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Das macht nichts Neues Altes aus dem Kaffeehaus von Altenberg, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2012
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
eBook (ePUB)
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Das macht nichts

'Peter Altenberg ist ein Genie der Nichtigkeiten, ein seltsamer Idealist, der die Schönheiten der Welt wie Zigarettenstummel in den Aschenbechern der Kaffeehäuser findet.' Franz KafkaPeter Altenberg zählt zu jenen Autoren, die, wie er selbst einmal sagte, das Ideale nicht im Vollkommenen suchen, sondern es im (vermeintlich) Unvollkommenen, Alltäglichen, millionenfach Gesehenen finden, um es in der dichterischen Anschauung neu und gleichsam 'wirklich' zu erschaffen: die Anmut der Frau, einen japanischen Apfelbaum, einen Schlehdornzweig, das Reich der verlorenen Kindheit, die belanglosen Plaudereien eines kleinen Mädchens. Mal in heiter-selbstironischem, mal in liebevoll-gerührtem Ton werden ihm diese liebenswürdigen 'Nichtigkeiten' zu 'Bilderbögen des kleinen Lebens', deren Reiz neben der sprachlichen Schönheit der Lebensbildnisse darin liegt, dass sie das autobiographische Vermächtnis eines unvoreingenommen und mutigen Menschen sind, der sich dem Leben in allen seinen Erscheinungsformen ganz überließ. Bereits zu Lebzeiten ist Peter Altenberg ein legendärer Vertreter der klassischen Wiener Kaffeehausliteratur und dennoch sind seine ironischen Aphorismen und verspielt-melancholischen Prosaskizzen alles andere als leichtfertig hingeworfene 'Sprachhäppchen'. Mit kurzen kräftigen Pinselstrichen porträtiert Altenberg in ihnen die Extrakte flüchtiger Lebensaugenblicke - zufällig mitgehörte Gesprächsfetzen und philosophische Gedankensplitter, augenblickliche Stimmungslagen, vorüberziehende Gerüche und Farben - zu einer künstlerischen Gesamtschau, in der sich nicht nur das politische und kulturelle Panorama der untergehenden Wiener Moderne, sondern das Leben selbst in einer poetischen Momentaufnahme konzentriert. Im vorliegenden Band sind in Auswahl versammelt: Wie ich es sehe, Was der Tag mir zuträgt, Pròdromos, Märchen des Lebens, Bilderbögen des kleinen Lebens, Neues Altes, Semmering 1912, Fechsung, Nachfechsung, Vita ipsa, Mein Lebensabend.

Peter Altenberg (1859 - 1919), mit eigentlichem Namen Richard Engländer, war Spross einer wohlhabenden jüdischen Familie. Nach dem Scheitern einer 'bürgerlichen Karriere' - Altenberg brach sein Medizin- und Jurastudium sowie eine Buchhändlerlehre ab - konnte er sich infolge einer von einem Nervenarzt attestierten 'Überempfindlichkeit des Nervensystems' ganz dem Schreiben widmen, war allerdings zeitlebens auf die finanzielle Unterstützung seiner Schriftstellerfreunde Karl Kraus, Arthur Schnitzler, Egon Friedell u. A. angewiesen. Trotz literarischer Erfolge führte Altenberg ein gebrochenes, von Krankheit und Alkoholismus gezeichnetes Leben. Seine letzten zehn Lebensjahre verbrachte er größtenteils in Nervenheilanstalten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 20.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843802987
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 923 kBytes
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Das macht nichts

WIE ICH ES SEHE

DIALOG

Er und sie sitzen auf der Bank in einer Linden-Allee.
Sie: Möchten Sie mich küssen?!
Er: Ja, Fräulein - - -.
Sie: Auf die Hand - -?!
Er: Nein, Fräulein.
Sie: Auf den Mund -?!
Er: Nein, Fräulein.
Sie: Oh, Sie sind unanständig - -!
Er: Ich meinte "auf den Saum Ihres Kleides!"
Sie erbleicht - - -.
DE AMORE

Ich liebe dich

Ich liebe dich. Ich liebe deine hellblauen seidenen Socken. Ich liebe deine zarten weißen Batistkleidchen. Ich liebe deine seidenen Gürtel mit den langen wunderbaren Schleifen. Ich liebe dich.

