text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wir alle sind Schurken und Engel Lektüre für Minuten von Büchner, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.02.2012
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
2,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wir alle sind Schurken und Engel

Georg Büchner, der Frühvollendete, hat in nur 23 Lebensjahren ein Werk geschaffen, das zur Weltliteratur gehört: Jenseits aller Sicherheiten und Glaubenssysteme erkundet er Grenzen und Abgründe des Menschen. Büchners berühmte, zeitlose und bewegende Worte zu Liebe, Gesellschaft, Politik und Geschlechterkampf versammelt dieses Buch.

Georg Büchner, 1813 in Hessen geboren, besaß eine immense Schöpferkraft und ist Autor eines bedeutenden literarischen Werks sowie auch politischer und naturwissenschaftlicher Schriften. Für eine Abhandlung über das Nervensystem von Fischen verlieh ihm die Universität Zürich die Doktorwürde. Er erkrankte schwer an Typhus und starb daran im Februar 1837 im Alter von nur 23 Jahren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 22.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455810424
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 491 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wir alle sind Schurken und Engel

WIR ARME LEUT

Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und lässt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.

Der Hessische Landbote

Was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muss, so sagt man, sie bilden einen Staat. Der Staat also sind alle ; die Ordner im Staate sind die Gesetze, durch welche das Wohl aller gesichert wird, und die aus dem [Willen] aller hervorgehen sollen.

Der Hessische Landbote

Das Gesetz ist das Eigentum einer unbedeutenden Klasse von Vornehmen und Gelehrten, die sich durch ihr eignes Machwerk die Herrschaft zuspricht. Diese Gerechtigkeit ist nur ein Mittel, euch in Ordnung zu halten, damit man euch bequemer schinde; sie spricht nach Gesetzen, die ihr nicht versteht, nach Grundsätzen, von denen ihr nichts wisst, Urteile, von denen ihr nichts begreift. Unbestechlich ist sie, weil sie sich gerade teuer genug bezahlen lässt, um keine Bestechung zu brauchen. Aber die meisten ihrer Diener sind der Regierung mit Haut und Haar verkauft.

Der Hessische Landbote

Die Justiz ist in Deutschland seit Jahrhunderten die Hure der deutschen Fürsten ... Ihr dürft euern Nachbar verklagen, der euch eine Kartoffel stiehlt; aber klagt einmal über den Diebstahl, der von Staats wegen unter dem Namen von Abgabe und Steuern jeden Tag an eurem Eigentum begangen wird, damit eine Legion unnützer Beamten sich von eurem Schweiße mästen: klagt einmal, dass ihr der Willkür einiger Fettwänste überlassen seid und dass diese Willkür Gesetz heißt, klagt, dass ihr die Ackergäule des Staates seid, klagt über eure verlorne Menschenrechte: Wo sind die Gerichtshöfe, die eure Klage annehmen, wo die Richter, die Recht sprächen?

Der Hessische Landbote

Der Boden unter euren Füßen, der Bissen zwischen euren Zähnen ist besteuert. Dafür sitzen die Herren in Fräcken beisammen und das Volk steht nackt und gebückt vor ihnen, sie legen die Hände an seine Lenden und Schultern und rechnen aus, wie viel es noch tragen kann, und wenn sie barmherzig sind, so geschieht es nur, wie man ein Vieh schont, das man nicht so sehr angreifen will.

Der Hessische Landbote

Der Fürstenmantel ist der Teppich, auf dem sich die Herren und Damen vom Adel und Hofe in ihrer Geilheit übereinander wälzen – mit Orden und Bändern decken sie ihre Geschwüre und mit kostbaren Gewändern bekleiden sie ihre aussätzigen Leiber. Die Töchter des Volks sind ihre Mägde und Huren, die Söhne des Volks ihre Lakaien und Soldaten.

Der Hessische Landbote

Ihr seid nichts, ihr habt nichts! Ihr seid rechtlos. Ihr müsset geben, was eure unersättlichen Presser fordern.

Der Hessische Landbote

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen