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Score Roman von Burckhardt, Martin (eBook)

  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Score

Wir schaffen das Paradies auf Erden

In einer nicht allzu fernen Zukunft: Regierungen sind abgeschafft, Geld, Gewalt, Krankheiten, Umweltverschmutzung, Ungerechtigkeit ebenso. Nollet heißt das Unternehmen, das Glück für alle garantiert. Aber noch gibt es die 'Zone', wo ein erbarmungsloser Überlebenskampf tobt. Zwischen Utopie und Dystopie entwirft Martin Burckhardt mit dieser fundierten 'Social Fantasy' eine Gesellschaft, die uns viel näher ist, als wir denken.

Martin Burckhardt, geboren 1957, lebt in Berlin. Er war Verleger, ist Audio-Künstler, Essayist, Kulturtheoretiker und Programmierer. Als solcher gestaltete er das viel beachtete interaktive "Mystery Game" TwinKomplex. Zuletzt erschienen: 'Eine kleine Geschichte der großen Gedanken. Wie die Philosophie die Welt erfand' und 'Digitale Renaissance. Manifest für eine neue Welt'. 'Score' ist Burckhardts erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641156404
    Verlag: Knaus
    Größe: 690kBytes
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Score

2

2. Ziel allen Lebens ist die Glückseligkeit. Insofern ist das Streben nach Glück die Pflicht jedes Einzelnen. Es ist die einzige Pflicht, der die Bewohner des ECO -Systems unterliegen. Die Wege, auf denen sich das Glück finden lässt, liegen nicht von vorneherein fest. Fest steht nur, dass das Glück eine Sache der Gemeinschaft ist. Aus diesem Streben erwächst der Wunsch nach persönlicher Vervollkommnung, der Wunsch, sich vor anderen auszuzeichnen, all die nützlichen Dinge, die frühere Gesellschaften nur unter Einsatz von Zwangsmitteln oder Geldanreizen haben bewerkstelligen können. Der Score ist der Träger des Wertes, aber zugleich Ausdruck der sozialen Wertschätzung. Folglich geht das Streben nach Glück einher mit der Sorge um den eigenen Score. Vernachlässigt ein Mensch diese seine Bestimmung, begeht er ein Verbrechen an sich selbst und der Gemeinschaft.

Als er hinaustrat, empfing ihn gleißender Sonnenschein. In der Frühe, als er in die Firma gefahren war, hatte es geregnet. Jetzt war der Asphalt so heiß, dass er zu flimmern schien. Normalerweise ließ sich Damian, wenn er die Firma verließ, gleich zu seinem Apartment kutschieren. Jetzt, da man ihm einen Zwangsurlaub auferlegt hatte, fand er es angemessen, ein paar Schritte zu gehen. Vielleicht lag es daran, dass er sich als Statistiker ohnehin mehr in der Welt der Zahlen aufgehoben fühlte, auf jeden Fall fühlte sich der Gang in die Außenwelt noch immer fremdartig an. Das lag nicht unbedingt an der Stadt. Nachdem Nollet , wie Google, Facebook und andere Internetfirmen, Opfer von Bürgerprotesten im Silicon Valley geworden war, hatte man die Zentrale nach Berlin verlegt. Dort hatte man sich mit dem Berliner Senat über den Kauf des Tempelhofer Flugfeldes einigen können. Der Londoner Architekt Usman Haque hatte hier ein Gebäude errichtet, das wie ein riesenhaftes Ufo aussah, das nur zufällig auf diesem Flugfeld gelandet war. Damian, der nie zuvor in Deutschland gewesen war, hatte sich von Anbeginn in diesen Anblick verliebt. Als er sich ein Büro hatte aussuchen dürfen, hatte er eines gewählt, von wo er auf das alte Terminal sehen konnte: ein steinernes Halbrund, das wie eine Art Bugwelle vor dem landenden Raumschiff wirkte.

Wie immer war der Firmensitz von Neugierigen umgeben. Neben Touristen, die wegen des monumentalen Bauwerks, der Ikone des ECO -Systems, gekommen waren, waren es Fans, die auf der Suche nach irgendeinem Hinweis, was im Innern des Raumschiffs ausgetüftelt wurde, in Scharen hierherpilgerten. Hätte sich Damian normalerweise umgezogen, so fiel er in seiner blütenweißen Nollet -Uniform schon von Weitem auf. Schon nach wenigen Schritten poppten auf seiner Datenbrille diverse Kontaktangebote auf, und das, obwohl er die üblichen Sexangebote geblockt hatte. Da die Anbieter bereits für ihre Offerte einen Obolus entrichten mussten, konnte er an den Bewegungen des Balkens das Steigen seines Scores verfolgen. Veranlasste diese Aussicht vor allem die jungen Entwickler dazu, des Öfteren ein Bad in der Menge zu nehmen, stellte sie überhaupt eine Motivation dar, bei Nollet arbeiten zu wollen. Selbst Carmen, die ansonsten alles dafür tat, um den Eindruck der Unnahbaren zu kultivieren, war, wie er gerüchteweise gehört hatte, von Zeit zu Zeit den Angeboten muskulöser Nollet- Aficionados erlegen.

Weil Damian das Aufsehen, das sein Erscheinen erregte, höchst unangenehm war, betrat er eines jener luxuriösen Etablissements, die vor allem von Lobbyisten genutzt wurden. Hatte die Gegend um das Tempelhofer Feld vor einigen Jahren noch eine kleinbürgerliche Prägung besessen, so hatte die Landung des Ufos eine tiefgreifende Veränderung des Stadtteils bewirkt. Überall waren Hotels und Prachtbauten entstanden, die der Ästhetik des extraterrestrischen Flugkörpers nacheiferten. Jetzt freilich hatte Damian keinen Blick für die Raffinesse der Architektur. In seinem

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