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Selias Geheimnis Novelle von Brett, Peter V. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Selias Geheimnis

Bevor ihn alle Menschen als den Tätowierten Mann fürchteten und später als Erlöser feierten, war er einfach nur Arlen aus Tibbets Bach. Eine von denen, die ihn aufwachsen sahen, war Selia, die als Dorfsprecherin in Tibbets Bach für Ordnung sorgte und sich für Arlen einsetzte. Dass der oft widerwillige Respekt, der ihr von allen entgegengebracht wurde, sowie der abfällige Beiname "die Unfruchtbare" auf ein lange gehütetes Geheimnis der alten Frau zurückgingen, das ahnte niemand. Doch nun haben sich Seelendämonen den Geburtsort von Arlen ausgesucht, um als nächstes anzugreifen. Und in den Kämpfen um die Zukunft von Tibbets Bach brechen alte Wunden auf - heimliche Wunden, die Selia lange verborgen hielt. Als einige Dörfler sich plötzlich offen gegen sie stellen, beschließt Selia, sich nicht länger zu verstecken und ihr Geheimnis bloßzulegen. Das Geheimnis ihrer Liebe zu einer Frau ...
Die Novelle Selias Geheimnis spielt nach den Ereignissen von Das Leuchten der Magie und Die Stimmen des Abgrunds. Das Buch enthält außerdem ein Grimoire der Siegelzeichen.

Peter V. Brett, 1973 geboren, studierte Englische Literatur und Kunstgeschichte in Buffalo und entdeckte Rollenspiele, Comics und das Schreiben für sich. Danach arbeitete er zehn Jahre als Lektor für medizinische Fachliteratur, bevor er sich ganz dem Schreiben von fantastischer Literatur widmete. Mit seinen Romanen und Erzählungen aus der Welt von "Das Lied der Dunkelheit" hat er die internationalen Bestsellerlisten gestürmt. Peter V. Brett lebt in Brooklyn, New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 08.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641232016
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Barren
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Selias Geheimnis

1

Das Großsiegel

334 NR

S elia regte sich und schlang die Arme fester um den Körper, der neben ihr lag. Glatte Haut über harten Muskeln, warm wie ein Krug voller frisch gebackener Kekse. Sie steckte ihre Nase in den dicken, geflochtenen Zopf und atmete tief ein. Der Duft war betörend.

Erschrocken riss Selia die Augen auf.

"Bei der Nacht, Mädchen!" Sie rüttelte Lesa, um sie zu wecken. "Du bist schon wieder eingeschlafen!"

Selia blickte zum Fenster, wo ein matter Lichtschein durch die Blendläden fiel. "Gleich geht die Sonne auf! Du musst ...!"

"Schhhhh." Lesa schob eine Hand nach hinten und strich über Selias Gesicht, bis ihre schwieligen Finger sich sanft auf deren Lippen legten. " Mam und Dad sind zu Jeph Strohballens Hof gefahren, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Sie können gar nicht wissen, dass ich nicht zu Hause übernachtet habe."

Lesa kuschelte sich wieder in das weiche Federkissen und fiel erneut in Schlaf. Selia holte tief Luft, schmiegte sich an sie und versuchte ebenfalls einzuschlafen. Lesa hatte recht.

Aber Selia hatte noch nie schlafen können, wenn Sorgen sie plagten. Lesas Eltern mochten nicht daheim sein, aber sie wohnte immer noch unter ihrem Dach. Die junge Frau zählte kaum zwanzig Sommer, während Selia auf achtundsechzig Winter zurückblicken konnte. Eine Liebschaft zwischen zwei Frauen reichte schon aus, um in der Gemeinde schief angesehen zu werden. Sich eine Frau ins Bett zu holen, die so viel jünger war als sie, konnte sie das Amt der Sprecherin kosten - wenn man sie nicht einfach der ungeschützten Nacht aussetzte, um sie ein für alle Mal loszuwerden.

Selbst wenn Selia die Augen fest zukniff, sah sie in Gedanken immer noch Renna Gerber vor sich, wie sie auf dem Stadtplatz an einen Pfahl gebunden darauf wartete, dass die Dämonen sie zerfleischten.

Nein. Bei uns wird so etwas nie wieder passieren.

Aber Selia erinnerte sich daran, wie schnell Jeorje die Gemeinde gegen Renna aufgehetzt hatte, und er hatte weit mehr Grund, Selia in den Horc zu wünschen, als irgendein dummes Bauernmädchen.

Selias Arm, den sie unter Lesa geschoben hatte, wurde taub. Die Hitze, die die junge Frau verströmte, ließ sie beide schwitzen, und nackte Haut klebte an nackter Haut. Selia war es zu unbequem, um noch einmal einschlafen zu können, deshalb zog sie vorsichtig ihren Arm zurück, ganz langsam, um ihre Freundin nicht zu wecken.

Sie verplante bereits den Tag. Lesas Eltern waren nicht die Einzigen, die sich heute zu Jeph Strohballens Hof begaben. Es war Neumond, und Jeph hatte den Stadtrat aufgefordert, sich in dieser Nacht auf seinem Besitz einzufinden.

Es war ungewöhnlich, ein Treffen der Ratsmitglieder außerhalb von Stadtplatz anzuberaumen - zumal bei Nacht. Aber es kursierten Gerüchte über das, was Jeph auf seinem Land baute, und alle wollten wissen, was genau es damit auf sich hatte.

Selia brauchte keine Mutmaßungen anzustellen. Letzten Monat hatte Arlen seinen Vater besucht. Das wusste sie, weil in derselben Nacht Renna Gerber in Selias Hof aufgetaucht war und sie und Lesa beim Knutschen erwischt hatte.

Arlen und Renna, die beide Tibbets Bach den Rücken gekehrt hatten, brachten Hinweise auf nie dagewesene, drohende Gefahren. Sie warnten vor gewitzten Dämonen. Gestaltwandlern. Horclingen, die im Verbund vorgingen und Siegel zerstörten, wie Holzfäller im Wald eine Lichtung schlugen. Für Tibbets Bach war es schon schwer genug, sich gegen die üblichen Dämonen zu wehren. Die Kampfsiegel verbreiteten sich, aber nur wenige Leute hatten sich in der ungeschützten Nacht behauptet. Auf das, was sie erwartete, waren die Menschen nicht vorbereitet.

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