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Das Vermächtnis des alten Pilgers von Schröder, Rainer M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2014
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
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Das Vermächtnis des alten Pilgers

Die letzten Worte des alten Pilgers Vinzent werden im leidvollen Leben des 16-jährigen Marius 'Niemandskind' zum langersehnten Lichtblick: 'Folge dem Morgenstern ...' Damit kann nur eines gemeint sein - er soll sich dem Kreuzfahrerheer anschließen, welches das Heilige Land von den Ungläubigen befreien will. Marius macht sich auf den gefahrvollen Weg nach Mainz. Doch erst nach einer langen Reihe von Abenteuern und der Begegnung mit dem jüdischen Mädchen Sarah versteht Marius, dass der alte Pilger mit seinem Vermächtnis etwas ganz anderes im Sinn hatte ... Rainer M. Schröder, 1951 in Rostock geboren, in Ostberlin aufgewachsen und mit seiner Familie kurz vor dem Bau der Mauer in den Westen geflohen, absolvierte parallel zum Abitur eine dreijährige Operngesangsausbildung in Düsseldorf. Nach zwei Jahren bei der Luftwaffe und Tätigkeit als Lokalreporter bei einer Düsseldorfer Tageszeitung studierte Rainer M. Schröder Jura sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln. Kurze Gastspiele als Autor für das Stadttheater in Nürnberg und als Verlagslektor folgten. Seit 1977 arbeitet er als freischaffender Schriftsteller. Nach ersten Bucherfolgen ließ sich Rainer M. Schröder 1980 mit seiner Frau Helga in den USA nieder und verbrachte die nächsten Jahre auf seiner Farm in der Halbwildnis von Süd-Virginia am Smith Mountain Lake als Autor und Hobbyfarmer. Von dort führten ihn zahlreiche Abenteuerreisen in viele Teile der Welt. Heute zählt Rainer M. Schröder zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern von Jugendbüchern sowie historischen Gesellschaftsromanen für Erwachsene. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet - unter anderem im Oktober 2005 mit dem 'Buxtehuder Bullen'. Das Ehepaar Schröder lebt in Woodstock, Georgia, USA.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 488
    Erscheinungsdatum: 25.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401803562
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 2464 kBytes
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Das Vermächtnis des alten Pilgers

Erstes Kapitel

Die Schatten im Allmendewald [Mit einem Sternchen gekennzeichnete Wörter sind am Ende des Buches kurz erklärt.] wurden länger und dunkler. Ein kühler Windhauch fiel unter dem Geraune des herbstlichen Laubes aus den Baumkronen herab. Wie ein unsichtbarer Geisterfinger strich er Marius über die nackten Arme und ließ ihn frösteln. Zugleich mit dem Windhauch war plötzlich auch die Angst da.

Marius hielt im Graben inne. Sein Herz schlug ihm im Hals und er bereute seine Leichtfertigkeit, sich nicht mit fünf Nesselblättern bewehrt zu haben, bevor er ganz allein in den Hochwald gestiegen war. Wie hatte er bloß diese Vorsichtsmaßnahme vergessen können! Denn wer fünf Nesselblätter in der Hand hielt, den befiel bekanntlich keine Furcht, sondern der behielt auch in gefährlicher Lage kühlen Verstand. Und sein Vorhaben, eine Alraune aus dem Waldboden zu graben, war ein überaus gefährliches Unterfangen, bedeutete es doch, sich dunklen und unberechenbaren Mächten auszusetzen, die Verderben über einen bringen konnten. Nicht von ungefähr ähnelte der Wurzelstock der Alraune einem kleinen Menschen, der mit dem Kopf nach unten in der Erde steckte - und der nur darauf wartete, aus seinem unterirdischen Gefängnis befreit zu werden und seine magischen Kräfte zu entfalten.

Auch Hinkebein, der alte räudige Hund, der seit Jahren das linke Hinterbein nachzog und den er am Strick in den Wald mitgenommen hatte, schien sich in seiner Haut nicht wohl zu fühlen. Er zerrte am Strick, scharrte unruhig im Laub und kläffte auf eine gedämpfte heisere Art, als traute er sich nicht, an diesem Ort seinen Ärger ungezügelt hinauszubellen. Ob er wohl ahnte, was ihm drohte?

Marius rang kurz mit sich selbst, ob er all seinen Mut zusammennehmen und weitermachen oder das gefährliche Vorhaben besser aufgeben und ins Dorf zurückkehren sollte. Es wusste ja niemand von der Sache, sodass ihn auch keiner der Feigheit bezichtigen konnte, wenn er mit leeren Händen aus dem Allmendewald zurückkam. Er brauchte bloß aufzustehen, Hinkebein loszubinden und sich rasch von diesem Ort zu entfernen - und die unberechenbaren Mächte, die noch ungestört vor ihm in der schweren Erde schlummerten, konnten ihm nicht gefährlich werden.

Die Verlockung, sich in den Besitz dieser Alraune zu bringen, erwies sich jedoch als stärker. Rotrud, die eulengesichtige Tochter der alten Seherin, hatte Wissen von verborgenen Dingen und geheimnisvollen Vorgängen, die sich den Sinnen eines gewöhnlichen Menschen nicht offenbarten. Und Rotrud würde ihn gut entlohnen, wenn er ihr die Menschenwurzel brachte. Einen ordentlichen Napf voll Fett und einen breiten Streifen Speck brachte ihm die Alraune ganz sicher ein, vielleicht sogar noch mehr, und diese Kostbarkeiten konnte er dann im Dorf oder in der Burg gegen etwas anderes eintauschen. Möglicherweise reichte die Belohnung der Seherin sogar, um Notger den Schmied endlich dazu zu bringen, ihm das solide Messer anzufertigen, das er sich schon seit Jahren wünschte.

"Ich muss es einfach wagen! Und ich passe doch auf, dass ich keinen verhängnisvollen Fehler begehe!", murmelte Marius, um sich selbst Mut zu machen.

Er war barfuß und schweigend an diesen Ort gekommen, so wie es die ungeschriebenen Gesetze verlangten. Und er benutzte zum Ausgraben auch kein aus Eisen gearbeitetes oder mit Eisen verbundenes Werkzeug, was ein verhängnisvoller Fehler gewesen wäre, sondern seinen alten gesplitterten Holzlöffel. Ungünstig war nur, dass er die Alraune nicht vor Sonnenaufgang aus der Erde holte, sondern im Licht des Tages, auch wenn zu dieser Nachmittagsstunde nur noch wenig Tageslicht zwischen den dicht stehenden Bäumen zu ihm herab auf den Waldboden fand. Bekanntlich schwächte Tageslicht beim Ausgraben die magische Kraft der Wurzel, was ihm selbst aber ganz lieb war. Rotrud durfte jedoch nichts davon erfahren und deshalb würde er ihr die Alraune auch erst morgen kurz nach Sonnenau

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