Ich liebe deine drei von dir geliebten Puppen, Mildred, Baby und Dorothy, welche du an dein Herz drückst und zu welchen du sagst: "lhr macht mir viel Kummer, meine Lieben, wisst ihr das?! Immer gleich verdrückt und schiefe Hüte - - -!"

Ich liebe dich. Ich liebe den Duft deines Zimmers, deines Kleiderschrankes, deines Bettes. So duften die Rinden der Bäume im Vorfrühling, wenn noch kein Laub ist und alle Kraft im Baume drinnen liegt. Ich liebe dich.

Ich liebe dich, wenn du gestraft wirst und du eine Träne wirst, wie Daphne ein Baum.

Die Großen weinen. Aber die Kleinen werden Tränen. Ich liebe dich. Noch lehnst du lächelnd an dem Tor des Lebens. Ich liebe dich.

Weltenweisheit hast du - - - da du noch nichts weißt. Pallas Athene du! Unbeirrten Auges thronst du auf dem weißen Throne deiner Kindlichkeiten! Ich liebe dich. Ah, melde mir die Nacht, in der die grausame verzerrungsfreudige Natur zum Weib dich macht!

Dann will ich Abschied nehmen - - - von meiner Liebe.
Ich hasse dich

Ich hasse dich, Geliebte! Ich hasse deine schönen seidenen Blusen, die deines Atmens Wellenschlag mir weisen und meiner Sinne "griechisches Lächeln" zum Ernste des Barbaren zwingen. Ich hasse dich.

Ich hasse deiner Worte Willkürherrschaft, die mich erbleichen und erröten machen, krank und gesund, blöde und weise. Ich hasse dich.

Ich hasse deine Schönheit. Deine Schönheit hass' ich, die mir Ersatz für Weltenschönheit wird und so mit Blindheit schlägt mein Weltenauge.

Ich hasse deiner Stimme holden Klang, der mir Beethovens Symphonien leer macht und so mein Ohr betrügt um Welten-Klänge! Ich hasse dich!

Ich hasse dich, die meine Weltenkräfte, die zersplittern und verkommen wollen, allzu sorglich ins Dienstes-bette drängt.

Vorsorglich! Gescheite! Ich hasse dich.

Ich hasse dich, "fixe Idee meiner Seele"!

Ich hasse dich, wenn du mir sagst: "Komm' wieder", ich hasse dich, wenn du mir sagst: "Oh bleib'". Denn ich, ich komme wieder und ich bleibe Beschränktheit meiner Schrankenlosigkeiten! Ich hasse dich!

Ich hasse deine Tugenden, die mich rühren, ich hasse deine Fehler, die mich nie verletzen.

Ich hasse dein Erröten, das mich selig und dein Erbleichen, welches mich besorgt macht. Ich hasse dich, dass ich auf diesem geliebten Antlitz die Runen schwerer Stunden ängstlich lese.

Die grenzenlosen Kräfte meiner Seele vermählen sich dem All nicht, sie treiben Ehebruch mit deinem Herzen, oh Geliebte!

So hass' ich alles, was ich an dir liebe. Ich hasse dich! Weltendummheit hast du! Denn du fühlst in mir des Weltenganzen einfachen Vertreter, das Weltgebilde, das du nicht begreifst, in einem Weltextrakte , den du fassen kannst.

Ich aber bin es nicht. Ich kann es werden. Doch nicht bei dir und nicht durch dich, Geliebte! Nur durch die Weltenschönheit kann ich's werden, die mit dem Kreidewald und Farrenwald begann und weiterzieht bis zu den letzten Stunden.

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