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Märchen von Lindgren, Astrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2019
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
eBook (ePUB)
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Märchen

Zauberhaft und geheimnisvoll ist Astrid Lindgrens Märchenwelt. Petra und Peter, zwei Kinder so groß wie Puppen, tauchen plötzlich in der Schule auf. Eine Elfe fliegt ins Kinderzimmer von Lena und der Junge Göran erlebt Abenteuer im Land der Dämmerung. Der Erzählband enthält 15 der schönsten Märchen der weltberühmten schwedischen Schriftstellerin, darunter die Geschichten von Nils Karlsson-Däumling, der Puppe Mirabell und dem Drachen mit den roten Augen. Mit vielen farbigen Illustrationen von Ilon Wikland. Astrid Lindgren (1907?-?2002), in Südschweden geboren und aufgewachsen, hat so unvergessliche Figuren wie Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter und viele andere mehr geschaffen. Die 'wunderbarste Kinderbuchautorin aller Zeiten' (DIE ZEIT) wurde u.?a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Ilon Wikland, 1930 in Estland geboren, studierte Kunst in Stockholm und London und arbeitet als freie Illustratorin. 1954 begann ihre Zusammenarbeit mit Astrid Lindgren, aus der mehr als dreißig Bücher hervorgegangen sind. Sie prägte über Generationen das Bild von Astrid Lindgrens Kindern aus Bullerbü, Karlsson vom Dach oder Ronja Räubertochter. Ilon Wikland wurde für ihr Gesamtwerk mit dem Elsa-Beskow-Preis ausgezeichnet und bereits mehrfach für den international bedeutenden 'Astrid Lindgren-Gedächtnispreis' nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 16.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960521303
    Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
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Märchen

Rupp Rüpel, das grausigste Gespenst aus Småland

E s ist gut, eine Großmutter zu haben, besonders eine, die Spukgeschichten erzählen kann. Und so eine hatten wir, mein Bruder und ich.

Großmutter wohnte in einem kleinen Haus ganz am Ende eines Bergrückens, der nur aus Geröll bestand. Ich weiß nicht, was spannender war, dieser Geröllhang oder Großmutters Spukgeschichten. Eins steht jedenfalls fest, es machte Spaß, Großmutter zu besuchen, und wir taten es oft, mein Bruder und ich. Dabei war es ein mächtig weiter Weg dorthin. Es ging über Wiesen und durch kleine Wälder und über Anhöhen mit Kiefern, bis wir endlich das Großmutterhäuschen in einer Mulde am Berghang liegen sahen. Und dort in der kleinen Küche saß Großmutter, die so lieb war und so wunderbar erzählen konnte.

Es dauerte auch nicht lange, und wir bettelten wie immer: "Großmutter, erzähl doch mal von Rupp Rüpel!" Und dann tat Großmutter es. Ungefähr so fing sie an:

"In dem Dorf, wo ich geboren bin, gab es vor vielen Hundert Jahren einen Knecht. Rupp Rüpel hieß er."

"Aber warst du denn damals schon auf der Welt?", fragte ich.

Großmutter schnaubte ungeduldig durch die Nase.

"Hab ich das etwa gesagt? Ich doch nicht, du Dummerchen! Aber meine Großmutter, die konnte von ihm erzählen, sodass es mich dummes kleines Ding, das ich damals war, richtig gruselte."

"Dann hat also deine Großmutter Rupp Rüpel gesehen?", fragte mein Bruder.

"Nein, hat sie nicht. Aber ihre Großmutter hat ihn wohl gesehen, soviel ich weiß. Jedenfalls hat sie von ihm erzählt, als meine Großmutter noch klein war."

"Und jetzt bist du an der Reihe, Großmutter", sagte ich. "Also wie war das?"

"Ja, dieser Rupp Rüpel, das war ein wilder Kerl, der dauernd irgendwas ausheckte und nichts als dummes Zeug im Kopf hatte", erzählte Großmutter. "Und das, obwohl der Knecht beim Pfarrer war und sich weiß Gott hätte anständiger benehmen müssen. Einer, den dieser Rupp Rüpel nicht ausstehen konnte, war der Küster. Der war ihm ein Dorn im Auge."

"Der Küster, das war doch der, der sonntags in der Kirche immer die Orgel spielte, nicht?", sagte mein Bruder, nur um Großmutter zu zeigen, dass wir im Bilde waren.

"Ja", sagte Großmutter, "und manchmal spielte er auch nachts. Also auf der Orgel in der Kirche, zu der er ja den Schlüssel hatte, und darum konnte er kommen und gehen, wann er wollte. Und Musik liebte dieser Küster über alles, egal, ob es Tag war oder Nacht. An einem kalten Herbstabend tauchte in Rupp Rüpels sündigem Schädel der Gedanke auf, dem Küster jetzt einen ordentlichen Schrecken einzujagen."

"Was tat er denn?", fragte mein Bruder, obwohl er es genauso gut wusste wie ich.

"Dieser Schurke hatte sich mit weißen Laken als Gespenst verkleidet und sich dazu eine Maske aufgesetzt, eine Fratze, die irgendwie leuchtete. Und so schlich er sich in die Kirche. Und da sitzt nun der arme Küster in aller Seelenruhe und spielt so himmlisch schön. Plötzlich hört er im Gotteshaus ein fürchterliches Gebrüll, und vorne vor dem Altar steht ein Scheusal, eine grässliche Spukgestalt. Kein Wunder, dass der Küster entsetzt aufschrie und auf den Ausgang zustürzte, so schnell ihn die Beine nur trugen. Doch hinter ihm her rannte das Gespenst und jagte ihn durch die ganze Kirche. Der Küster lief um sein Leben und konnte sich gerade noch im letzten Augenblick durch die Tür retten. Aber hinter ihm kam das Gespenst, es wollte auch raus. Ja, Rupp Rüpel wollte auch raus, denn allein in der Kirche zu bleiben, traute er sich nicht. Er hatte nämlich selber Angst vor Gespenstern! Aber da traf ihn die Strafe. Gerade als er sich durch das Kirchentor zwängt, spürt er, wie ihn jemand von hinten zu packen kriegt, und da gefror ihm vor Schreck das Blut in den Adern. Denn wer sonst konnte ihm beim Schlafittchen packen, wenn nicht ein Gespenst oder womöglich gar der Herrgott selber, der ihn für das be

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