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Im Turm Roman von Bancroft, Josiah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Im Turm

Der Turm von Babel ist das gewaltigste Bauwerk des Seidenen Zeitalters: er ragt so hoch in die Wolken hinein, dass niemand weiß, wo er endet; in seinem Inneren gibt es ganze Königreiche und unzählige Labyrinthe voller geheimnisvoller Kreaturen und tödlicher Gefahren. Eigentlich wollte der furchtsame Thomas Senlin nur einen kurzen Blick auf dieses Weltwunder werfen und dann weiterreisen. "Falls wir uns in der Menschenmenge verlieren, treffen wir uns auf der Spitze des Turmes wieder", sagt seine frisch angetraute Frau Marya noch kokett zu ihm, kurz darauf ist sie tatsächlich spurlos verschwunden. Senlin bleibt keine Wahl: Er muss rein in den Turm und rauf auf die Spitze, wenn er seine Frau wiederfinden will. Das Abenteuer beginnt ...

Bevor Josiah Bancroft mit Im Turm seinen ersten Fantasy-Roman veröffentlichte, schrieb er Gedichte und Kurzgeschichten, war Dozent am College und Comiczeichner. Er lebt mit seiner Frau in Philadelphia, Pennsylvania.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 13.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226367
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Senlin Ascends - The Books of Babel
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Im Turm

1

"Der Turm von Babel ist vor allem berühmt für die prächtigen Dinge aus Seide und die überwältigenden Luftschiffe, die hier produziert werden, doch Besucher werden noch andere, nicht greifbare Exportgüter entdecken. Schrullen, Abenteuer und Liebe sind die wahren Handelsgüter des Turmes."

Allgemeiner Führer durch den Turm von Babel, I.V

Die Reise von der Küste in die Wüste, in der der Turm von Babel wie ein Stoßzahn aus dem Kiefer der Erde aufragte, dauerte mit dem Zug vier Tage. Zuerst waren sie durch Weideland gefahren, auf dem verstreut Rinder und reizlose Dörfer standen, dann hatte sich der Zug über einige mit Schnee überzogene Berge gekämpft, auf denen Kondore in Nestern so groß wie Heuhaufen brüteten. Schon hier waren sie weiter weg von daheim als je zuvor. Sie fuhren durch schiefergraue Gebirgsausläufer, die ihn an ein Feld voll zertrümmerter Tafeln erinnerten, durch Zypressenhaine, die für sie wie offene Schirme aussahen, und kamen schließlich in dem ausgedörrten Talkessel an. Der Boden hatte die Farbe von verrosteten Ketten, und alles war von rotem Staub überzogen. Die Wüste war jedoch alles andere als eine Wüstenei. Ganze Karawanen begleiteten den Zug, jede ein sich dahinschlängelndes Band aus Rädern, Hufen und Füßen. Im Lauf des Morgens verdichtete sich der Verkehr zu einer so festen Masse, dass der Zug nur noch im Schritttempo fahren konnte. Ihr Waggon schob sich durch die lärmende Woge aus Kutschen und von Ochsen gezogenen Karren, durch die Touristen, Pilger, Migranten und Händler aus jedem Teil der weiten Nation von Ur.

Thomas Senlin und Marya, seine frisch angetraute Ehefrau, musterten die menschliche Menagerie durch das offene Fenster ihres sonnigen Schlafwagens. Ihre porzellanweiße Hand lag zart auf seinen langen Fingern. Eine kleine Gruppe Soldaten mit rotem Uniformbesatz auf der Brust ritt langsam vorbei und drängte dabei eine Familie mit karierten Kopftüchern auf Kamelen auseinander. Das Trompeten der Elefanten übertönte das Rattern des Zuges, und hier und da schwebten Luftschiffe über ihnen im heißen Wind unaufhaltsam auf den Turm von Babel zu. Die Ballone, die die Schiffe in der Luft hielten, waren so farbenfroh wie Maibäume.

Seit sie auf den Turm zusteuerten, war es den Senlins nicht gelungen, die hoch aufragende Spitze von ihrem Fenster aus zu sehen. Nichtsdestotrotz beschrieb Senlin sie äußerst anschaulich. "Es wird viel darüber diskutiert, wie viele Ebenen es eigentlich gibt. Manche Gelehrte gehen von zweiundfünfzig aus, andere von sechzig. Vom Boden aus lässt sich das ganze Ausmaß nicht erkennen", sagte er und fuhr damit mit seinem Vortrag fort, den er seiner jungen Frau bereits die ganze Reise über gehalten hatte. "Einige Männer, vor allem Luftfahrer und Mystiker, sagen, dass sie die Turmspitze gesehen hätten. Natürlich kann keiner mit einem Beweis für diese Behauptung aufwarten. Manche Abenteurer behaupten sogar, dass der Turm immer noch weiter in die Höhe gebaut wird, wenn man das denn glauben kann." Diese trivialen Fakten gaben ihm Halt, wie Fakten generell. Thomas Senlin war ein reservierter und von Natur aus schüchterner Mann, der sein Selbstvertrauen aus Plänen, einer gesunden Lebensweise und schriftlichen Informationen bezog.

Marya nickte pflichtbewusst, war jedoch offensichtlich von der farbenprächtigen Menge vor dem Fenster abgelenkt. Ihre großen grünen Augen zuckten aufgeregt von einer exotischen Zerstreuung zur nächsten: Was ihrem Mann kaum auffiel, saugte sie in sich auf. Senlin wusste, dass Marya im Gegensatz zu ihm Spektakel und Menschenaufläufe belebend fand, auch wenn es davon zu Hause herzlich wenig gab. Das Treiben vor ihrem Fenster war nicht mit Isaugh zu vergleichen, einem salzgepeitschten Fischerdorf, das mittlerweile viele Hundert Meilen hinter ihnen lag. Isaugh war die einzige Heimat, die sie kannte, abgesehen von dem Musikkonservatorium für junge Damen, das sie vier Jahre besucht hatte. Isaugh hatt

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