text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Haus der Stimmen von Isbel-Dotzler, Ursula (eBook)

  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Haus der Stimmen

Ein spannenden Romantik-Thriller von Ursula Isbel: Was ist unheimlicher, als in stürmischer Nacht ganz allein in einem großen, unheimlichen alten Haus zu sein - und plötzlich das unverkennbare Gefühl zu haben, dass man doch nicht so allein ist, wie man dachte? Denn dieses Haus ist gefährlich, und man tut besser daran, es so schnell wie möglich wieder zu verlassen... Ursula Isbel wurde 1942 in München geboren und lebt heute als freie Schriftstellerin in Sulzburg. Sie schreibt hauptsächlich Jugendliteratur für ein überwiegend weibliches Publikum, darunter mehrere Reihen über Reiterhöfe und das Leben mit Pferden. Unter dem Pseudonym Ursula Dotzler übersetzte sie außerdem viele Jugendbücher aus dem Englischen und dem Schwedischen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 156
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711897065
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 238 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Haus der Stimmen

3

Vielleicht entwickelt man den Sinn für das Schöne ja erst mit dem Erwachsenwerden. Ich hatte die Insel nicht als einen besonders reizvollen Ort in Erinnerung. Das, was mich beeindruckte, war das Meer gewesen, die Spiele am Strand, ein Mädchen in meinem Alter, mit dem ich viel Zeit verbrachte; die Früchte der wilden Mirabellenbäumchen in den Hecken und der Geschmack von Tante Jules Kranzkuchen.

Jetzt war ich alt genug, um die Schönheit dieser kleinen fünenschen Insel wahrzunehmen. Wir fuhren auf einer schmalen Landstraße zwischen Weizenfeldern und der Küste, mit Blick auf sanft geschwungene Buchten und zerklüftete Steilhänge, vorbei an Bilderbuchhäusern aus Fachwerk, deren dicke Reetdächer wie die Bärenfellmützen der englischen Palastwache aussahen. Heckenrosen blühten am Straßenrand. Unterwegs kam zum ersten Mal an diesem Tag die Sonne zwischen Wolkengebirgen hervor.

Ich kurbelte mein Fenster herunter. Es roch nach Weizenfeldern, nach Meer und Wind; und ein unsagbarer Frieden erfüllte die prickelnde Luft, so, als wären wir an einen Ort gekommen, den mehr als nur ein paar Seemeilen vom Rest der Welt trennten - eine Welt, in der alles seinen eigenen Rhythmus hatte und seinen ureigensten Gesetzen folgte.

"Schau, da ist ein Schild!", sagte meine Mutter. "Røndal - das war doch die Ortschaft, in der wir links abbiegen sollten, nicht? Jedenfalls hab ich den Mann am Hafen so verstanden. Er sprach ja ein derartiges Kauderwelsch ... "

Es war keine Ortschaft, nur eine Ansammlung von sieben oder acht Häusern und Höfen, die inmitten blühender Gärten die Straße säumten, und einige hatten Namen. Eines davon, ein Backsteinhaus mit Vortreppe und hohen Fenstern, hieß Peders Minde .

"Jules und Jettes altes Häuschen war in der Nähe des Fährhafens; das hätte ich vielleicht wieder gefunden", sagte Mama. "Jetzt nach links! Ja, das müsste stimmen, wir sollten an den Windmühlen vorbei, hat er gesagt, und da sind sie."

Ein halbes Dutzend Pferde grasten auf den Klippen. Ihre Mähnen und Schweife wehten im Wind. Ein Brauner hob den Kopf und sah zu uns herüber, als wir vorüberfuhren.

Mein Herz schlug rascher. Und plötzlich, als hätte jemand auf einen Knopf gedrückt, war alles verändert. Unversehens war diese Reise nicht länger eine Pflichtübung, etwas, das erledigt und möglichst rasch abgehakt werden musste, sondern ein Geschenk des Schicksals, ein unverhofftes Stück Freiheit und Abenteuer.

Die Landstraße führte in Schlangenlinien immer dichter an der Küste entlang, sodass ich von meinem Platz hinter dem Steuer tief unter mir das Meer glitzern sah, mit Segelschiffen und dem Fährboot, das inzwischen wieder abgelegt hatte und zum Festland zurückkehrte. Es war kaum Verkehr auf der Straße; nur ein Lieferwagen begegnete uns, ein Traktor und eine Gruppe Radfahrer.

"Dein Vater hat immer gesagt, diese Insel ist eine Welt für sich. Er hatte sogar mal die Idee, wir könnten uns hier eine von den kleinen alten Fischerkaten kaufen und als Ferienhaus nutzen. Leider ist daraus nichts geworden."

Mein Vater war ein Meister im Pläneschmieden. "War da nicht eben ein Schild?", fragte ich. "Hast du gelesen, was darauf stand?"

Meine Mutter, offenbar in trübe Erinnerungen versunken, schüttelte den Kopf.

Ich legte den Rückwärtsgang ein. Dunkær , stand auf dem Schild. "Dann müssen wir jetzt geradeaus weiter."

"Nein", behauptete Mama. "Wieder nach links!"

Später fanden wir heraus, dass beide Wege nach Dunkær führten, auch wenn einer davon ein Umweg war. Wir fuhren den Umweg, der an drei seltsamen Gebilden aus Steinblöcken und einer Kuhweide vorbei im Zickzackkurs der Küstenlinie folgte; und auf dem höchsten Punkt, auf einer Art Plattform über dem Meer, umgeben von Bäumen, die unter dem ständigen Anprall des Windes in Schräglage gewachsen waren, standen zwei Häuser.

Das erste Haus war fast an den Straßenrand gebaut. Es war sehr klein, mit s

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen