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Das Spiel von Liebe und Tod von Brockenbrough, Martha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.07.2016
  • Verlag: Loewe Verlag
eBook (ePUB)
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Das Spiel von Liebe und Tod

Unser Geheimtipp für junge Erwachsene: Eine hinreißende Liebesgeschichte, die weit über das Einzelschicksal hinausgeht. Liebe und Tod als Personifikationen ihrer selbst in einem tödlichen Wettstreit um die Gefühle zweier Liebender. Romeo und Julia, Kleopatra und Mark Anton, Napoleon und Josephine, sie alle waren schon Figuren in dem jahrtausendealten Spiel von Liebe und Tod. Die Regeln sind einfach. Verlieben sich die Paare vor dem ausgewürfelten Termin, hat die Liebe gewonnen, trennen sie sich, triumphiert der Tod und einer der Liebenden muss sterben. Immer wieder steht Henry vor der Tür des Jazzclubs, in dem Flora allabendlich singt. Er ist hingerissen von der schönen jungen Frau, ihrer Stimme und ihrer Musik. Flora dagegen versucht lange, sich gegen ihre Gefühle zu wehren. Ihre Haut ist schwarz und eine Beziehung mit einem weißen jungen Mann ist im Seattle des Jahres 1937 völlig ausgeschlossen. Was Flora und Henry nicht wissen: Sie sind nur Figuren in einem uralten Spiel, in dem die Liebe selbst und ihr alter Widersacher Tod menschliche Gestalt angenommen haben. Und beide nutzen all ihre manipulativen Fähigkeiten, um zu gewinnen.

Martha Brockenbrough hat als Redakteurin für MSN.com gearbeitet, sich Fragen für Trivial Pursuit und Cranium ausgedacht und Liedtexte für eine Reality TV-Show geschrieben. Sie lebt mit ihrer Familie in Seattle und spielt in einer Band die Rats in the Attic heißt. Das Spiel von Liebe und Tod ist ihr zweites Jugendbuch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 25.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732006090
    Verlag: Loewe Verlag
    Größe: 1182 kBytes
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Das Spiel von Liebe und Tod

4

Nicht lange vor Floras Flug hatte Liebe sich in Venedig materialisiert, einer Stadt, die durch die Tatsache, dass sie zum Untergang verdammt war, nur noch an Schönheit gewann. Er stand auf dem Markusplatz vor einer kunstvoll verzierten Kirche, benannt nach dem Jünger, der nach Jesu Gefangenname nackt aus dem Garten Gethsemane geflüchtet war. Die Gebeine des heiligen Markus waren in einem Fass mit gepökeltem Schweinefleisch in die Kirche geschmuggelt worden - eine seltsame Art, das Gedenken an einen Mann am Leben zu halten. Doch was war die Menschheit schließlich, wenn nicht zutiefst seltsam?

Aus ebensolchen menschlichen Knochen hatten sie die Würfel für ihr Spiel gefertigt. Zwei Stück, handgeschnitzt und makellos glatt geschliffen, die Augen eine weinrote Mischung aus Liebes Blut und Tods Tränen. Liebe trug sie immerzu bei sich. Auch jetzt klapperten sie in seiner Tasche, während er auf den Campanile zuging, dessen Glocken geläutet wurden, um Politiker zu Sitzungen zusammenzurufen, die Mittagszeit zu verkünden oder auch um Hinrichtungen bekanntzugeben.

Gerade schlug es Mittag, als er vorbeikam und seine Schritte auf dem Steinboden einen Schwarm Tauben aufscheuchten. Gurrend und flügelschlagend stoben sie in den silbernen Himmel auf.

Liebe verbrachte einen angenehmen, wenn auch kühlen Nachmittag im nebelverhangenen Labyrinth der Gassen um die Accademia, halb in der Erwartung, jeden Moment seine Gegenspielerin hinter der nächsten Ecke auftauchen zu sehen. Bei einem Hutmacher kaufte er eine handgefertigte Melone und setzte seinen alten Hut einem dünnen Romajungen auf, der zu einem legendären Verführer von Frauen und Männern gleichermaßen heranwachsen sollte. Noch Jahre später bereute es Liebe, dem Jungen nicht auch seine Hose geschenkt zu haben.

Im Schreibwarenladen nebenan erstand er ein kleines Glas himmelblauer Tinte, weil sie ihn an die Farbe derjenigen erinnerte, mit der Napoleon seine Briefe an Joséphine verfasst hatte. Liebe wollte sich damit Notizen in das kleine Büchlein machen, das er stets bei sich trug; vielleicht würde ihm das Glück bringen. Vielleicht würde er dieses Mal, im Gegensatz zu all jenen zuvor, tatsächlich gewinnen.

Er fragte sich, ob sie ihn wohl vergessen hatte, und machte in einer Bar halt, wo er sich einen kleinen Imbiss aus hauchdünnem Parmaschinken und mildem Käse genehmigte, gefolgt von einem Glas Perlwein. Sein unsterblicher Körper benötigte zwar keinerlei Nahrung, aber er nahm sich gern die Zeit für solche irdischen Freuden. Appetit war etwas grundlegend Menschliches, und es tat ihm gut, das Gefühl zu verspüren, zu verstehen.

Als er aus der Bar trat, noch das Prickeln von Salz und Wein auf der Zunge, stand die Sonne bereits tief am Horizont, kurz davor, der Welt ihre Wärme und Farben zu entziehen. Da er befürchtete, dass Tod sich nicht mehr zu ihm gesellen würde, löste Liebe sich in Luft auf und kam in einer glänzend schwarzen Gondel wieder zum Vorschein, sehr zur Überraschung des Fahrers, der gerade seinen letzten Passagier für den Tag abgesetzt hatte. Der Gondoliere hatte sich eigentlich eine Zigarette drehen und ein Weilchen hinauf in den Himmel blicken wollen, bevor er das Boot zurück an seinen Liegeplatz ruderte. Doch nun war da auf einmal dieser neue Gast, der es sich bereits auf der schwarzgoldenen Sitzbank bequem machte.

Der Mann seufzte. "Solo voi due?"

Nur Sie beide?

Zu spät bemerkte Liebe den süßen Hauch, der über dem Kloakengeruch des Kanals schwebte. Lilien. Seine Nackenhaare stellten sich auf.

"Sì, solo noi due", stimmte Liebe zu.

Sie stieg die schiefen hölzernen Stufen zur Gondel hinunter. In ihrem langen winterweißen Mantel sah sie aus wie ein Engel. Ihre Handschuhe und Stiefel, beides aus Lammleder, hatten dieselbe Farbe. Der einzige Farbtupfer war der Schal um ihren Hals: roter Kaschmir. Sein Herz verkrampfte sich bei dem Anblick.

"Hallo, a

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