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Bella Rossas anderes Glück von Bondoux, Anne-Laure (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.10.2016
  • Verlag: Carlsen
eBook (ePUB)
12,99 €
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Bella Rossas anderes Glück

Einfach glänzend erzählt: der neue Roman von Anne-Laure Bondoux ('Zeit der Wunder') --- Feuerrotes Haar und Lebensmut - das ist Bella Rossa. Dabei kennt sie nichts als Sorgen, Nöte und Katastrophen. Als der Krieg Einzug hält in ihr Dorf, beschließt sie ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Denn sie hat einen Traum: mit dem Planwagen gen Westen ziehen, zu den Goldgräbern und vielleicht zu ihrer Mutter. Mit dem kranken Vater und einer Sammlung Töpfe macht sie sich auf den Weg. Sie wird viel erleben, Gefährliches und Großartiges, die Liebe, aber auch Verlust. Und am Ende steht fest: Das Glück hat viele Gesichter. Anne-Laure Bondoux träumte als Kind davon, Forschungsreisende zu werden. Nach ihrem Literaturstudium arbeitete sie als Lektorin. Ihre Bücher haben viele Preise gewonnen und wurden in zwanzig Sprachen übersetzt; ihr Roman "Die Zeit der Wunder" wurde mit dem Katholischen Kinder- und Jugendliteraturpreis und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Anne-Laure Bondoux lebt in der Nähe von Paris und hat zwei Kinder, die ihr inzwischen über den Kopf gewachsen sind.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 20.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646927627
    Verlag: Carlsen
    Größe: 762 kBytes
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Bella Rossas anderes Glück

Zweites Kapitel

D ie Katastrophe kündigte sich wenig später an, eines Julimorgens, in Form eines Mannes und eines Pferdes. Bella Rossa war auf alles gefasst gewesen, aber darauf nicht.

Nachdem sie Lom'Pa an diesem Tag auf die Veranda geschoben hatte, arbeitete sie im Stall. Es war noch früh und die Kühe verhielten sich ruhig. Bella Rossa hatte ihr Werkzeug ausgepackt.

Der alte Heuwagen war jetzt größer und breiter und thronte auf den Speichenrädern einer Kutsche. Bella Rossa hatte die Radnaben eingefettet. Sie hatte Bretter gesägt und zu Wagenwänden zusammengenagelt, über die sie Bögen aus Tulpenbaumholz spannte. Jetzt musste sie nur noch eine Plane darüberziehen, dann war das Werk vollendet.

Sie schwitzte heftig. Seit ein paar Wochen wurde die Gegend von der großen Sommerhitze heimgesucht. Der Wasserpegel des Flusses fiel stetig und die Fliegen surrten schon am frühen Morgen in dichten, aufdringlichen Wolken tief über dem Boden. In Maussad-Vallée schritten die Männer mit hängenden Schultern ihre Felder ab, die Hunde hechelten, die Köpfe zwischen den Pfoten, und die Frauen saßen im Schatten und stickten. Alles geschah wie in Zeitlupe. Nur Bella Rossa hatte sich in den Stall verzogen und legte dort eine fieberhafte Aktivität an den Tag.

Sie hatte hier und da ein paar kaputte Sachen gefunden und repariert. Zu gegebener Zeit würden sie ihren Platz im Wagen finden: Töpfe, gusseiserne Kessel, Kannen aus Steingut, Kamingalgen, Kasserollen, Gläser, Kohlenschaufeln, Körbe, Bürsten, Zangen ... Der ganze Plunder türmte sich in einer Nische des Stalls, gut geschützt vor neugierigen Blicken.

Es hatte einige Zeit gedauert, all diese Haushaltswaren anzusammeln. Anfangs hatte sie ein paar Dinge geschenkt bekommen. Vor allem natürlich Töpfe, wegen der Geschichte mit Yuri Bendel. Aber den Rest hatte sie sich mühsam in der ganzen Gegend zusammensuchen müssen, bis hoch nach Cactus Hill. Nicht selten fand man auf der Route der Pionier-Trecks weggeworfene Sachen in den Büschen. Im Lauf ihrer endlosen Reise von Ost nach West entledigten sich die Familien allen überflüssigen Ballasts, damit ihre Wagen leichter wurden, und ließen in ihrem Kielwasser die platzraubenden Relikte ihres alten Lebens zurück. Einmal hatte Bella Rossa sogar ein Klavier gefunden, das mitten auf dem Weg lag. Aber es war zu schwer gewesen, um es allein nach Maussad-Vallée zurückzubringen. Sie musste sich mit den Küchenutensilien begnügen, die den Großteil ihres Warenlagers ausmachten.

Es war ein bescheidenes Geschäft, aber Bella Rossa war trotzdem stolz auf ihre Idee, weil sie es damit allen heimzahlen konnte.

Während sie die Plane über die Bögen des Karrens spannte, dachte sie an ihre Rache. Sie dachte an all die Jahre der Angst und Demütigung. Sie dachte natürlich an Yuri Bendel, aber auch an Bror Svenberg und die anderen Kerle. Sie sah sich wieder mit vierzehn Jahren, hilflos angesichts des Verlangens dieser Männer und beschmutzt von ihren animalischen Blicken.

An allem waren nur ihre Brüste schuld. Diese verdammten Brüste! Warum hatten sie diese ungeheuerlichen Ausmaße angenommen, anstatt sich ganz normal zu entwickeln? Dafür gab es keine Erklärung. Innerhalb eines Jahres waren sie von der Größe zweier Äpfel auf die zweier Honigmelonen angewachsen, bevor sie so groß wie zwei Wassermelonen wurden.

Damals war Bella Rossa gerade vierzehn Jahre alt gewesen. Sie trug noch nicht diesen Spitznamen, der seitdem in aller Munde war. Sie war einfach nur Rossalina, so wie ihre Mutter sie bei ihrer Geburt genannt hatte.

Der erste Widerling, der ihre Brüste begrapschen wollte, hieß Bror Svenberg. Er war Schweinezüchter und lungerte oft am Flussufer herum. Dort kam Rossalina jeden Abend vorbei, wenn sie die Kühe zurück in den Stall trieb.

"He, Rossalina!", rief er und winkte ihr zu.

Sein Verhalten beunruhigte sie nicht weiter. Sie antwortete mit einem Kopfnicken und

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