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Der Lilienpakt von Bomann, Corina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.07.2016
  • Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
eBook (ePUB)
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Der Lilienpakt

Frankreich 1643: Die siebzehnjährige Christine muss den Mord an ihrer Familie miterleben und befindet sich seitdem auf der Flucht - getrieben von dem Plan, die Schuldigen zu entlarven. Ein Schmied nimmt sie nur widerwillig auf, denn er hat Angst vor dem Geheimbund Schwarze Lilie

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 29.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783764191276
    Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
    Größe: 1065 kBytes
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Der Lilienpakt

1

Als ich klein war, haderte ich oft damit, ein Mädchen zu sein.

Ich wollte wie meine Brüder durch die Wälder streifen, anstatt mich beim Lautespielen und Sticken zu langweilen. Ich wollte bei der Jagd mitreiten, anstatt im Salon meiner Mutter unter der strengen Aufsicht von Madame Poussier Tanz und gutes Benehmen zu erlernen. Ich wollte frei sein wie die Männer meiner Familie.

Zu dieser Freiheit gehörte es für mich, fechten zu lernen.

Solange ich denken konnte, hatten mich Degen und Rapiere fasziniert. Seit ich groß genug war, um Türklinken herunterzudrücken, schlich ich regelmäßig in den Fechtsaal unseres Schlosses. Dort waren die prächtigsten Waffen aufgereiht. Ehrfürchtig ließ ich meine Hand über die kostbar verzierten Griffe gleiten und stellte mir vor, mit der Waffe in der Hand elegant über den blanken Marmorboden zu tänzeln, während mein Bild von den hohen, goldgerahmten Spiegeln zurückgeworfen wurde.

Meist endete meine Träumerei damit, dass ich von meiner Gouvernante aus dem Fechtsaal gezerrt und gerügt wurde. Umherstreifen, Jagen und Fechten waren keine Leidenschaften für ein Mädchen.

Doch ich ließ mich nicht von meinem Traum abbringen, eines Tages eine berühmte Fechterin zu werden. Immerhin war ich eine d'Autreville, und das Fechten hatte eine lange Tradition in unserer Familie. Meine Vorfahren hatten bereits im Hundertjährigen Krieg neben dem König gekämpft. Meine Brüder würden die lange Reihe hervorragender Fechter aus unserer Familie fortsetzen. Mein Vater plante, sie mit Ausnahme meines ältesten Bruders Bernard, der sein Erbe war, der berühmten Garde du corps du roi beitreten zu lassen. Ihr hatte mein Vater als junger Mann angehört.

Doch was würde mir, der einzigen Tochter, bleiben? Nichts anderes als Heirat und Langeweile! Mit meinen vierzehn Jahren hatte ich bereits eine genaue Vorstellung davon, wie trist mein Leben verlaufen würde. Andere Mädchen in meinem Alter waren bereits verheiratet und erwarteten Kinder. Das war aber nicht das Leben, das ich mir erträumte. Ich wollte Abenteuer erleben, Geheimnisse entdecken und vielleicht auch ferne Länder bereisen. Mit Ehemann und Kindern am Rockzipfel war das nicht möglich.

Ich versuchte also, meinen Eltern bei jeder passenden Gelegenheit zu beweisen, dass ich noch nicht reif für die Ehe war. Ich spielte Streiche, kletterte auf Bäume und lungerte im Fechtsaal herum. Die Fechtübungen meiner Brüder ahmte ich während der Handarbeitsstunde mit der Nadel nach. Meine Gouvernante beschwerte sich deswegen regelmäßig bei meinem Vater.

"Dauernd fuchtelt sie mit den Nadeln herum, Monsieur le Comte! Erst gestern hat sie mich wieder im Vorbeigehen gestochen."

Als ich zur Rede gestellt wurde, gab ich mich reuevoll, doch insgeheim freute ich mich diebisch darüber, dass sie wie ein Huhn gackernd in die Höhe gefahren war.

Wenige Tage später, als Madame Poussier am wenigsten damit rechnete, setzte ich erneut zum Angriff an. Ich sprang plötzlich auf, nahm Kampfhaltung an und stürmte mit der Nadel in der Hand und wilden Kampfesrufen voran. "Nimm das, elender Spion! Und das! Es lebe der König!"

Madame Poussier starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren, und bekreuzigte sich dann hastig. Abends beschwerte sie sich dann wieder bei Papa.

Als ihm die Klagen meiner Gouvernante schließlich zu viel wurden, zitierte er mich zu sich in sein Studierzimmer. Es war ein schöner, mit rotem Holz getäfelter Raum, an dessen Wänden ebenfalls Schwerter und Degen hingen.

Als ich eintrat und fasziniert zu den Waffen blickte, räusperte sich mein Vater und erhob sich hinter seinem Schreibtisch. Seine dunklen Kleider und das von Silberfäden durchzogene schwarze Haar ließen ihn sehr würdevoll wirken. Er blickte mich streng an, doch mir entging nicht, dass der Spitzbart an seinem Kinn zu zucken begann und die Falten um seine braunen Augen tiefer wurden. Das waren bei ihm sichere Anzeichen für

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