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Der Zwergenwald und andere Märchen Wunderschöne Kindergeschichten und Gute-Nacht-Geschichten von Seidel, Heinrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.08.2013
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Der Zwergenwald und andere Märchen

Dieses eBook: 'Heinrich Seidel: Der Zwergenwald und andere Märchen' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel (1842 - 1906) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller. Hoch geschätzt wurden Seidels Märchen und seine Autobiographie Von Perlin nach Berlin, vor allem von seinen Schriftstellerkollegen Stinde, Trojan, Stettenheim und anderen. Das bekannteste Werk Heinrich Seidels ist das Buch Leberecht Hühnchen, das aus mehreren Episoden besteht, die zwischen 1880 und 1893 entstanden. Inhalt: Der Zwergenwald Das Hünengrab Erika Der Schlangenkönig Die drei Schwestern Der Zwerg und die Gerstenähre Prinzessin Zitrinchen Dolpatsch Die Drei Knaben Die Wetterhexe Der Venediger Der Regulator Die drei Brüder Das Zauberklavier Worterklärungen

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 265
    Erscheinungsdatum: 18.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788074841897
    Verlag: e-artnow
    Größe: 464 kBytes
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Der Zwergenwald und andere Märchen

Das Hünengrab

Inhaltsverzeichnis

Draußen auf dem Felde zwischen dem Korn lag ein Hünengrab. Eine gewaltige Eiche stand darauf und ringsumher Weißdorn, wilde Rosen und anderes Gesträuch.

Eines Tages, da ich noch ein kleiner Knabe war und mir das Korn weit über mein Haupt reichte, ging ich an einem Sonnabendnachmittag hinaus, denn ich wollte mir Spielbaumholz schneiden zu Bolzen für meine Armbrust. Ich saß eine Weile auf den knorrigen Baumwurzeln der alten Eiche und schaute über das Feld hinaus. Es war ein recht sonnenglühender Nachmittag, und nur zuweilen hauchte ein warmer Luftzug über die Felder, daß sich die Halme flüsternd neigten. Am Horizont standen weiße, träumende Wolken, und ringsumher war das schwirrende Getön der sommerlichen Insekten. Aus dem gelben Kornmeer taumelten zuweilen die spielenden Schmetterlinge hervor und verschwanden dann wieder zwischen den Halmen.

Als ich einige Zeit so gesessen hatte, hörte ich neben mir im Buschwerk ein Geräusch, ein Knistern im Gras und ein Rascheln in den kleinen Zweigen. Anfangs achtete ich nicht darauf, denn es gab dort viele Mäuse, die im Hügel ihre Nester hatten. Da hörte ich plötzlich eine feine Stimme sagen: "Hackebock, bring auch die große Krone heraus!"

Ich erschrak, denn ich sah dort niemand, nur zwischen den Büschen, wo ein kleiner, freier Platz war, bemerkte ich etwas Blitzendes. Ich beugte mich vor und spähte vorsichtig durch das Buschwerk. Da sah ich zwei ganz kleine Männlein mit langen, grauen Bärten und grauen Gewändern, die viel blitzendes Goldgeschirr und funkelndes Edelgestein in der Sonne ausbreiteten. Ein dritter, dessen weißer Bart bis auf die Erde niederging, hatte einen feinen Goldreif um die Stirn und stand daneben und sah zu. Dann kamen aus einer kleinen Höhle, die unter dem Buschwerk verborgen war, noch mehr dergleichen kleine Zwerge hervor, die in ihren Armen goldene Becher, Gefäße und Edelsteine getragen brachten und sie zu den übrigen legten. Endlich schleppte der letzte eine mit vielen funkelnden Steinen besetzte Krone herbei, die er mit beiden Armen umspannt hielt, und dann machten sie sich alle daran, diese Dinge recht schön auf dem Platze zu ordnen, daß sie in der Sonne wie Feuer blitzten und funkelten.

Ich mochte, als ich mich vorbog, um besser sehen zu können, wohl ein Geräusch gemacht haben, denn auf einmal sahen sie alle von ihrer Arbeit mit zornigen Gesichtern zu mir auf, und einer rief: "Er sieht uns, er ist ein Sonntagskind!"

"Er muß sterben!" rief ein anderer.

Auf einmal, ehe ich mich recht besinnen konnte, waren die kleinen Männer um mich herum, und im Nu waren meine Füße mit feinen goldenen Ketten so fest an die Baumwurzeln geschnürt, daß ich sie nicht im geringsten bewegen konnte.

"Was wollt ihr von mir?" rief ich. "Ich habe euch nichts getan!"

"Du wirst uns verraten!" sagte der mit dem goldenen Reif um die Stirn, der ihr König war. "Du wirst es den großen, plumpen Menschen im Dorf erzählen, und sie werden kommen und mit ihren Schaufeln unseren Berg umwühlen, in dem wir Jahrtausende gewohnt haben!"

"Wir wollen ihn totstechen!" rief einer.

"Er soll den Giftpilz schlucken!" schrie ein anderer.

Ich begann mich sehr zu fürchten, denn die kleinen Männer machten grimmige Gesichter, und einzelne drohten mir mit spitzen Schwertern, die sie schnell aus der Höhle geholt hatten.

"Ich werde euch ganz gewiß nicht verraten, ihr kleinen Zwerge!" rief ich. "Gebt mich frei, ihr sollt es niemals bereuen!"

Der Zwergenkönig strich sich nachdenklich seinen weißen Bart, dann winkte er den anderen, und nun standen sie alle, steckten die Köpfe zusammen und wisperten untereinander. Zuweilen sahen sie nach mir hin, und endlich hob der König drei Finger auf und sprach etwas, wozu sie alle mit den Köpfen nickten. Dann gingen sie wieder auseinander. Der König trat vor mich hin und sprach: "Du hast uns nicht absicht

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