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In den Spiegeln - Teil 5 Imaginäre Freunde von Pickar, Ales (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.06.2013
  • Verlag: Anna macht Urlaub
eBook (ePUB)
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In den Spiegeln - Teil 5

Im fünften Teil der psychotischen Kult-Saga führt die Spur nach Rom. Zusammen mit Erzengel Gabriel begibt sich Jan-Marek auf die Jagd nach dem letzten Biofakt. Doch wie zuvor laufen die Dinge nur wenig nach Plan und Jan-Marek wird mit einem mächtigen Dämon konfrontiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 168
    Erscheinungsdatum: 06.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783981515480
    Verlag: Anna macht Urlaub
    Größe: 231 kBytes
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In den Spiegeln - Teil 5

5.3 Umbilicus urbis

Als das Flugzeug sich im Landeanflug zur Seite neigte, überblickte ich kurz die gesamte Stadt, samt der unverkennbaren, schwungvollen Welle, die der Fluss Tiber durch diese dichte Landschaft aus Häusern, Straßen, sternförmigen Plätzen und Gärten zeichnet. Die Straßenbeleuchtungen waren bereits eingeschaltet, während sich noch die letzten Sonnenstrahlen an den Kirchenspitzen und Hauskanten brachen und lange Schatten nach Osten sandten.

"Fünfundachtzig Minuten", verkündete Gabriel, während er auf seine Uhr sah.

Sie waren nicht allmächtig, dachte ich. Wann immer ein Engel oder ein Dämon beschloss, die Arena der menschlichen Realität zu betreten, musste er sich auch den Beschränkungen unserer Körper, unserer Gehirne und unserer Naturgesetze unterwerfen. Sie mochten Fähigkeiten besitzen, die sie zu weit überlegeneren Wesen machten, aber hier in unserer Welt konnten sie nicht alle diese Fähigkeiten entfalten.

Doch dieser Umstand ermöglichte ihnen auch, unbemerkt unter uns zu sein. Sie konnten Marotten und Eigenheiten, Banalitäten und Fragmente eines alltäglichen, trivialen Lebens aus ihren Avataren erspüren und sahen dabei wunderbar menschlich und harmlos aus.

Das Gerippe des Kolosseums und die mächtige Basilika di San Pietro fielen mir als erstes ins Auge, beide bereits von starken Scheinwerfern angestrahlt, wie Antipoden zweier großer Zivilisationen, jeder in seiner eigenen Ecke der Stadt - das Heidnische und das Christliche.

Der Flughafen Leonardo da Vinci liegt an der Küste, in Sichtweite von Ostia, wo bereits vor zweitausend Jahren römische Legionäre und Händler auf dem Heimweg in die Ewige Stadt das Festland betraten. Während wir aufsetzten, beobachtete ich nachdenklich das unruhige Meer. Einige späte Barken und müde Fischerboote kehrten langsam in ihren Hafen zurück. Ich hielt mir die Hand vor die Stirn, um meine Augen gegen die untergehende Sonne abzuschirmen.

Ich konnte nicht leugnen, dass die Mitglieder der Lux Aeterna Eindruck auf mich gemacht hatten. Es war verführerisch und schmeichelhaft, sich in ihrer Welt bewegen zu dürfen. Doch ich hatte auch ein ganzes Leben damit verbracht, die Welt um mich herum zu verabscheuen. Die mechanisierte Bevölkerung, die jeden Morgen in U-Bahnen durch die Stadt pendelte, um irgendeinem nutzlosen Job nachzugehen. Die Besessenheit von Geld und seine Verwendung als ein Wertesystem für jeden nur erdenklichen Bereich des menschlichen Lebens waren mir schon immer zuwider gewesen. Adam Kadmon und seine Schergen mochten faszinierend sein, so wie das Böse stets faszinierend ist und das Gute belanglos und trivial erscheinen lässt. Doch Gut und Böse kamen mir plötzlich vor wie sehr sinnlose Begriffe in einer Welt, die etwas anderes war, als alle annahmen.

Ich hatte das Leben in dieser Welt nie geschätzt. Vielleicht war es an der Zeit, dass die Engel wieder das Ruder ergriffen.

"Ist es das, was ihr wollt? Dass die Menschen ihre Handys wegwerfen und in Schilfhütten im Einklang mit der Natur leben?", fragte ich Gabriel, noch unter dem Eindruck seines Vortrags in Frankfurt.

"Man kann die Uhr nicht zurückdrehen, Locartes. Jeder Mensch gehört in sein eigenes Zeitalter. Das der Schilfhütten ist für immer vorüber. Ich weiß das. Doch die Menschheit muss sich verändern, oder verändert werden. Es gibt keine andere Option. Die äußere Form dieser Veränderung haben wir euch überlassen. Das ist es, was ihr als Entscheidungsfreiheit wahrnehmt. In diesem Rahmen hattet ihr stets eine Wahl."

Ich hatte eine hektische Taxifahrt nach Rom erwartet, vorbei an kreischenden Mopeds und Kleintransportern auf drei Rädern. Doch das zeugte nur davon, dass ich noch nicht in vollem Ausmaß begriff, was gerade um mich geschah und wer meine Reisebegleiter waren.

Dreißig Meter neben der Landebahn stand ein Helikopter. Der Rotor verrichtete bereits seine lärmende Arbeit und der Pilot trug ein

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