irgendwann in der Zukunft."

"Meine Position wird die des Vetters des Hauptmanns sein, wenn Onkel Borst stirbt." Was für Aussichten!

Er blickte mich ungewöhnlich lange an. "Vielleicht. Jedenfalls werden wir über Rationierungen sprechen. Dazu brauchen wir den Standpunkt einer jüngeren Person."

"Rax, Vater, diese Versammlungen sind stinklangweilig. Und Drücker wird dabei sein. Fragt ihn nach einem jüngeren Standpunkt."

Er hielt an der Tür inne. "Denk nach, Hardy. Möchtest du wirklich, dass Drücker stellvertretend für dich spricht?"

Wo er Recht hatte, hatte er Recht. "Ich werde später vorbeischauen", sagte ich und hoffte, dass bis dahin alle so sehr von den Diskussionen gelangweilt waren, dass sie zum Trinken und Singen übergegangen waren.

Und so kam es auch, allerdings nicht ganz so, wie ich gedacht hatte.

Die Sonne war schon längst untergegangen, als ich im Bierhaus eintraf, und dort war es so voll, dass die Leute Schwierigkeiten hatten, ihre Krüge zum Mund zu heben. Sie sangen tatsächlich, aber es waren nicht die fröhlichen Verse eines Saufliedes, wie sie Großvater Ernest vielleicht einem Noss-Mädchen vorgesungen hätte, sondern ein trauriger Klagegesang, den ich nach einer Weile als "Großer Phu, erlöse uns" wiedererkannte. Ein Choral. Wie es schien, war die Religion vom Tempel bis in die heiligen Hallen des Bierhauses herübergeschwappt. Gab es denn überhaupt keine Tabus mehr?

Und als die letzten melancholischen Töne wie vergiftete Tratten erstarben, erhob sich Onkel Borst über die Menge. Er hatte sich mit ausgebreiteten Armen auf den Tresen gestellt.

"Mein Volk!", rief er.

Die Unterhaltungen, die gerade anfingen, verstummten wieder. In das Schweigen tönte die markante Stimme von Wanda, unserer Hauptfrau, die es mit allem peinlich genau nahm.

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