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Tracer von Boffard, Rob (eBook)

  • Erschienen: 09.05.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Tracer

Im All hört dich niemand schreien - oder?

Blau und wunderschön leuchtet die Erde inmitten der Schwärze des Weltalls, doch sie ist inzwischen unbewohnt. Von den Umwelteskapaden der Menschen zerstört, ist der Planet zu einer tödlichen Welt geworden. Die Überlebenden der globalen Katastrophe umkreisen in einer alten, rostigen Raumstation ihre alte Heimat - Enge, Schmutz und Ausweglosigkeit gehören zum Alltag der Besatzung. Ebenfalls mit an Bord sind Verschwörungen, Intrigen und dunkle Geheimnisse. Und als auf der Raumstation dann auch noch mehrere Morde geschehen, steht die Menschheit bald vor dem endgültigen Aus.

Rob Boffard wurde in Johannesburg, Südafrika, geboren und verbringt seine Zeit als Autor zwischen London, Vancouver und Johannesburg. Als Journalist hat er in mehr als zwölf Ländern Artikel geschrieben, unter anderem für The Guardian und Wired. Tracer ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Größe: 608kBytes
    Reihe (Teil): Outer Earth Bd.1
    Herausgeber: Heyne
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 512
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641185442
    Erschienen: 09.05.2016
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Tracer

3 Riley

Ich werde ein wenig langsamer, als ich den Korridor auf Ebene 5 erreiche. Die Lieferadresse befindet sich noch ein gutes Stück den Ring hinauf, im Luftlabor des Garten-Sektors. Da jeder Sektor im Ring fünf Kilometer lang ist - und es insgesamt sechs Sektoren gibt -, wäre es noch ein weiter Weg. Es sei denn, man ist ein Tracer mit genug Ausdauer und Geschick, um Dinge dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Die Entfernung ist für mich kein Problem - wenn ich auf dem Weg zum Luftlabor bin, werde ich Prakesh wiedersehen.

Ich lächle über diese Vorstellung, bevor mir einfällt, dass er heute gar nicht da ist. Für ihn ist es ein seltener freier Tag, mit dem er geprahlt hat, als ich ihn vor einigen Wochen das letzte Mal getroffen habe.

Das Paket, das die Lieren stehlen wollen - in der Hoffnung, dass es etwas Nützliches ist -, schmiegt sich an meine Wirbelsäule. Es ist für Oren Darnell bestimmt, den Mann, der das Luftlabor leitet. Ich habe es von einem Händler auf dem Markt im Apogäum-Sektor erhalten. Der Händler - ich glaube, sein Name war Gray - hat mit sechs frischen Batterien bezahlt, hat sie auf den rostigen Tresen seines Stands geknallt, ohne zu mir aufzublicken. Damit kann ich gut leben. Wenn die Bezahlung stimmt, wird das Paket ausgeliefert.

Als ich in den Korridor einbiege, greife ich über die Schulter nach dem dünnen Plastikschlauch, der aus meinem Rucksack ragt, stecke ihn mir in den Mund und sauge Wasser aus dem Vorratsbehälter. Es ist warm und fühlt sich zähflüssig an. Es ist nicht viel, aber damit kann ich weitermachen.

Ich bin jetzt im Chengshi-Sektor zwischen Apogäum und Garten - etwa die Hälfte der Strecke bis zur Lieferadresse. Ich werde anhalten müssen, um meinen Vorrat irgendwo im Garten aufzufüllen, weil es ausgeschlossen ist, dass ich Wasser von Darnell bekomme. Ich bringe ihm zwar ein Paket, aber diesen Kerl nach Wasser zu fragen ist fast genauso tödlich wie ein blinder Sprung von einem Laufsteg.

Hier sind die Korridore dunkler als vorher. Ich muss genauer auf den Boden achten, als ich auf die nächste Biegung zurenne, nach Stellen Ausschau halten, wo die Stahlplatten verbogen sind. Zu meiner Überraschung gibt es hier einen funktionierenden Bildschirm, recht verstaubt, aber er zeigt eine fröhliche Werbung für den Weltraum-Bautrupp. Ein lächelnder Mann in schnittigem schwarzem Raumanzug mit geöffnetem Visier hält einen Plasmaschneider, während er sich um den Ausleger eines Bauschiffs herummanövriert. Das Video taucht den Korridor in sanftes blaues Licht, und als ich um die Ecke komme, schließe ich für einen Sekundenbruchteil die Augen. Das Licht sickert durch meine Lider, ein flackerndes, warmes Orange.

Ich war noch nie dort, aber manchmal stelle ich mir gern vor, dass ich auf der Erde bin und über Grasflächen renne, unter einem Himmel, der so blau ist, dass es schmerzt, ihn anzusehen. Ich spüre die Sonne warm im Genick, als ich immer schneller und schneller werde. Bis ich nicht mehr renne, sondern fliege.

Ich öffne die Augen.

Gerade noch rechtzeitig, um die Metallstange zu sehen, die um die Ecke schwingt und dann meinen Brustkorb trifft.

Eine Sekunde lang fliege ich tatsächlich, hänge schräg in der Luft. Dann stürze ich krachend zu Boden, und meine Knochen fühlen sich an, als würden sie mir durch die Haut getrieben. Ich will schreien, aber ich schaffe nicht mehr als ein gepresstes, heiseres Keuchen.

Der mit der Stange ist nur ein verwischtes schwarzes Etwas. Er dreht die Waffe in der Hand, als wäre er auf einem Spaziergang. Ein weiterer Schmerzkrampf erschüttert meine Brust, und ich huste - ein tiefes trockenes Ächzen, das den Schmerz in meinem Bauch verteilt.

"Gut getroffen", sagt eine Stimme von links. Von anderswo, hinter ihm, ist Lachen zu hören.

Dann sind es sechs, die auf mich herabblicken. Es sind Lieren, aber andere als die, die mich zuvor gejagt haben. Ich huste wieder, di

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