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Anna Schritt für Schritt ins neue Leben von Pfaue, Justus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.12.2017
  • Verlag: Loewe Verlag
eBook (ePUB)
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Anna

Annas Traum ist es, Primaballerina zu werden. Doch ein schwerer Autounfall zerstört nicht nur beinahe ihr Leben, sondern auch ihre Chancen auf die große Tanzkarriere. Schritt für Schritt kämpft Anna sich zurück ins Leben und auf die Bühne. Bald wird sie sich entscheiden müssen: Ballett oder Liebe. Justus Pfaue wurde 1942 in Oberhausen geboren. Er studierte Jura und Forensische Psychiatrie. Zunächst war er freier Mitarbeiter beim Hörfunk und bei der Zeit, dann schrieb er Drehbücher für erfolgreiche Serienklassiker wie Timm Thaler, Silas und Die Wicherts von nebenan. Justus Pfaue ist im März 2014 im Alter von 72 Jahren verstorben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 18.12.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732011926
    Verlag: Loewe Verlag
    Größe: 1527 kBytes
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Anna

1

P hilipp!"

Philipp Pelzer drehte sich ohne Eile um und sah zu dem blauen Pick-up, der mit laufendem Motor im Gang des Parkhauses stand. Er war nicht gerade begeistert, seine Mutter am Steuer des Lieferwagens zu sehen.

Ute Pelzer winkte ihm energisch und rief: "Mach schon! Steig ein!"

Philipp fertigte schnell seine letzte Kundin ab: "Zwei Euro fünfzig, die Firma dankt!", leierte er einen seiner Sprüche runter. Dann rannte er zum Wagen und auf die Fahrerseite zu seiner Mutter.

"Ich hab erst das Geld für zwei Fahrstunden zusammen", maulte er und sah sie trotzig an.

Philipp war fast achtzehn Jahre alt und in der Schule eher unauffällig. Vor Kurzem hatte er eine Leidenschaft entdeckt, die die Familie mit großer Gelassenheit über sich ergehen ließ: Autofahren. Philipp hatte beschlossen, so schnell wie möglich seinen Führerschein zu machen. Denn erst mit dem in der Tasche, dachte er, sei er ein echter Mann. Den Antrag und das nötige Foto hatte er schon vorbereitet, aber die nötigen Fahrstunden fehlten noch.

Jetzt stand er vor dem blauen Lieferwagen und war gekränkt, weil ihm seine Mutter die Aussicht auf eine private Fahrstunde verdorben hatte. Aber es kam noch schlimmer.

Ute Pelzer zeigte auf die Einfahrt des Parkhauses, wobei die bunten Armreifen an ihrem Arm klimperten, und sagte: "Dein selbst erfundener Job hier gefällt mir überhaupt nicht!"

Immer, wenn Ute ernsthaft böse wurde, betonte sie jede einzelne Silbe. Das hatte sie von ihrer Mutter geerbt. "Wenn sie dich erwischen, bekommst du deinen Führerschein nie!"

Damit hatte sie recht. Philipp fuhr im Parkhaus die Wagen von Kunden, die in der Dunkelheit und zwischen den Betonwänden der engen Rampen ins Schwitzen kamen, an die freien Stellplätze.

"Da bekomme ich jede Menge Trinkgeld und auch noch Fahrpraxis", sagte er.

"Aber ohne Führerschein", sagte Ute. "Und jetzt rein mit dir! Anna wartet schon!"

Philipp änderte seine Taktik und versuchte es mit Erpressung. "Nur, wenn du mich fahren lässt."

Jetzt wurde seine Mutter richtig böse. "Mach erst deinen Führerschein! Und wenn ich dann den Wagen nicht brauche, kannst du ihn haben. Vorher auf gar keinen Fall! Und damit das klar ist: Du wirst den Pick-up auch nicht heimlich fahren, verstanden!"

Schmollend stieg Philipp ein: "Papa wollte doch Anna abholen."

"Schnall dich an! Papa sitzt in der Dienststelle des Landesdenkmalpflegers fest! Sonst noch Fragen?"

Jetzt war auch Philipp sauer. Kurz angebunden antwortete er: "Nein."

Die Fahrt verlief in finsterem Schweigen. Ute, die Realistin in der Familie, kochte innerlich vor Wut über ihren Sohn.

Kaum zu fassen! Keine Ahnung, wo er das herhat, dachte sie. Von Stefan bestimmt.

Stefan Pelzer ... Vor knapp 20 Jahren hatte sie ihn auf der Kunstschule kennengelernt und bald darauf geheiratet. Und sie hatte es bis heute nicht bereut. Sie lächelte ein wenig in sich hinein und dachte an den Anfang ihrer Ehe.

Nach der Hochzeit hatte Ute ihre Begabungen richtig entfaltet. Sie töpferte und sie schweißte Eisenschrott zu modernen Skulpturen zusammen. Das Kunsthandwerk machte sie glücklich und Stefan bewunderte ihre Arbeit. Dann wurde die Künstlerin Mutter: Erst kam Philipp und fünf Jahre später folgte Anna. Eine ganze Weile sagten Stefan und Ute zueinander "Papi" und "Mami", aber das gab sich dann.

Und wegen Anna hatten sie auch ihr erstes Zerwürfnis. Nachdem Ute auch für die Kleine alle Sachen für den ersten Schultag gekauft hatte, hatte sie ihren Stefan angesehen und gesagt: "Du kannst es drehen und wenden, wie du willst, aber das Geld reicht hinten und vorne nicht."

Er hatte sie angelächelt und seinen Lieblingsspruch gesagt: "Wird schon reichen. Es hat immer gereicht. Mehr als ein Kotelett kann keiner essen."

Sie hatte tagelang gegrübelt, wie sie ihren weltfremden Mann w

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