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Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu ... von Gast, Lise (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2017
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu ...

Carol ist jung. Ihr Herz ist nach einer unglücklichen Liebe zerbrochen und ihre derzeitige Stelle als Krankenschwester macht sie auch nicht glücklich. Einen Neuanfang erhofft sie sich von der Ehe mit einem älteren Mann, einem Witwer, dem sie Herz aufrichtig schenkt. Sie gibt ihren ungeliebten Arbeitsplatz auf und lebt fortan an seiner Seite. Mit viel Tatkraft und Vitalität kümmert sie sich um ihren Mann und versucht ihm seine späten Jahre zu verschönen. Doch in Carol bahnen sich Zweifel, ob sie der Aufgabe gewachsen ist. Nach vielen inneren Kämpfen trennt sie sich von ihrem Ehemann und findet schließlich ihr langersehntes Glück. Lise Gast schildert in diesem Roman einfühlsam und mit viel Menschlichkeit die inneren Kämpfe einer jungen Frau, die ihren Weg noch nicht gefunden hat. Lise Gast (geboren 1908 als Elisabeth Gast, gestorben 1988) war eine deutsche Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Sie absolvierte eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Lehrerin. 1933 heiratete sie Georg Richter. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. 1936 erschien ihr erstes Buch 'Tapfere junge Susanne'. Darauf folgen unzählige weitere Geschichten, die alle unter dem Pseudonym Lise Gast veröffentlicht wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh Gast mit ihren Kindern nach Württemberg, wo sie sich vollkommen der Schriftstellerei widmete. Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann in der Tschechoslowakei in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war, gründete sie 1955 einen Ponyhof und verwendete das Alltagsgeschehen auf diesem Hof als Inspiration für ihre Geschichten. Insgesamt verfasste Gast etwa 120 Bücher und war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kolumnistin aktiv.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 01.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711509357
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 779 kBytes
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Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu ...

Carol hatte ihren alten Schianzug herausgesucht, den, der noch aus der Zeit stammte, in der sie im Krankenhaus gearbeitet hatte. Ihr Mann hatte ihr später einen anderen geschenkt: einen schicken, modernen, wie man ihn jetzt trug. Aber sie hatte plötzlich Sehnsucht nach dem alten.

Er war braun, hatte eine kurze Jacke und ziemlich enge Hosen, er war etwas abgewetzt, aber durchaus noch brauchbar, zumindest für den Langlauf. Für sie kam ja nur dies in Frage. Auf Pisten würde sie sich wohl kaum mehr trauen. Zärtlich fuhr sie mit den Fingerspitzen über das Tuch am Kragen. Die roten Fäustlinge, die Ragna ihr gestrickt hatte, paßten gut dazu, zumal sie auch Mütze und Schal in Rot hatte und ein rotgewürfeltes Schihemd dazu. Der Kragen stand vorne am Halse etwas ab, sie war auch zu mager geworden. Früher hatte er tadellos gesessen.

Carol starrte in den Spiegel, ohne etwas wahrzunehmen. Die kleine Freude, die sie vorhin durchfahren hatte, als sie die alten geliebten Schisachen auspackte, war schon wieder verflogen.

Eigentlich lebte sie gar nicht mehr. Sie war gestorben an jenem Tage, an dem der Arzt gekommen war ... wochenlang hatte sie sich dagegen gewehrt, ihn zu holen. Das Fieber - nun ja, dafür gibt es viele Ursachen. Sie wollte das alles nicht wahrhaben.

Sie hatte eine Gelbsucht gehabt, eine ansteckende Krankheit, die in der Gegend umging. Mit Magenbeschwerden, großer Mattigkeit und Fieber. Die Krankheit war nicht allzu schwer verlaufen, dafür hatte sie ziemlich lange gedauert, aber wenn man es recht besah, war sie daran gestorben. Ihr Traum war gestorben, und sie brachte es nicht fertig, weiterzuleben ohne diesen Traum, richtiger: mit dem toten Traum im Herzen.

Eine lähmende Gleichgültigkeit hatte sie erfaßt. Conrad zwar war rührend, Ragna kam getreulich, die Eltern und Geschwister hatten liebevoll geschrieben und sich nach ihr erkundigt. Aber es war, als seien dies nur Nebenfiguren, nur noch Statisten in ihrem Leben, in dessen Mittelpunkt leuchtend und verheißungsvoll das Kind gestanden hatte, einige kurze Wochen lang. Das Kind, das keines gewesen war. Alle Farben waren seitdem verblaßt, alle Klänge verstummt oder doch so leise geworden, daß sie sie nicht mehr vernahm. Nichts lohnte mehr. Carol hatte aufgegeben.

Niemand ahnte, niemand konnte auch nur im entferntesten verstehen, welch ungeheurer Schlag es für sie gewesen war, als sie erfahren hatte, wie es um sie stand. Sie war nicht schwanger gewesen - kein Schmerz der Welt schien ihr damit vergleichbar, ja, sie vermaß sich, zu glauben, daß selbst der Schmerz, ein Kind zu verlieren, nicht so groß sein könne wie der, gar keines zu bekommen. Denn dann hätte man es doch einmal gehabt. In den ersten Tagen hatte sie ernsthaft geglaubt, den Verstand zu verlieren, so niederschmetternd war diese Erkenntnis für sie. Später fing sie dann an, ruhiger zu werden, wenigstens nach außen hin - sie weinte nicht mehr, und das war fast noch schlimmer. Aber man merkte ihr nicht mehr an, wie verzweifelt sie war. Ihr Mann hatte wohl geglaubt, das unaufhörliche Weinen sei nur ein Zeichen der Schwäche, die die Krankheit mit sich brachte. Er hatte nie nach dem Grund gefragt. Wahrscheinlich ahnte er überhaupt nicht, was sie so aufwühlte, ahnte nicht, was sie auf den Gipfel der Seligkeit getragen und dann in die Tiefe geworfen und zerschmettert hatte. Wie sollte er auch ...

Nun denn, sie konnte es nicht ändern. Sie empfand ihm gegenüber manchmal so etwas wie ein schlechtes Gewissen - hatte er nicht eigentlich ein Recht darauf, zu wissen, was in ihr vorging? Aber sie schob es beiseite, müde, gleichgültig. Was konnte er noch von ihr erwarten, sie war tot, ganz tot, innerlich. Sie konnte und wollte nicht mehr leben ohne ihr Kind.

Ragna war guter Hoffnung. Aber es war, als könnte Carol selbst diese Tatsache nicht mehr ganz erfassen, es berührte sie kaum. In ihrem Innern war alles verödet, sie konnte keinen Schmerz mehr empfinden.

Dennoch ga

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