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Gwendys Wunschkasten von King, Stephen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Gwendys Wunschkasten

Wiedersehen mit Castle Rock
Die kleine Stadt Castle Rock in Maine hat die seltsamsten Vorkommnisse und ungewöhnlichsten Besucher erlebt. Warum sollte es der 12-jährigen Gwendy anders ergehen? Eines Tages tritt ein schwarz gekleideter Unbekannter an sie heran und macht ihr ein Geschenk: einen Kasten mit lauter Schaltern und Hebeln. Wozu er dient? Gwendy probiert es aus, und ihr Leben verändert sich von Grund auf.

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Bislang haben sich seine Bücher weltweit über 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem "Edgar Allan Poe Award" den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts. Seine Werke erscheinen im Heyne-Verlag, zuletzt die Spiegel-Bestseller Mind Control und (zusammen mit Owen King) Sleeping Beauties.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 09.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222192
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Gwendy's Button Box (Cemetary Dance, 2017)
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Gwendys Wunschkasten

1

Von der Stadt Castle Rock gibt es drei Wege nach Castle View hoch: die Route 117 , die Pleasant Road und die Selbstmordtreppe. In diesem Sommer ist die zwölfjährige Gwendy Peterson jeden Tag - ja, auch sonntags - die Treppe hochgelaufen, die sich, mit starken (wenn auch im Lauf der Zeit verrosteten) Schraubbolzen befestigt, im Zickzack am Steilhang hochzieht. Sie geht die ersten hundert Stufen, joggt die zweiten hundert, zwingt sich, die letzten hundertfünf zu laufen, und rennt dabei - wie ihr Vater sagen würde -, als wollte sie auf Teufel komm raus eine Wahl gewinnen. Oben angekommen, krümmt sie sich mit knallrotem Gesicht, stützt die Arme auf die Knie, die Haare kleben ihr in verschwitzten Strähnen an den Wangen (beim Endspurt lösen sie sich immer aus dem Pferdeschwanz, egal wie straff sie den bindet), und sie schnauft wie eine alte Schindmähre. Aber es zeigen sich schon die ersten Verbesserungen. Wenn sie sich aufrichtet und an sich hinabschaut, kann sie die Spitzen ihrer Turnschuhe sehen. Im Juni ging das noch nicht, am letzten Schultag, der auch ihr letzter Tag in der Grundschule von Castle Rock war.

Ihr durchgeschwitztes T-Shirt klebt an ihr, aber insgesamt fühlt sie sich richtig gut. Wenn sie im Juni oben angekommen war, hatte sie noch jedes Mal Angst gehabt, gleich an einem Herzinfarkt zu sterben. Sie hört das Kindergeschrei auf dem Spielplatz in der Nähe. Etwas weiter weg ertönt das Tocken eines Aluminiumschlägers, der auf einen Baseball trifft; die Jugendlichen aus der Senior League trainieren für das Benefizspiel am Labor Day.

Sie putzt sich die Brille gerade mit dem Taschentuch, das sie genau dafür in der Tasche ihrer Shorts immer dabeihat, da spricht sie auf einmal jemand an. "He, Mädchen. Komm doch mal hier rüber. Wir müssen uns unterhalten, du und ich."

Gwendy setzt die Brille auf, und die verschwommene Welt wird wieder scharf. Auf einer schattigen Bank am Schotterweg, der von der Treppe in den Freizeitpark von Castle View führt, sitzt ein Mann in schwarzen Jeans, einer schwarzen Anzugjacke und einem weißen Hemd, das oben aufgeknöpft ist. Auf dem Kopf trägt er eine kecke, kleine Melone. Ein Hütchen, das Gwendy schon bald Albträume bereiten wird.

Der Mann hat die Woche über an jedem einzelnen Tag auf genau dieser Bank gesessen und immer dasselbe Buch gelesen ( Die Enden der Parabel, ein richtig anstrengend aussehender Schinken), aber heute spricht er sie zum ersten Mal an. Gwendy mustert ihn misstrauisch.

"Ich darf nicht mit fremden Leuten sprechen."

"Das ist ein guter Rat." Er dürfte im Alter ihres Vaters sein, dann wäre er rund achtunddreißig, und er sieht nicht schlecht aus, aber an einem heißen Augustvormittag eine schwarze Anzugjacke zu tragen macht ihn in Gwendys Augen zu einem ziemlichen Spinner. "Den hat dir bestimmt deine Mutter gegeben, oder?"

"Mein Vater", sagt Gwendy. Um auf den Spielplatz zu kommen, muss sie an ihm vorbei, und wenn er wirklich ein Spinner ist, könnte er versuchen, sie zu packen, aber echte Sorgen macht sie sich nicht. Es ist schließlich helllichter Tag, der Spielplatz ist ganz in der Nähe und gut besucht, und sie ist wieder bei Puste.

"In dem Fall möchte ich mich vorstellen", sagt der Mann in der schwarzen Jacke. "Ich heiße Richard Farris. Und du bist ...?"

Sie überlegt und sagt sich, was soll's. "Gwendy Peterson."

"Na bitte. Jetzt kennen wir uns."

Gwendy schüttelt den Kopf. "Namen sind nicht kennen."

Er legt den Kopf in den Nacken und lacht. In seiner ehrlichen guten Laune ist das richtig charmant, und Gwendy muss unwillkürlich lächeln. Aber sie bleibt noch auf Distanz.

Er macht aus seiner Hand eine Pistole und zielt auf sie. sp

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