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Der Brillenindianer von Schumacher, Hildegard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.01.2015
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Der Brillenindianer

Otto alias Häuptling Adlerauge ist mit seinen Eltern in eine andere Stadt gezogen. Dort, in dem Wald hinter dem Neubaugebiet, findet er auf einem seiner Streifzüge eine geheime Burg, die drei größere Jungen sich errichtet haben. Ihr Häuptling Branco nimmt Otto in die Bande auf. Warum Bande, fragt sich Otto, dann sind sie ja gar keine Indianer. Tatsächlich zwingen sie Otto zu Dingen, die nichts mit seiner Indianerehre zu tun haben. Als er auch noch in einen Kaufhallendiebstahl verwickelt und seine Brille gestohlen wird, sucht er die Unterstützung seiner Eltern. Doch ganz allein mit seiner Freundin Antje will er die drei Großen zur Rede stellen. LESEPROBE: Olaf antwortete mit keiner Silbe, er hatte total abgeschaltet. 'Lasst ihn', sagte Branco. Er streckte die Hand aus und verlangte von Otto die Zigaretten. Der zeigte aufs Regal. Branco nahm die Schachtel und sah, dass sie bereits geöffnet war. 'Hast wohl probiert?', fragte er und grinste. Dann guckte er genauer. 'Hast mehrmals probiert, was?' 'Ich rauch nur mit euch Friedenspfeife.' Branco winkte ab und fingerte eine Zigarette heraus, zündete sie an und hielt Mäcki die Schachtel hin. Der lehnte ab, und Otto verzichtete auch freiwillig. Branco lachte. Er schien seinen gutmütigen Tag zu haben. 'Okay, Brillenschlange', sagte er, 'weil du deine Friedenspfeife schon weghast, kriegst du zur Strafe keine.' 'Okay!', sagte Otto, und er fand, dass das die beste Strafe war, die er jemals erhalten hatte. Er verzog sich aus der Burg und beschloss, auf der kleinen Lichtung dahinter Schießübungen zu veranstalten. Im Gras lag eine alte Konservendose. Er steckte einen Stock in den Boden und stülpte sie darüber. Das würde schön scheppern, wenn der Pfeil sie traf. Otto hatte schon das Scheppern im Ohr. Er nahm zehn Schritte Abstand, spannte den Bogen und zielte, indem er das linke Auge zukniff, doch er hatte Schwierigkeiten, weil das rechte Auge sich ebenfalls schloss. Otto setzte den Bogen ab. Verdammt! Als großer Jäger hatte er Tiger und Büffel in Massen erlegt, und auf einmal traf ihn die Blinzelkrankheit. Er musste sein linkes Auge überlisten, indem er es mit dem Taschentuch verband. Das Zwinkern war abgestellt. Otto ging von oben ins Ziel, wie er es beim Fernsehen beobachtet hatte. Das lief hervorragend. Nur konnte er die Konservendose nicht genau erkennen. Er nahm die Brille ab, putzte sie an seinem Hemd blank, probierte noch einmal. Der Pfeil schwirrte vom Bogen. 'Treffer!', schrie Otto. 'Treffer!' Siegfried Schumacher wurde am 9. August 1926 in Oderberg/M. geboren, wo er auch die ersten vier Grundschulklassen besuchte. 1937 zogen seine Eltern nach Bad Freienwalde, wo er das Gymnasium mit dem Notabitur abschloss. 1943 wurde er zur Marine einberufen. Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft wurde er Neulehrer. Hildegard Schumacher wurde am 10. September 1925 in Eberswalde geboren. Sie besuchte die Lehrerbildungsanstalt und arbeitete seit 1964 als Lehrerin. Hildegard und Siegfried Schumacher heirateten 1947. Beide studierten am Institut für Literatur "Johannes R. Becher" in Leipzig und lebten seit 1962 als freischaffende Künstler in Bad Freienwalde. Gemeinsam schrieben sie Kinder- und Jugendbücher und gründeten 1964 in Bad Freienwalde und im Bezirk Frankfurt/Oder Zirkel schreibender Schüler, die immer noch bestehen. Ihre Bücher erreichten insgesamt eine Auflage von 1,6 Millionen, in über 3 Millionen Anthologien sind Beiträge von ihnen enthalten. Am 27. April 2003 verstarb Hildegard Schumacher. Siegfried Schumacher lebt gemeinsam mit der Familie seiner Tochter in Bad Freienwalde und ist Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Die Allgemeine Förderschule Angermünde trägt seit 2003 seinen Namen. Hidegard und Siegfried Schumacher erhielten den Alex-Wedding-Preis, den Kleist-Preis der Stadt Frankfurt/Oder und den Kunstpreis der FDJ.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 187
    Erscheinungsdatum: 02.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956552205
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1063 kBytes
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Der Brillenindianer

