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Der Fluch des Erlkönigs von Wolff, Carola (eBook)

  • Verlag: Fabulus-Verlag
eBook (ePUB)
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Der Fluch des Erlkönigs

Ein Wellness-Hotel in ein abgelegenes Waldgebiet zu setzen - für den Baulöwen Harry Kaiser ist dies Projekt das wichtigste seiner Karriere. Proteste von Naturschützern glaubt er niederbügeln zu können, und würde ihm jemand sagen, dass sein Vorhaben die Heimat eines Elfenvolkes zerstört, würde der Unternehmer dies als spinnert abtun. Eher zufällig gerät Harrys Sohn Finn zwischen die Fronten. Der junge Mann, ein begabter Zeichner, dessen künstlerische Neigungen so gar nicht den Vorstellungen des Vaters von einem Nachfolger entsprechen, hadert mit der familiären Situation, trauert um die tote Mutter, fühlt sich missachtet. Finn lernt die Öko-Aktivistin Tonia kennen und gerät in den Bann der Erlkönigin. Carola Wolff, Jahrgang 1962, ist gelernte Buchhändlerin, hat englische Literatur studiert und ein Faible für alles von der Insel. Mit ihren fantastischen Geschichten hat sie längst eine Fangemeinde erobert. 'Der Fluch des Erlkönigs' ist ihr zweiter Roman bei Fabulus. Sie lebt in Berlin, umgeben von Stapeln wilder Bücher und einer Sammlung literarischer Teebecher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944788616
    Verlag: Fabulus-Verlag
    Größe: 667 kBytes
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Der Fluch des Erlkönigs

Z eig doch mal."

JoJos Haare waren schlafzerzaust, doch seine Augen strahlten munter und erwartungsvoll. Finn versteckte den Zeichenblock in seinem Mathe-Hefter. Zombiekröten waren nichts für Dreijährige.

"Nur die Katze", sagte Finn und deutete zum Schuppen hinüber.

"Katze!", wiederholte JoJo aufgeregt. "Wo?"

Der Holzstapel an der schiefen Schuppenwand war leer. Finn zuckte die Achseln. "Ist wohl frühstücken gegangen. Ich könnte jetzt auch einen Kaffee vertragen."

"Malst du mir was? Bitte?"

"Nachher. Wenn du mir versprichst, niemandem zu erzählen, dass ich gezeichnet habe."

JoJo nickte ernst.

Finns Stiefmutter, gehüllt in einen seidig schimmernden Morgenmantel, stand in der Küche neben dem Kühlschrank und löffelte Joghurt mit gesunden Bakterien in sich hinein. Finn hätte sie gerne gezeichnet. Als böse Stiefmutter aus Schneewittchen vielleicht.

"Ich könnt jetzt nen Kaffee vertragen", trompetete JoJo hinter Finn fröhlich in die Küche hinein.

"Milch", befahl Vanessa.

JoJo schmollte, aber nicht lange. Er hatte ein sonniges Gemüt und ihm fiel immer etwas Neues ein.

"Kakao?"

"Zuviel Zucker", beschied Vanessa. "Das ist nicht gut für die Zähne. Iss dein Müsli."

JoJo zog die Nase kraus. "Ich will Toast!"

"Müsli ist viel gesünder, mein Schätzchen."

JoJo kletterte auf einen Stuhl am Küchentisch und betrachtete skeptisch die gesunde Auswahl an langweiligen Bio-Sachen, die seine Mutter aufgebaut hatte.

"Und du gehst nachher mit ihm raus, hörst du? Hier wird es ja wohl einen Spielplatz geben, irgendwo."

Na super. Musste er doch wieder Babysitter spielen. Finn legte seinen Mathe-Ordner auf den Tisch und nahm sich einen Kaffeebecher.

"Spielplatz?" JoJo, der gerade noch finster auf die in Milch schwimmenden Haferflocken gestarrt hatte, sah hoffnungsvoll auf.

"Es regnet", sagte Finn.

Wenn das so weiterging, würden ihnen allen Kiemen wachsen. Vanessas Augen irrten zum Küchenfenster, an dem von außen die Tropfen herunterrannen.

"Dann macht halt drinnen was. Aber keine Unordnung. Und benutzt vor allem nicht den Salon."

Inneneinrichtung war Vanessas neuestes Steckenpferd. Sie hatte das Häuschen mit Designermöbeln in Glas und Stahl spärlich möbliert. Total unpassend. Als würde man einen Ferrari in einen Holzschuppen schieben. Aber eine Frau braucht was Eigenes, und Vanessa war wild entschlossen. Das mit dem Bademodenlabel war ein Flop gewesen und die Boutique, die sie in Paris eröffnet hatte, in kürzester Zeit pleite gegangen. Vanessa wollte unbedingt mehr als Harry Kaisers hübsches Anhängsel sein - die Schönheitskönigin, die er bei einem Wettbewerb in einem seiner Hotels getroffen und vom Fleck weg geheiratet hatte. Das war noch nicht mal ganz ein Jahr nach dem Tod von Finns Mutter gewesen.

Finn hatte Harry dafür gehasst. Aber wenigstens musste er sich die beiden nicht lange zusammen angucken. Kurz nach der Hochzeit schoben sie ihn ab ins Internat.

"Und wo gehst du hin?", wollte Finn wissen. Vielleicht war ja nicht der ganze Tag verloren.

"Nicht, dass es dich etwas angehen würde. Aber ich habe Termine."

"Kosmetik? Fitness? Friseur?"

Vanessa zupfte an ihrem schreiend blond gefärbten Haar herum.

"Hier draußen nicht völlig zu verkommen, wird keine leichte Aufgabe sein", sagte sie nachdenklich. "Was ist Harry nur eingefallen."

Wie aufs Stichwort Finn hörte seinen Vater die Treppe herunter stampfen. Dann war er auch schon in der Küche, grunzte zur Begrüßung und steuerte die Kaffeemaschine an, dieses metallisch blinkende Monster.

"Alles fertig, Liebling", flötete Vanessa.

Espresso mit einer richtigen Espressomaschine kochen war das Erste, was sie gelernt hatte. Harry Kaiser legte Wert auf frisch handgemahlene Bohnen und ein starkes, bitteres Gebräu. Finn hatte das Zeug mal probiert. Sc

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