text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wodor Eine Geschichte von der künftigen Not mit dem Wasser von Schube, Hilmar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.04.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wodor

Ein Mangel an Trinkwasser krempelte die Welt um. Nichts war mehr so wie zuvor. Individuen mussten sich anpassen und Grenzen überschreiten, und doch wiederholte sich Geschichte ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 348
    Erscheinungsdatum: 25.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743145139
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 643 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wodor

Prolog

I n der dritten Dekade des einundzwanzigsten Jahrhunderts nach Christi Geburt war der Mensch im Gegensatz etwa zur Sandkatze Felis margarita immer noch auf die regelmäßige Einnahme von Flüssigkeiten angewiesen. Eine Wasserkrise globalen Ausmaßes ließ ihn deshalb davon träumen, sich aus der anscheinend ewigen Abhängigkeit ganz oder graduell zu befreien. Schon in der Antike war er durch die Verknappung seines Elixiers in Kerkern oder Wüsten verendet. Er starb durch eigenes Verschulden oder mörderische Akte seiner Artgenossen, aber starb den grausamsten aller Tode: den des Verdurstens. Gewiss, es hatte Einzelschicksale betroffen, höchstens irrelevante Gruppen in Landstrichen, in denen es Dürreperioden oder Brunnenvergifter gegeben hatte. Naturgemäß jedoch war der Homo Sapiens der Not durch Wegzug begegnet.

Neu und ungewohnt, selbstredend von Experten prognostiziert, war auf einmal die schiere Menge der dem Mangel ausgesetzten Lebewesen. Die Vermehrung der Spezies Mensch, von der UNO als Explosion der Weltbevölkerung bezeichnet, potenzierte den Wasserverbrauch an allen Fronten, ob in der Landwirtschaft, Industrieproduktion oder bei der Lebensmittelherstellung. Im Kontrast dazu gab es Erstaunliches: Mondbesiedlung, Brennstoffzellen, Butler - Androiden, auch Drohnen für den Paketversand oder Sensoren in cleveren Textilien. Das Kreuz mit dem Krebs war keines mehr - dank einer auf den genetischen Code der Erkrankten abgestimmten Therapie; plötzlich ließen sich maligne Zellen mithilfe raffinierter Nanotechnologie gezielt töten, bevor sie Unheil anrichten konnten. Physiologische Prozesse bei Echsen hatten für nachwachsendes Gewebe Pate gestanden, was der Oberklasse zu verstärkter Gesundheit und höherer Lebenserwartung verhalf. Computer, Fernseher und Smartphones hatten nach Verschmelzung die sechs Sinne des Menschen verinnerlicht; durch den Einsatz von 3D-Hologrammen waren sie wie lieb gewordene Haustiere zu Lebenspartnern geworden, die sich aufrollen und knicken ließen. Vor dem Zubettgehen ihres Sozius wählten sie anhand gemessener Körperdaten eine Gutenachtgeschichte aus und lasen sie mit erfolgsoptimierter Einschlafstimme vor. Identifikationspapiere wie Personal- und Genomausweis, Krankenversicherungs-, Eintritts- und Fahrkarten waren überflüssig geworden.

Der vielzitierte Klimawandel bereitete zwar mit seinen bewahrheiteten Effekten - Wetterextreme, Meeresspiegelanstieg, Übersäuerung, Küsten- und Korallenverlust - Probleme, war hin und wieder als lästig zu bezeichnen, konnte aber die Weltgemeinschaft nicht im Kern erschüttern; wirkte mitnichten brenzlig, barg sogar je nach Sichtweise wirtschaftliche Vorteile. So zum Beispiel beim Abbau neu entdeckter Vorkommen von Seltenen Erden in der Antarktis, die geplündert wurden, nachdem das im Vertrag verankerte Verbot zum Bergbau gekippt worden war, um den Rohstoffhunger zu sättigen. Selbst der Anbau vorzüglichen Rotweins in Mittelschweden schien dreißig Jahre zuvor ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Wohl bildeten sich labile Gleichgewichte aus, bei denen nichtige Anlässe Zünglein an der Waage spielen konnten; gemäß Erfahrung zu ungelegen Zeitpunkten. In Analogie zur Atomphysik hatte sich eine kritische Masse geformt, deren Überschreitung zur Kettenreaktion mit unerwünschten Folgen führte. Um die fragile Balance war es geschehen, als sich Zwanzigzwanzig vom indischen Subkontinent Heerscharen von halb Verdursteten und Verhungerten aufmachten, um über Landesgrenzen hinweg nach Wasser und Lebensmitteln zu suchen. Weder das eine noch das andere hatte aufgrund des Raubbaus an der Natur im angestammten Lebensraum zur Verfügung gestanden. Es begann mit dem Konflikt um einen umgeleiteten Fluss und mündete in eine Katastrophe. Ursache und Wirkung waren nicht voneinander zu trennen. Die Versäumnisse waren so vielfältig gewesen, dass ein Luftzug genügt hatte, um das Haus zum Einsturz zu bringen. Wie Dominosteine stürzten di

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    HOFER life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier findest du alle deine eBooks und viele praktische Lesefunktionen.