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Tod in Neverland von Malfi, Ronald (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2011
  • Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
eBook (ePUB)
7,99 €
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Tod in Neverland

Kelly Rich, die sich vor langer Zeit von ihrer Familie abgewandt hat, ist gezwungen, nach Hause zurückzukehren, als ihre Schwester in einen mysteriösen Unfall verwickelt wird. Nachdem sie jahrelang die Ereignisse unterdrückt hat, die sie zur Flucht bewogen, muss sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüften, um ihre Schwester zu retten. Aber in der unheimlichen Ortschaft Spires, ihrer einstigen Heimat, in der kalte Herzen herrschen und im Wald tödliche Geheimnisse lauern, ist nichts, wie es scheint. Kelly wird in die Traumwelt ihrer Kindheit gestürzt und muss sich ihrer Rolle in den Tragödien stellen, die ihre Familie heimsuchen ...

Ronald Malfi wurde 1977 in Brooklyn, New York geboren. Später zog er mit seiner Familie nach Maryland um, wo er den Großteil seiner Kindheit an der Chesapeake Bay verbrachte. Schon früh entwickelte er Interesse an Kunst und gilt auch als kompetenter Musiker. 1999 schloss er sein Englisch-Studium an der Towson University ab. Einige Jahre lang war er Frontmann der Alternative-Rock-Band Nellie Blide. Als Schriftsteller ist Malfi bekannt für seinen subtilen, literarischen Stil und einprägsame Charaktere, wodurch er auch bei Lesern anspruchsvoller Literatur großen Anklang findet

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 01.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709000762
    Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
    Originaltitel: The Fall of Never
    Größe: 507 kBytes
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Tod in Neverland

KAPITEL 16 (S. 181-182)

Ein unverhoffter, heftiger Eissturm fiel eines Abends über Manhattan her und mit dem ersten Vollmond der Jahreszeit zusammen. Der Sturm dauerte fast zwei Stunden. Er schlug mit unberechenbarer Schwere zu, wie eine Faust, die auf eine harte Oberfläche niedersaust, und ließ langsam zu einem nassen Gemisch aus Schneeregen und gefrierendem Regen nach, als die Nacht vollständig über die Stadt hereinbrach. Fußgänger drängten sich in den nächstbesten Unterschlupfmöglichkeiten. Andere versuchten vergeblich, sich ein Taxi zu rufen. Sekunden nach Beginn des Unwetters strömte eine Masse durchnässter Menschen durch den Haupteingang eines Macy's Kaufhauses. Erst später wurde festgestellt, dass in dem Tumult ein junges Mädchen mit einem Herzfehler zusammenbrach und starb.

Ihr Körper wurde von der Woge hektischer Bürger mehrere Meter mitgeschleift, bevor jemand ihre Leblosigkeit bemerkte. An der Kreuzung Fifth Avenue und 34. Straße bauten zwei Geschäftsleute in Anzügen einen Autounfall. In einem Anflug von Raserei, den der heftige Sturm kaum dämpfte, sprangen beide Männer aus den Fahrzeugen, die Gesichter rot wie Ampeln, die Augen groß und ungläubig. "Was sind Sie nur für ein verfluchter Idiot?", brüllte einer von ihnen. "Sie gottverdammter ...", setzte der zweite Mann an. Der Rest seiner Worte wurde von einem kräftigen rechten Haken abgeschnitten, den ihm der andere versetzte.

Als die Schlägerei vorüber war, blieben beide Männer genauso verbeult und zerschrammt wie ihre Autos zurück. Carlos Mendes beobachtete von seinem Bürofenster im Krankenhaus aus, wie sich der Sturm legte. Er hatte die Arbeit bereits vor einer Stunde beendet, seinen Aufbruch jedoch hinausgezögert. Irgendwann in der Nacht erblickte ihn eine der diensthabenden Krankenschwestern im Flur und schüttelte den Kopf. "Pflichtbewusstsein hat Grenzen, Doktor", meinte sie zu ihm. "Alles, was darüber hinausgeht, ist nur noch verrückt." Als das eisige Prasseln gegen die Scheibe in leichteren Schneeregen überging, wusste Mendes, dass er nicht für den Rest seines Lebens im Krankenhaus bleiben konnte. Nach Hause ... Nein – dorthin musste er nicht.

Er fuhr mit der U-Bahn zum Times Square, während ihm verschiedene abstrakte Gedanken durch den Kopf gingen. Und Nellie Worthridge. Lauf einfach durch die Straßen. Ich kann es wie ein Obdachloser machen – ein Arzt, der ein Doppelleben als Penner führt. Aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl, nicht nach Hause gehen, nicht Marie unter die Augen treten zu können. Er wusste, dass seine Anspannung ihr zu schaffen machte, und er hasste sich dafür. Sein Heim.

Das Sandsteinhaus war zu klein und still, zu förderlich für langwierige Grübeleien. Und das war das Letzte, was er wollte. Seine Gedanken ängstigten ihn. Außerdem war ihm klar: Je länger er über die Worte der alten Frau sinnierte, desto mehr glaubte er daran. Oder vielleicht verlor er bloß wirklich nach und nach den Verstand. Heftige Böen schleuderten ihm Schneeregen entgegen, und er lief mit geducktem Kopf und den Händen in den Manteltaschen.

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