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Zeit des Sturms Roman Vorgeschichte 2 zur Hexer-Saga von Sapkowski, Andrzej (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Zeit des Sturms

Die Bücher zur NETFLIX-Serie – Die Vorgeschichte 2 in der opulenten Fan-Edition Das Königreich Kerack wird von Kämpfen um den Thron erschüttert. Auf der Suche nach Arbeit reist der Hexer Geralt von Riva dorthin und wird kurz nach seiner Ankunft verhaftet. Die Zauberin Koralle will ihn so zwingen, den Auftrag einer Gruppe von Zauberern anzunehmen. Er soll einen Dämon finden, der in Menschengestalt blutige Massaker verübt. Mit Unterstützung des Barden Rittersporn wieder frei, beginnt Geralt eine erotische Affaire mit Koralle und nimmt den Auftrag an. Es stellt sich heraus, dass einer der Zauberer die Dämonengeschichte erfunden und selbst die Morde begangen hat, um sich Geralts zu bemächtigen, an dessen außergewöhnlichen Augen er ein obskures Interesse hat ... Andrzej Sapkowski, geboren 1948, ist Wirtschaftswissenschaftler, Literaturkritiker und Autor. Er lebt in Łó;dź. Seine Hexer-Sage erreicht weltweit Millionen-Auflagen. Höchst erfolgreich ist auch seine Mittelalter-Trilogie um den Medicus Reinmar von Bielau. 2008 wurde Andrzej Sapkowski mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Łó;dź ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 16.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423426091
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv premium 2
    Originaltitel: Sezon Burz
    Größe: 1071 kBytes
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Zeit des Sturms

Das erste Kapitel

E r lebte nur, um zu töten.

Er lag auf dem sonnenerwärmten Sand.

Er spürte die Vibrationen, die von den an den Boden gepressten behaarten Fühlern und Borsten übertragen wurden. Obwohl die Vibrationen noch weit entfernt waren, spürte Idr sie deutlich und genau, er konnte danach nicht nur die Richtung und das Tempo bestimmen, mit dem sich das Opfer bewegte, sondern auch sein Gewicht. Für die meisten solcherart jagenden Raubtiere hatte das Gewicht der Beute eminente Bedeutung - Anschleichen, Angriff und Verfolgung bedeuteten Energieverlust, der vom Energiewert der Nahrung ausgeglichen werden musste. Die meisten Raubtiere von der Art Idrs verzichteten auf einen Angriff, wenn die Beute zu klein war. Nicht aber Idr. Idr existierte nicht, um zu fressen und sich fortzupflanzen. Nicht zu diesem Zweck war er erschaffen worden.

Er lebte, um zu töten.

Vorsichtig die Beine bewegend, kroch er aus der Stubbenhöhle und über einen morschen Baumstamm hinweg, überwand mit drei Sätzen den Windbruch, huschte wie ein Geist über eine Wiese, verschwand im farnbewachsenen Waldrand, tauchte ins Dickicht ein. Er bewegte sich schnell und lautlos, bald laufend, bald springend wie ein riesiger Grashüpfer.

Er warf sich in das trockene Gehölz, presste sich mit dem segmentierten Bauchpanzer an den Boden. Die Vibrationen des Untergrunds wurden immer deutlicher. Die Impulse, die Idr mit Tasthaaren und Borsten aufnahm, formten sich zu einem Bild. Zu einem Plan. Idr wusste bereits, von woher er sich dem Opfer nähern, an welcher Stelle er ihm den Weg abschneiden, wie er es zur Flucht zwingen würde, wie er sich mit einem langen Sprung von hinten auf es stürzen, aus welcher Höhe er mit den rasiermesserscharfen Mandibeln zuschlagen und schneiden würde. Schon ließen die Vibrationen und Impulse in ihm die Freude aufkommen, die er fühlen würde, wenn sich das Opfer unter seinem Gewicht wände, die Euphorie, die ihm der Geschmack heißen Blutes bereiten würde. Die Lust, die er empfinden würde, wenn ein Schmerzensschrei die Luft zerrisse. Er zitterte sacht, während er Zangen und Beinscheren öffnete und schloss.

Die Vibrationen des Bodens waren sehr deutlich und nun auch zu unterscheiden. Idr wusste schon, dass es mehrere Opfer waren, wahrscheinlich drei, vielleicht vier. Zwei erschütterten den Boden auf gewöhnliche Weise, die des dritten deuteten auf geringe Masse und Gewicht hin. Das vierte jedoch - falls es überhaupt ein viertes gab - rief unregelmäßige, schwache und vage Vibrationen hervor. Idr erstarrte, reckte die Antennen übers Gras, untersuchte die Luftbewegungen.

Schließlich signalisierten die Erschütterungen des Bodens, worauf Idr gewartet hatte. Die Opfer trennten sich. Eins, das kleinste, blieb zurück. Das vierte aber, jenes undeutliche, verschwand. Es war ein falsches Signal gewesen, ein Trugecho. Idr ignorierte es.

Die kleine Beute entfernte sich noch weiter von den Übrigen. Der Boden erzitterte stärker. Und näher. Idr spannte die hinteren Beine, stieß sich ab und sprang.

Das kleine Mädchen schrie durchdringend. Statt zu fliehen, stand es starr da. Und schrie ohne Unterlass.

Der Hexer stürzte zu ihm hin und zog im Sprung das Schwert. Und sogleich wurde ihm klar, dass etwas nicht stimmte. Dass er sich hatte täuschen lassen.

Der Mann, der den Wagen mit Reisig zog, schrie auf und flog vor den Augen des Hexers gut einen Klafter in die Höhe, und es sprühte reichlich Blut aus ihm. Er stürzte herab, nur um sogleich wieder emporgeschleudert zu werden, diesmal in zwei Stücken, aus denen Blut schoss. Er schrie nicht mehr. Jetzt war es die Frau, die durchdringend schrie, wie ihre Tochter erstarrt und vor Angst gelähmt.

Obwohl er nicht glaubte, dass es ihm gelingen würde, vermochte der Hexer sie zu retten. Er sprang hinzu und stieß die blutbespritzte Frau mit ganzer Kraft vom Weg in de

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