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Das Feuerzeichen Roman von Haig, Franvesca (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Feuerzeichen

Als Zwillinge geboren, zu Feinden erzogen Vierhundert Jahre in der Zukunft: Durch eine nukleare Katastrophe wurde die Menschheit zurück ins Mittelalter katapultiert. Es ist eine Welt, in der nur noch Zwillinge geboren werden. Zwillinge, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ohne einander nicht überleben können. Allerdings hat immer einer von beiden einen Makel. Diese sogenannten Omegas werden gebrandmarkt und verstoßen. Es ist die Welt der jungen Cass, die selbst eine Omega ist, weil sie das zweite Gesicht besitzt. Während sie Verbannung, Armut und Demütigung erdulden muss, macht ihr Zwillingsbruder Zach Karriere in der Politik. Cass kann und will diese Ungerechtigkeit nicht länger ertragen und beschließt zu kämpfen. Für Freiheit. Für Gerechtigkeit. Für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird. Doch die Rebellion hat ihren Preis, denn sollte Zach dabei sterben, kostet das auch Cass das Leben ... Francesca Haig wuchs in Tasmanien auf und promovierte in Literaturwissenschaften an der Universität Melbourne. Wenn sie nicht gerade an ihren eigenen Texten arbeitet, unterrichtet sie Kreatives Schreiben an der Universität von Chester. Für ihre Gedichtsammlungen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Mit Das Feuerzeichen legt sie nun ihre erste Romantrilogie vor. Francesca Haig lebt mit ihrer Familie in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641164652
    Verlag: Heyne
    Serie: Das Feuerzeichen Bd.1
    Originaltitel: The Fire Sermon
    Größe: 1116 kBytes
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Das Feuerzeichen

2

AM NÄCHSTEN MORGEN weckten mich wie gewöhnlich die Feuerträume.

Als die Monate ins Land gingen, waren dies die einzigen Momente, in denen ich froh war, in der Enge meiner Zelle zu erwachen. Das Grau des Raums und die vertrauten unversöhnlichen Wände standen in einem harten Gegensatz zum erbarmungslosen Exzess der Flammen, der mich jede Nacht heimsuchte.

Von der Explosion gab es weder schriftliche Zeugnisse noch Bilder. Und was hätte das auch für einen Sinn gehabt, wo sie sich doch sowieso unauslöschbar in jede Oberfläche geätzt hatte? Sogar jetzt, ganze vierhundert Jahre nachdem sie alles zerstört hatte, sah man sie noch in jeder gesprengten Klippe, auf jedem versengten Feld und in jedem ascheverstopften Fluss. In jedem Gesicht. Die Explosion war die einzige Ge schichte, die unsere Erde zu erzählen hatte - wer also hätte sie noch festhalten sollen? Eine in Asche und Knochen geschriebene Geschichte. Es hieß, vor der Explosion seien Predigten über das Ende der Welt gehalten worden. Die letzte stammte vom Feuer selbst. Danach nichts mehr.

Die meisten Überlebendenden waren damals ertaubt und erblindet, andere allein zurückgeblieben. Wenn sie ihre Geschichten weitererzählt hatten, dann nur noch dem Wind. Und selbst wenn sie noch einen Gefährten hatten - kein Über lebender hätte den Moment, in dem es passierte, in Worte fassen können. Diese neue, unbekannte Färbung des Himmels. Das Tosen, das allem ein Ende bereitete. Sobald jemand ver suchte, den Vorfall zu beschreiben, strandete er genau wie ich heute in einem Raum, in dem Worte fehlten und Geräusche vorherrschten.

Die Explosion hatte die Zeit zerspringen lassen und sie in Sekundenschnelle unwiederbringlich in ein Vorher und ein Nachher gepalten. Jetzt, Hunderte Jahre später, im Nachher, gab es keine Überlebenden und keine Zeugen mehr. Nur Seher wie ich erhaschten hin und wieder einen flüchtigen Blick auf das Ereignis, in dem kurzen Moment vor dem Aufwachen oder wenn er uns in der halben Sekunde eines Wimpernschlags aus dem Hinterhalt überfiel: der Blitz, der wie Papier brennende Horizont.

Die einzigen Geschichten, die von der Explosion erzählten, stammten von den Barden. Als ich noch ein Kind war, hatte der Barde, der jeden Herbst durch unser Dorf zog, von Ländern auf der anderen Seite des Meeres gesungen, die das Feuer vom Himmel hatten stürzen lassen. Von der Strahlung und vom darauffolgenden Langen Winter. Ich muss acht oder neun gewesen sein, als Zach und ich eine ältere Bardin mit frostgrauem Haar dieselbe Melodie hatten singen hören, begleitet von anderen Worten. Der Refrain über den Langen Winter war gleich geblieben, doch andere Länder wurden keine erwähnt. Die Verse beschrieben lediglich die Flammen und wie sie alles verzehrten. Als ich meinen Vater bei der Hand nahm und mich nach dem Grund dafür erkundigte, zuckte er bloß mit den Schultern. Es gäbe viele Versionen dieses Lieds, antwortete er. Was mache das schon für einen Unterschied? Wenn es auf der gegenüberliegenden Seite des Meeres einst andere Länder gegeben habe, würden sie längst nicht mehr existieren. Die gelegentlich aufkeimenden Gerüchte eines Anderorts seien eben nur Gerüchte, denen man genauso wenig glauben dürfe wie der Mär von einer Insel, auf der Omegas frei lebten, ohne von Alphas unterdrückt zu werden. Wenn man dabei belauscht wurde, wie man über solche Fragen spekulierte, kam das einer Auffor derung zur öffentlichen Auspeitschung gleich, einer Zur schaustellung am Pranger. So wie bei dem Omega, den wir außerhalb von Haven gesehen hatten. Der so lange unter der sengenden Sonne ausharren musste, bis seine Zunge nur noch als schuppige blaue Eidechse aus seinem Mund hing. Zwei Soldaten des Rats wachten neben ihm und traten ihn von Zeit zu Zeit, um sicherzugehen, dass er noch lebte.

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