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Seelenfänger Roman von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2019
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 11.01.2019 per Download lieferbar

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Seelenfänger

Zacharias Calm verfügt über eine besondere Gabe: Als "Traveller" kann er mit dem Bewusstsein anderer Menschen in Kontakt treten. Mit seiner Fähigkeit trägt er maßgeblich zur Aufklärung von Straftaten bei. Eines Tages kehren plötzlich andere "Traveller" von ihren Reisen in das Bewusstsein ihrer Klienten nicht mehr zurück. Wohin sind sie verschwunden? Steckt ein Verbrechen dahinter? Gemeinsam mit der Therapeutin Florence macht sich Zacharias auf die Suche nach seinen Kollegen. Es beginnt eine gefährliche Mission in mentalen Welten, bei der die Grenze zwischen Realität und Traum schon bald verschwimmt. Und dann stehen Zacharias und Florence einem skrupellosen Gegner gegenüber, der sogar die Realität bedroht ...

Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, zählt mit seinen futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie "Das Schiff" und "Omni" zu den erfolgreichsten Autoren unserer Zeit. Spektakuläre Zukunftsvisionen sind sein Markenzeichen. Der SPIEGEL-Bestseller "Das Erwachen" widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Sein aktueller Wissenschaftsthriller "Ewiges Leben" zeigt Chancen und Gefahren der Gentechnik auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 640
    Erscheinungsdatum: 11.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492992473
    Verlag: Piper
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Seelenfänger

Die Foundation

1

Die Sonne hing rot wie Blut an einem grauen Himmel, unter dem sich die Wellen eines grauen Meeres zu schaumgekrönten Bergen auftürmten. Mit zornigem Donnern schmetterten sie auf einen Strand aus schwarzem Kies, der nach zwei Dutzend Metern an den brüchigen Fassaden hoher Gebäude endete. Die Tür, die sich vor Zacharias und Florence geöffnet hatte, schwebte etwa einen Meter über dem Strand, der Brandung so nahe, dass sie die Gischt spürten. Sie standen auf der Schwelle, hinter ihnen ein grollender, kalbender Gletscher, weiß unter einem kobaltblauen Himmel, und vor ihnen die Welt mit dem wütenden Meer und den Klippen aus Gebäudefronten, grau wie der aufgewühlte Ozean und der Himmel darüber.

"Er versucht uns zu verwirren." Zacharias sprang, landete auf nassem, knirschendem Kies und half Florence herunter. Wie von einem Windstoß erfasst schlug die Tür zu und verschwand. "Was sagen die Daten?"

Florence hob die Hand zum Interface-Äquivalent am Ohr. "Sein Zustand ist stabil. Er schläft. Tetranol-Phase bei sechzig Prozent. Wir haben Zeit genug, Zach."

"Er schläft", sagte Zacharias und beobachtete, wie eine weitere Welle wuchs, wie sie noch höher wurde als die anderen vor ihr und zum Strand rollte. "Aber er weiß von uns, und sein Unterbewusstsein wehrt sich mit Derealisation. Er will uns verwirren und vom Weg abbringen." Zacharias konzentrierte sich auf die Welle, und sie teilte sich, schlug rechts und links von ihnen auf den Kies. Ihre Ausläufer erreichten die nächste Gebäudefront und leckten daran empor. Einige lockere Putzfladen lösten sich, und die Reste der Welle nahmen sie mit, als sie über den Strand zurückströmten und sich wieder mit dem Meer vereinten.

"Die Verbindung ist gut", sagte Zacharias zufrieden. "Ich bleibe in ihm." Es fühlte sich auch gut an, zu sprechen und sich zu bewegen. Er genoss es jedes Mal und brauchte Florence nicht extra darauf hinzuweisen; sie wusste es genau. Er lächelte bei diesem Gedanken.

"Warum lächelst du, Zach?", fragte Florence.

"Nur so", log er und nahm ihre Hand. "Komm, lass uns die nächste Tür suchen. Sie muss hier ganz in der Nähe sein; ich spüre es." Es juckte hinter seinem linken Auge, ein sicherer Hinweis.

Seite an Seite gingen sie über den schwarzen Kies, während das Meer rauschte und weiterhin Wellen donnernd auf den Strand schlugen. Die Erschütterungen waren so heftig, dass der Boden unter Zacharias' Füßen erzitterte.

"Ich habe nie etwas davon gehalten, dass die Patienten direkt vorher vom Kontakt erfahren", sagte er. "Es gibt ihnen Gelegenheit, sich vorzubereiten, ob Tetranol oder nicht. Es ist besser, die Verbindung herzustellen, wenn sie nicht direkt damit rechnen. Das macht es leichter für uns."

"Du schaffst es", sagte Florence. "Du wirst immer besser." Zacharias lächelte erneut. "Spricht da die Therapeutin, die mein Selbstbewusstsein stärken will, oder ...?"

"Lass dich nicht ablenken", mahnte Florence. "Von nichts. Erinnere dich an Lingbeek. Zuerst die Aufgabe, Zach."

Sein Lächeln wuchs in die Breite. "Lingbeek ... das ist eine Ewigkeit her; damals war ich jung und unerfahren."

"Und heute bist du alt und reif, ja?"

Zacharias ging nicht darauf ein. "Wenn wir dies erledigt haben, könnten wir noch ein wenig bleiben. So wie beim letzten Mal. Niemand braucht zu wissen, wie lange es gedauert hat. Wir nehmen uns ein wenig Zeit ..."

"Pass auf!"

Aus dem Augenwinkel bemerkte Zacharias eine Bewegung. Ein hoher Erker löste sich von dem Gebäude, an dem sie gerade vorbeikamen, und stürzte in die Tiefe.

"Schließ die Augen, Flo."

Sie kam der Aufforderung sofort nach.

Zacharias beobachtete den tonnenschweren Erker, der wie eine steinerne Faust auf sie herabschlug, und dachte: Es gibt dich nicht; du kannst mich nicht von deiner Existenz überzeugen.

Es krachte, der Boden erbebte heftiger, Steinsplitter flogen

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