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Die Drachenkinder von Nicaragua von Holm, Annika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2017
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
2,99 €
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Die Drachenkinder von Nicaragua

Drachenkinder. So nannte man die Kinder, die während des Bürgerkriegs in Nicaragua, Geheimbotschaften, die in bunten Papierdrachen versteckt waren, der Widerstandsbewegung der Sandinisten überbrachten.Die drei Freunde Isabell, Victor und David gehörten einst zu dieser Gruppe. Doch jetzt ist Frieden. Das Land ist seit vier Jahren von der Diktatur befreit, aber Not und Armut beherrscht das tägliche Leben. Isabell, Victor und David sind noch immer unzertrennbare Freunde. Zusammen versuchen sie täglich das Beste aus ihren schweren Lebensumständen zu schöpfen. Sie wollen die Welt verbessern - das ist ihr klares Ziel! Doch wie lange wird der Frieden bestehen?DIE DRACHENKINDER VON NICARAGUA ist ein spannendes Buch über drei Freunde, die ihren Lebensmut nie verlieren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 30.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711501221
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1077 kBytes
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Die Drachenkinder von Nicaragua

Der Unterricht war schon seit einer halben Stunde in vollem Gang, als David schließlich ankam. Er klopfte nicht an die Tür, er öffnete sie lediglich und trat in die Klasse. Er entschuldigte sich nicht, blickte gar nicht zu Lidia hin, die der Klasse den Rücken zuwandte und Zahlen an die Tafel schrieb. Er stieg über unzählige Beine und rempelte viele Arme in dem viel zu engen Klassenzimmer an, bis er endlich auf seinen Stuhl neben Victor sank.

"Aha. Du bist also auch schon da", sagte Lidia, ohne sich umzusehen. "Hast du eine Erklärung?"

"Nein", antwortete David und beugte sich vornüber, um seine Schnürsenkel zu binden. Lidia drehte sich um und schaute ihn an. David band weiter. Lidia wartete. Als er fertig war, begegnete er ihrem Blick. Er konnte keinen Ausdruck in ihren Augen erkennen, sie schien abzuwarten.

"Nein", wiederholte David. "Es ist eben passiert. Ich kam zu spät. Ich habe auch kein Buch dabei, sehe ich..."

Lidia legte die Kreide zur Seite und machte einige Schritte nach vorn.

"Aber, David! Warum nicht? Du weißt doch, daß du jeden Tag das Buch dabei haben sollst."

"O.k.", schrie David so laut, das die ganze Klasse zusammenzuckte. Bevor jemand in der Lage war, etwas zu sagen, war er an allen Armen und Beinen vorbei verschwunden.

"Was ist denn mit dem los?" flüsterte jemand vorsichtig.

"Er geht natürlich sein Buch holen", erklärte Lidia und wandte sich wieder der Tafel zu. "Wir rechnen derweil weiter."

Victor konnte sich schlecht auf die Zahlen konzentrieren. Er verstand nicht, warum sich David so aufführte. Erstens: David kam nie zu spät. Er bemühte sich mehr als die anderen, pünktlich zu sein. Zweitens: David vergaß nie seine Bücher. Das war noch nie dagewesen. Drittens: Nicht einmal mit einem Blick zu grüßen, das paßte nicht zu David. Er drehte sich zu Isabel, um zu sehen, ob sie genauso erstaunt war. Sie beantwortete seinen fragenden Blick mit einem unschlüssigen Achselzucken. Sie nahm ihren Bleistift und fing an zu rechnen.

Dann kam David zurück. Lidia hatte recht behalten, er hielt die Bücher in der Hand. Bevor Victor mit der Aufgabe fertig war, hatte sie David sowohl abgeschrieben, als auch schon ausgerechnet. 15 600 schrieb er schnell und Victor seufzte über seine eigene Langsamkeit, während er weiterrechnete. Doch es stimmte, er bekam auch 15 600 heraus.

David kümmerte sich nicht um Victor, der neben ihm saß. Nicht einmal, als sie die Mathematikbücher zuschlugen und als Lidia begann, über den Aufstand in Monibo zu erzählen, würdigte er ihn eines Blickes. Er war völlig mit sich selbst beschäftigt. Victor hatte den Eindruck, daß er nicht einmal Lidias Erzählungen folgte.

"Die Leute von Monibo errichteten Barrikaden, um ihren Stadtteil, um sich vor der Nationalgarde zu schützen. Sieben Tage lang hielten sie stand, aber am 26. Februar 1978 brachen die Soldaten der Nationalgarde durch die Barrikaden und stürmten die Häuser. Viele Menschen wurden erschossen, zweihundert Jugendliche wurden gefangengenommen ..."

Victor schielte zu David hinüber. Hörte er denn nicht, daß Lidia von Monibo erzählte, der alten Indianerstadt, in der David gelebt hatte, als das Schreckliche passierte? Seine Mutter war doch krank geworden, und die Kinder hatten damals bei Freunden gewohnt. David war gerade in die Stadt gekommen, als Victor und er sich zum ersten Mal trafen. Obwohl sie jetzt schon gut vier Jahre befreundet waren, wußte Victor nichts von dem, was David in Monibo erlebt hatte. Ob er an den Kämpfen teilgenommen hatte? Er hatte nie etwas davon erzählt.

David war eigentlich gar nicht zu spät zur Schule gekommen. Gerade als es klingelte, eilte er in Oscars Klassenzimmer, um die Bücher abzuholen, die Oscar für ihn hatte mitnehmen sollen. Aber Oscar war nicht da. Davids Blick glitt über die engen Reihen der Zweitkläßler, und er fühlte die Wut in sich aufsteigen. Es war nicht das erste Mal, daß Oscar sich auf dem Weg zur Schule ve

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