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Zeitbombe Erzählungen von Zahn, Timothy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Zeitbombe

Zeitreisen und -bomben In der Zukunft wurde eine Regierungsabteilung eingerichtet, deren Mitglieder kürzere Zeitreisen in die jüngste Vergangenheit unternehmen. Diese sogenannten Springer untersuchen Unfälle, Katastrophen, Verbrechen und Anschläge - aber sie beobachten nur und greifen nicht ein. Als die Air Force One mit dem Präsidenten an Bord abstürzt, müssen die Springer sich entscheiden: analysieren sie den Unfall - oder werden sie erstmals aktiv? Mit seinen Stories stellt Hugo-Preisträger Timothy Zahn seine erzählerische Vielfalt unter Beweis: Da ist die Geschichte eines Politikers, dem eine Voodoo-Puppe in die Hände fällt; die Probleme, die die neuartige, aber moralisch fragwürdige Entsorgungsmethode für radioaktiven Abfall mit sich bringt; die Erlebnisse von Bergarbeitern, die auf einem fremden Planeten abgesetzt werden, der sich als nicht ganz so sicher erweist wie gedacht - und noch einige mehr. Timothy Zahn wurde 1951 in Chicago geboren, lebt in Oregon und ist heute einer der beliebtesten Science-Fiction-Autoren der USA. Sein bekanntestes Werk ist die "Thrawn"-Trilogie, die mehrere Jahre nach dem Ende von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" spielt und die Geschichte des "Star Wars"-Universums in eine neue Zeit vorantreibt ("Expanded Universe"). Diesen Büchern folgte eine Reihe weiterer "Star Wars"-Romane. Für seine Novelle "Cascade Point" wurde Zahn mit dem renommierten Hugo Award ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 31.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641212469
    Verlag: Heyne
    Größe: 719 kBytes
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Zeitbombe

Ernie

Ich sah Ernie Lambert zum ersten Mal an dem schwülen Augusttag, an dem er in meinem winzigen Büro im Sportclub auftauchte und mich fragte, ob er Mitglied meiner Boxmannschaft werden könne.

"Klar", meinte ich. "Es ist eigentlich keine Mannschaft, sondern nur ein Haufen junger Leute, die gern boxen. Hast du es schon einmal versucht?"

Er nickte. "Ja, Sir. Bevor wir hierher übersiedelt sind, habe ich in St. Louis sehr oft geboxt." Er sprach sorgfältig, als wäre er ein Kind, das den Ghettoakzent ablegen will. "Ich habe gehofft, dass Sie mir während der nächsten Monate genug beibringen können, damit ich am Turnier um die Goldenen Handschuhe teilnehmen kann."

"Wir werden sehen, was wir tun können. Ich muss dir aber sagen, dass ich kein richtiger Boxtrainer bin. Ich unterrichte an der High School Turnen und habe seit dem College keinen Wettkampf mehr ausgetragen."

"Das ist okay. Mein letzter Trainer war ebenfalls kein Profi."

"Schön. Ich wollte nur, dass du es weißt." Ich warf einen Blick auf die Uhr und fuhr fort: "Einige der Jungen werden bald zum Sparring kommen. Wenn du mitmachen willst, bist du willkommen."

"Ja, Sir, danke."

Allmählich trudelten weitere acht Jungen ein. Ich schlug ihnen vor, ihre Aufwärmübungen allein zu machen; erstens ist das für mich einfacher, zweitens wollte ich Ernie beobachten. Er hatte zweifellos gute Trainer gehabt. Er kannte alle Standard-Übungen und außerdem zwei, die ich noch nie gesehen hatte, die ich aber bei näherer Überlegung für vernünftig hielt. Er war offensichtlich auch gut in Form, und ich hatte den Eindruck, dass er es nicht erwarten konnte, im Ring zu stehen. Das machte mir ein bisschen Sorgen. Nicht deshalb, weil er schwarz war; drei meiner zwölf Boxer waren Schwarze und das hatte nie zu Problemen geführt. Aber Ernie war heute der kleinste unter den Anwesenden und um fünf bis fünfundzwanzig Kilo leichter als die anderen, und ich wollte nicht, dass er am ersten Tag überfahren wurde. Ich hoffte, dass er das einsehen und so vernünftig sein würde, auf den Ring zu verzichten.

Ernie bemerkte es entweder nicht, was schlecht ist, oder es war ihm gleichgültig, was noch schlechter ist, denn als Ray und Hal mit ihrem Sparring fertig waren, bat er um eine Runde im Ring. Ich hätte am liebsten nein gesagt, aber ich hatte es ihm sozusagen schon versprochen und konnte es nicht mehr rückgängig machen. Der einzige Junge, der in der Größe halbwegs zu ihm passte, war Chuck, der noch immer um fünf Kilogramm schwerer und etliche Zentimeter größer war. Aber da war nichts zu machen, also setzten die beiden den Kopfschutz auf, zogen die übergroßen Übungshandschuhe an und stiegen zusammen in den Ring. Ich hielt den Atem an und läutete die Glocke.

Ernie erledigte ihn. Ich meine, gänzlich.

Es war der seltsamste Kampf, den ich je gesehen hatte. Ernie wirkte nicht besonders schnell, aber während jedes Schlags kam dieser merkwürdige kleine Ruck, und plötzlich war die Faust hinter Chucks Deckung und prallte von seinem Kopf ab. Von fünf Schlägen landeten mindestens drei, was für jemand so guten wie Chuck lächerlich war. Dazu kam, dass Chucks Schläge ausschließlich danebengingen, denn Ernies Ruck brachte nicht nur seine Faust nach vorn, sondern auch seinen Kopf nach hinten.

Chuck wurde im Lauf der zweiten Runde allmählich klar, was los war, und er legte alles hinein, was er hatte, so dass ich den Kampf abbrechen musste. Aber ich hatte genug gesehen. Ich hatte mit Ernie einen echten Anwärter auf die Goldenen Handschuhe vor mir.

Es dauerte eine Weile, bis die übrigen es begriffen, und danach noch eine Weile, bis sie erfassten, was es für das Prestige der Stadt bedeuten würde, aber irgendwann kapierten sie es und von da an gehörte Ernie zur Gang. Am Ende des Trainings verkündete Chuck, dass alle zusammengelegt hatten, um Ernie auf einen Drink im Drugstore einzuladen, und sie marschierten gemeinsam davo

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