Olaf antwortete mit keiner Silbe, er hatte total abgeschaltet. 'Lasst ihn', sagte Branco. Er streckte die Hand aus und verlangte von Otto die Zigaretten. Der zeigte aufs Regal. Branco nahm die Schachtel und sah, dass sie bereits geöffnet war. 'Hast wohl probiert?', fragte er und grinste. Dann guckte er genauer. 'Hast mehrmals probiert, was?' 'Ich rauch nur mit euch Friedenspfeife.' Branco winkte ab und fingerte eine Zigarette heraus, zündete sie an und hielt Mäcki die Schachtel hin. Der lehnte ab, und Otto verzichtete auch freiwillig. Branco lachte. Er schien seinen gutmütigen Tag zu haben. 'Okay, Brillenschlange', sagte er, 'weil du deine Friedenspfeife schon weghast, kriegst du zur Strafe keine.' 'Okay!', sagte Otto, und er fand, dass das die beste Strafe war, die er jemals erhalten hatte. Er verzog sich aus der Burg und beschloss, auf der kleinen Lichtung dahinter Schießübungen zu veranstalten. Im Gras lag eine alte Konservendose. Er steckte einen Stock in den Boden und stülpte sie darüber. Das würde schön scheppern, wenn der Pfeil sie traf. Otto hatte schon das Scheppern im Ohr. Er nahm zehn Schritte Abstand, spannte den Bogen und zielte, indem er das linke Auge zukniff, doch er hatte Schwierigkeiten, weil das rechte Auge sich ebenfalls schloss. Otto setzte den Bogen ab. Verdammt! Als großer Jäger hatte er Tiger und Büffel in Massen erlegt, und auf einmal traf ihn die Blinzelkrankheit. Er musste sein linkes Auge überlisten, indem er es mit dem Taschentuch verband. Das Zwinkern war abgestellt. Otto ging von oben ins Ziel, wie er es beim Fernsehen beobachtet hatte. Das lief hervorragend. Nur konnte er die Konservendose nicht genau erkennen. Er nahm die Brille ab, putzte sie an seinem Hemd blank, probierte noch einmal. Der Pfeil schwirrte vom Bogen. 'Treffer!', schrie Otto. 'Treffer!' Er schwenkte den Bogen und hatte wie vorher das Scheppern im Ohr. Er haute an die Konservenbüchse. Sie schepperte wie wild. Branco und Mäcki kamen aus der Burg und sahen ihn umhertanzen wie einen Indianer, der sein Jagdglück feierte. 'Wie 'n Affe', rief Mäcki, 'Otto, der Orang-Utan!' Branco klopfte sich auf die Schenkel. Genau wie Mäcki platzte er fast vor Lachen. Ihre übergroße Heiterkeit missfiel Otto. Er stoppte mitten in der Bewegung und runzelte die Augenbrauen. 'Ich trainiere', sagte er und warf den beiden einen vernichtenden Häuptlingsblick zu. Branco konnte nur noch japsen. Mäcki hielt sich den Bauch. 'Ihr Affen!' Otto drehte den beiden den Rücken zu. Branco schluckte den letzten Lacher hinunter und sagte: 'Schieß schon los, roter Bruder.' Denen würde er es zeigen! Otto legte einen Pfeil auf, ging von oben ins Ziel, setzte aber noch einmal ab, um zu gucken, ob die beiden ihn auch nicht verkohlten, aber sie benahmen sich wieder wie Menschen. Da hob Otto den Bogen und schoss: Der Pfeil flog am Ziel vorbei. 'Treffer! Treffer!', brüllte Mäcki. Die beiden wieherten erneut los. Otto fand es überhaupt nicht komisch. 'Vorbeischießen kann jeder mal', sagte er. 'Nimm doch das Ding ab, es stört', schlug Branco vor, sich jedes Grinsen verkneifend, und zeigte auf die Taschentuchaugenbinde, die aus Häuptling Adlerauge eine Mischung zwischen Seeräuber und Kopfverletztem machte. 'Geht nicht.' Otto visierte, doch je länger er sich konzentrierte, um so mehr verschwamm ihm das Ziel. Er setzte den Bogen ab und wischte sich über die Augen. 'Fliege reingekommen?', spottete Mäcki. 'Zielwasser', sagte Branco. Er lief in die Burg und kam mit einer Flasche zurück. 'Nimm einen Schluck, aber.'nen kräftigen, Brillenschlange!' Otto besah misstrauisch die rote Flüssigkeit. 'Indianer haben immer Zielwasser getrunken, bevor sie große Heldentaten vollbrachten', erklärte Mäcki. 'Trink jetzt!', befahl Branco. Er drückte Otto die Flasche an die Lippen und hob sie am Ende hoch, sodass Otto solch einen Schluck nehmen musste, dass ihm das rote Zeug links und rechts aus den Mundwinkeln lief. 'Schlucken!', forderte Branco, und Otto schl

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