text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der geheime Himmel Eine Geschichte aus Afghanistan Roman von Abawi, Atia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der geheime Himmel Eine Geschichte aus Afghanistan

Wenn Liebe ein Verbrechen ist. In ihrer Kindheit haben Fatima und Samiullah in ihrem afghanischen Dorf miteinander gespielt – doch als Sami von der Uni zurückkehrt und die beiden sich ineinander verlieben, setzen sie eine Kette tragischer Ereignisse in Gang. Samis Cousin Rashid, der sich einer islamischen Miliz angeschlossen hat, verrät die beiden ... Atia Abawi als Kind afghanischer Eltern in Deutschland geboren, wuchs in den USA auf. Bereits als Schülerin wusste sie, dass sie einmal Journalistin werden wollte. Sie berichtete fünf Jahre lang als Auslandskorrespondentin für CNN und NBC aus Kabul. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Jerusalem.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 22.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423428118
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv junior
    Originaltitel: The Secret Sky: A novel of forbidden love in Afghanistan
    Größe: 741 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der geheime Himmel Eine Geschichte aus Afghanistan

Erster Teil

Eins

Fatima

Ich kenne diesen ausgetretenen Pfad besser als mich selbst. Während ich durch den nussfarbenen Dunst laufe, schmecke ich den salzig bitteren Geschmack des verdorrten Bodens, der mir über die Luft in den Mund dringt. Schon als Kind habe ich immer versucht, ganz vorn zu laufen, damit sich der Staub nicht auf meine Kleidung legt. Es gibt nichts Schlimmeres als den Geruch von Erde, der an den Kleidern haftet, wenn man abends auf seiner Matratze liegt und einschlafen will. Er lässt einen nicht los und schleicht sich in die Träume.

Dennoch tröstet mich der Pfad. Er ist mir vertraut. Die neuen Kurven meines Körpers sind mir fremder als seine Biegungen.

Ich schaue an mir herab und bin froh, dass ich mich unter einem übergroßen payron 2 verstecken kann. Ich beneide meine dreijährige Schwester Afifa. Sie muss sich keine Gedanken darüber machen, was es heißt, eine Frau zu werden. Zumindest noch nicht. Ich drehe mich um und sehe, wie sie hinter mir in meine Fußspuren springt, ebenso sorglos, wie ich es einmal war.

"Was machst du da, du verrücktes Mädchen?", fragt meine beste Freundin Zohra meine kleine Afifa.

"Ich springe, damit ich nicht ertrinke!", sagt diese entschieden und streckt die Zunge seitlich aus dem Mund, als sie auf dem nächsten Fußabdruck landet.

"Ertrinken? In was? Wir laufen über Erde." Zohra schüttelt den Kopf.

"Nein, das ist ein Fluss!", erwidert Afifa. "Und Fatos Spuren sind die Steine, auf die ich springen muss, damit ich nicht ertrinke!"

"Also gut, du dewanagak ", sagt Zohra lachend. "Deine Schwester hat wirklich eine blühende Fantasie, Fatima. Ich glaube nicht, dass wir in ihrem Alter so einfallsreich waren."

"Ich glaube schon, dass wir das waren", erwidere ich. "Ich zumindest. Du hast dich immer vor allem gefürchtet, selbst vor deinem eigenen Schatten." Ich muss lachen.

"Was weißt du schon?", schmollt Zohra, wie erwartet. Das Beste daran, sie zu ärgern, ist, dass sie furchtbar schlecht dagegenhalten kann. Sie ist aus vielen Gründen meine beste Freundin und das ist definitiv einer davon.

Ich lache weiter vor mich hin und schließlich stimmt auch Zohra ein. Sie konnte mir noch nie lange böse sein, selbst wenn ich es verdiene.

Wir haben den Brunnen fast erreicht, als der Baumstamm vor uns auftaucht. Wir kommen fast täglich an ihm vorüber, und er erinnert mich jedes Mal daran, wie das Leben war, als wir Dorfkinder unsere Tage noch damit verbrachten, zusammen zu spielen. Meine Mutter meint, für ein Mädchen mit meiner Figur gehöre es sich nicht mehr, draußen herumzulaufen und zu spielen, die Leute würden es für unanständig halten. Aber selbst wenn sie mich ließe, ist niemand mehr übrig, mit dem ich über die Felder laufen könnte. Die meisten Mädchen in meinem Alter dürfen das Haus nicht mehr verlassen, und die Jungen haben angefangen, ihren Vätern auf den Feldern oder im Laden zu helfen.

Zohra und ich dürfen uns noch besuchen, aber selbst mit ihr ist es nicht mehr so, wie es einmal war. Sie will nicht mehr herumrennen; sie sitzt lieber da und flicht mir die Haare, während sie mir Dorfklatsch erzählt.

Zum ersten Mal im Leben fühle ich mich allein. Einsam. Obwohl meine kleinen Brüder und meine Schwester ständig um mich herum sind, ist es, als würde ich nicht länger zur Familie gehören - zumindest nicht dieses neue Ich: dieses bizarre, kurvige, erwachsene Ich. Das Gefühl des nirgendwo Dazugehörens erfüllt mich mit einer Leere, die ich niemandem erklären kann, nicht einmal Zohra. Im Gegensatz zu mir scheint sie all die Veränderungen zu begrüßen.

Ich wünschte, ich könnte wie dieser Baumstamm sein. Er war schon immer so, wie er jetzt ist: groß genug, um den kleinen Hinterteilen von einem guten Dutzend Kindern Platz zu bieten, die sich dicht zusammendrängen. Wir

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen