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N - ICH von Schopf, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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N - ICH

Die Brandung hielt den Atem an, als Jiang dort anlangte und in jenes Licht trat, in dem alles gegenwärtig ist. Leerheit und Licht, Einheit und Vielheit. Die Sphäre, raum- und zeitlos, schwanger mit dem neuen Kosmos, zerbarst und hinterließ bei Jiang das Gefühl, die wahre Ordnung der Wirklichkeit geschaut zu haben. Eine Präsenz, ein Kraftstrom, der in seinem unbewussten Ringen um Sein - Dasein in Entwicklung mündete. Die Augenblicke dort riefen in ihm die Empfindung von Geborgenheit, von Frieden hervor und weckten die Hoffnung auf ein Ende seiner Reise. Allmählich, als regle ein verborgener Geist die Intensität des Lichtes herab, blickte Jiang auf den Ozean, der sich ruhig vor ihm ausbreitete. Ein erstes Kräuseln, zaghafte Wellen, ein sanftes Beben der Oberfläche und ein erstes Bild; früheste Erinnerung. Volker Schopf, wurde 1958 in Gerlingen bei Stuttgart geboren. Nach Schule und Ausbildung lebt er heute im nördlichen Schwarzwald. Bisher veröffentlichte er erzählende Prosa, Theaterstücke und drei Fachbücher. Außerdem ist er Naturforscher und setzt sich seit 30 Jahren mit den neuesten wissenschaftlichen Theorien auseinander und er ist der Überzeugung, dass wir in einer Übergangszeit leben, wie er in seinen Fachbüchern 'Über den Kosmos' darlegte. Zuletzt erschien von ihm: N - ICH . Die spannende Seinsfeld-Trilogie zum ersten Mal in einem Band.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 596
    Erscheinungsdatum: 02.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741243462
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 827 kBytes
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N - ICH

I

"Ach, Sebastian", dachte Charlotte, wo hat unsere Liebe ihren Anfang genommen? Im Sandkasten, ohne dass wir es selbst bemerkten, als ich dich Klaus rief, wir mit deinem roten Lastwagen im Sandkasten über selbst gebaute Straßen fuhren und ich zum ersten Mal in deine Augen blickte, dunkle, einsame Seen, durchtränkt von Traurigkeit, vom nahen Ende kündend?

Oder später?

Zufall oder Schicksal, dass deine Mutter nach ihrer

Flucht aus Ostpreußen gegenüber von uns bei Familie Heinzelmann im Haus die obere Wohnung zugeteilt bekam? Deine Schwester Maria und du Sebastian, hattest am Todestag von Klaus Geburtstag; ein Umstand, dessen Bedeutung ich erst später begriffen habe, nachdem ich deine seltsame Geschichte kannte und unsere erste Liebe erblühte. Nahm hier unsere Geschichte ihren eigentlichen Anfang?

Ich weiß es nicht.

Ach, Sebastian, die Jugendjahre, später das schreckliche Zugunglück, dein Tod, erneuter Abschied, Jahre des Alleinseins. Und als du plötzlich vor mir standest, achtzehn Jahre später, im Dämmerlicht des Hausflurs - so jung, als temperamentvolle Frau, Bella. Unsere gemeinsamen Jahre, die Reisen, und erneut riss ein Unglück dich von meiner Seite, ein weiterer Abschied und Jahre der Hoffnung, des Wartens bis in die Gegenwart.

Und heute?

Kündigen die Erinnerungen an dich, unsere Liebe, dein Kommen an oder meinen Abschied vor der Zeit? An wie vielen deiner Gräber habe ich meine Tränen vergossen, mich deiner erinnernd, hoffend auf ein Morgen, ein Wiedersehen, ein letztes spätes Glück."

Charlotte klagte seit den Mittagsstunden über Kopfschmerzen. Die Hände im Schoß gefaltet, saß sie auf der porösen Steinbank am Musikpavillon, ihrem Lieblingsplatz, von dem ein schmaler Kiesweg zum Haupttor führte. Von hier aus konnte sie unbemerkt die Ein- und Ausfahrenden beobachten, ihr Kommen und Gehen, die mit den Monaten kürzer werdenden Besuche bei der Frau, dem Mann, den Eltern, die sich spätestens nach einem Jahr auf Geburtstag und Weihnachten reduzierten. Das Alter, der damit einhergehende Verfall an Körper und Geist, schreckte ab; nur Wenige ertrugen diesen Blick in die eigene Zukunft.

Die Welt dort draußen sprach eine andere Sprache, die nichts mit der hier herrschenden Wirklichkeit gemeinsam hatte und in einer Zeit, die täglich neue Vorstellungen über das Leben in Bezug auf Mode und Lebensart erfand und über die Medien verbreitete, blieb die dunkle Seite des Lebens, seine Schattenseite, die weder mit Geld noch guten Worten korrumpierbar ist, ausgesperrt. An der Nüchternheit ihrer Insel, des Hauses Langwiesen, zerbrach der Glaube an das 'Alles ist möglich' und die Hoffnung, dass das Jetzt, dieses zerbrechliche Selbst, bis in die Ewigkeit gedehnt werden könne, täglich neu auferstehe, wie die Sonne es seit Urzeiten tat, zerrann wie der verbliebene Rest Schnee nahe der Büsche, wo selbst der sonnigste Tag die Schatten nicht vertreiben konnte, in der Zeit ihres kurzen, nahe dem Horizont verlaufenden Weges.

Der Besuch im Altenheim glich den Besuchern der Nachtmeerfahrt des Sonnenkindes, nur mit dem Unterschied, dass sie verwandelte, nicht neu erschuf, den Glauben zerbrach, nicht stärkte. Der kommende Tag warf ein anderes bleicheres Licht auf die Welt, in dessen Schein der Glanz der Dinge weniger strahlte als zuvor. Die mediale Präsenz, ihr Netz der Illusionen und Versprechen, bröckelte auf der dunklen Seite, und kein Sonnenaufgang heilte die nächtlichen Wunden.

"Nichts währt ewig", dachte Charlotte, tief in ihre Gedanken verstrickt, und niemand wusste das besser zu beurteilen als sie.

Der erste März war ein trüber Tag, der Himmel grau, voll dunkler Wolken, die ein kräftiger Südwind über das Land trieb. Die letzten Reste des verspäteten Wintereinbruchs fielen den milden Temperaturen zum Opfer und verwandelten die Parkanlage in eine finnische Seenlandschaft.

In ihren Erinnerungen kehrte Charlotte, wie so oft in den vergangenen T

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