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Falsches Grab Roman von Harris, Charlaine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)

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Falsches Grab

Teil 2 der Serie Harper Connelly ist eine ungewöhnliche junge Frau mit einer Spezialbegabung: Sie kann Tote finden und deren letzte Augenblicke nacherleben. Diese Fähigkeit hat sie zum Beruf gemacht. Was nicht jedem gefällt, dem sie begegnet ... Bei einem wissenschaftlichen Experiment auf dem Friedhof von Memphis/Tennessee macht sie eine grausige Entdeckung: In einem über hundert Jahre alten Grab liegt nicht nur eine Leiche, sondern zwei. Die Leiche eines kürzlich verstorbenen Mädchens gehört eindeutig nicht hierher! Der zweite Harper-Connelly-Roman von Sookie-Stackhouse-Schöpferin Charlaine Harris! Charlaine Harris lebt mit ihrer Familie in Arkansas. Sie ist mit ihrer Bestseller-Vampir-Serie um Sookie Stackhouse und der Serie um Harper Connelly, die Tote finden kann, weltberühmt geworden und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Beide Serien erscheinen auf Deutsch bei dtv.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 22.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423427975
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Grave Surprise
    Größe: 3212 kBytes
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Falsches Grab

Ich mochte Clyde Nunley nicht, als ich ihm auf dem alten Friedhof zum ersten Mal persönlich gegenüberstand. Rein äußerlich gab es nichts an ihm auszusetzen: Er war angezogen, wie man sich in einem milden Winter im südlichen Tennessee eben anzieht, und auch sehr passend für das, was wir vorhatten. Seine alten Jeans, die Arbeitsstiefel, der unförmige Hut, das Flanellhemd und die Daunenweste waren ein durchaus vernünftiges Outfit. Aber Dr. Nunley strahlte etwas so Selbstgefälliges, Aalglattes aus, dass er mich bestimmt nur hierherbestellt hatte, um mich lächerlich zu machen. Mit Sicherheit hielt er mich für eine Betrügerin.

Er gab mir die Hand und baute sich direkt vor mir auf. Er schien bester Laune zu sein und musterte mich und meinen Bruder, während wir Seite an Seite auf seine Anweisungen warteten.

Das Seminar, das Dr. Clyde Nunley von der Anthropologischen Fakultät am Bingham-College gab, hieß "Unvoreingenommenes Denken: Okkultismus im 21. Jahrhundert". Eigentlich hatte ich auf einer solchen Veranstaltung wenig zu suchen, aber es war ein Job wie jeder andere.

"Letzte Woche hatten wir ein Medium eingeladen", sagte er.

"Zum Mittagessen?", fragte ich und erntete nur ein Stirnrunzeln.

Ich warf Tolliver einen verstohlenen Blick zu. Seine Augen waren zwei schmale Schlitze, er schien sich zu amüsieren. Aber er ermahnte mich auch, höflich zu bleiben.

Wenn dieses Arschloch von Professor nicht gewesen wäre, hätte ich es kaum erwarten können. Ich holte tief Luft und sah an Dr. Nunley vorbei auf die verwitterten Grabsteine. Hier war ich goldrichtig.

Nach amerikanischen Maßstäben war es ein wirklich alter Friedhof. Die Bäume hatten beinahe zwei Jahrhunderte Zeit gehabt zu wachsen. Einige waren bestimmt noch Schösslinge gewesen, als die Bewohner von St. Margaret hier bereits zur letzten Ruhe gebettet wurden. Jetzt waren sie groß und mächtig. Im Sommer war ihr Schatten sicherlich ein Segen. Aber jetzt, im November, waren ihre Äste kahl, und das Gras war gelb und von toten Blättern übersät. Der Himmel war von einem dermaßen bleiernen Grau, dass einem das Herz schwer wurde.

Normalerweise wäre meine Stimmung in dieser Umgebung genauso gedämpft gewesen wie die der anderen, hätte ich nicht so etwas wie eine Überraschung für sie parat gehabt. Die noch aufrecht stehenden Grabsteine waren alle unterschiedlich, und darunter warteten die Toten auf mich.

Es hatte fast zwei Wochen nicht geregnet, also trug ich Turnschuhe statt Stiefel. Wenn ich sie auszog, würde ich noch besser Kontakt aufnehmen können, aber dann würde ich auf die Studenten und den Professor noch exzentrischer wirken als ohnehin schon. Außerdem war es ein wenig zu kalt, um barfuß zu gehen.

Nunleys Studenten waren gekommen, um meiner "Vorführung" beizuwohnen. Darum ging es hier. Von der zwanzigköpfigen Gruppe waren zwei bereits etwas älter, eine Studentin war sogar Anfang vierzig. Ich hätte wetten können, dass sie mit dem Kombi gekommen war, der zwischen den anderen Fahrzeugen stand. Sie alle parkten vor dem verfallenen Zaun, der den Kiesparkplatz vom Friedhofsrasen trennte. Die Frau musterte mich mit einem offenen, neugierigen Gesichtsausdruck.

Der andere "ungewöhnliche" Student war ein Mann, den ich auf Anfang dreißig schätzte. Er trug eine Cordhose und einen fliederfarbenen Pullover. Dem Dreißigjährigen gehörte der funkelnde Colorado-Pick-up. Clyde Nunley war bestimmt der Besitzer des alten Toyotas, und die vier anderen verbeulten Kleinwagen mussten den übrigen Studenten gehören. Obwohl sich St. Margaret streng genommen noch auf dem Campus befand, lag die alte Kirche ganz am Rande des Universitätsgeländes, hinter dem kleinen Stadion, den Tennisplätzen und dem Fußballplatz. So gesehen war es nicht verwunderlich, dass die meisten mit dem Wagen gekommen waren, erst recht bei dem kühlen, ungemütlichen Wetter. Die Studenten waren zwischen achtzehn und einundzwanzig, und mit einem Schlag wurde mir

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