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Der Zorn des Feuers Roman von Mankell, Henning (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2016
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Der Zorn des Feuers

Sofia ist glücklich - doch dieses Glück wird bald getrübt.

Sofia ist inzwischen neunzehn Jahre alt und glücklich mit Armando, ihrem "Mondjungen", verheiratet. Doch dann gerät ihre Welt erneut ins Wanken, als sich Armando so seltsam zu verhalten beginnt. Henning Mankells Jugendbuch-Afrika-Trilogie erstmals als eBook!

Henning Mankell , geboren 1948 in Härjedalen, war einer der großen schwedischen Gegenwartsautoren, von Lesern rund um die Welt geschätzt. Sein Werk wurde in über vierzig Sprachen übersetzt, es umfasst etwa vierzig Romane und zahlreiche Theaterstücke. Nicht nur sein Werk, sondern auch sein persönliches Engagement stand im Zeichen der Solidarität. Henning Mankell lebte abwechselnd in Schweden und Mosambik, wo er künstlerischer Leiter des Teatro Avenida in Maputo war. Er starb am 5. Oktober 2015 in Göteborg. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 14.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423430289
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: Feuer
    Originaltitel: Eldens Vrede
    Größe: 923 kBytes
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Der Zorn des Feuers

1.

S ofia läuft durch die Dunkelheit. Sie hat große Angst und muss so schnell laufen, wie sie kann. Sie weiß nicht, wovor sie wegläuft, weshalb sie Angst hat oder wohin sie läuft. Hinter ihr ist etwas Gefährliches, etwas Grausames, das näher und näher kommt.

Sie läuft durch die Nacht. Sie ist allein und voller Angst ...

Sofia lag mit geschlossenen Augen da, während sie über den entsetzlichen Traum nachdachte. Sie hatte ihn nach dem schweren Unfall geträumt, bei dem Maria gestorben war und sie selbst ihre Beine verloren und schwere Verbrennungen erlitten hatte. Jetzt zuckte sie zusammen und öffnete die Augen, als erwachte sie tatsächlich aus einem Traum. Als wäre sie in eine vergangene Zeit zurückversetzt worden. Sie warf einige Zweige auf das Feuer. Seit dem Unfall waren zehn Jahre vergangen. Damals war sie neun Jahre alt gewesen, jetzt war sie fast zwanzig.

Es war schon spät. Normalerweise schlief sie längst um diese Zeit. Aber an diesem Abend war es ihr unmöglich. Hinter ihr in dem kleinen, braunen Haus aus Ziegelsteinen schlief der Rest ihrer Familie. Sie hörte das schwere Schnarchen ihrer Mutter Lydia und eines der Kinder, das im Traum wimmerte.

Sofia saß auf einer Bastmatte am Feuer. Auf der anderen Seite der Flammen lag, den Kopf auf den Pfoten, ihr Hund Lokko mit geschlossenen Augen. Wenn Sofia sich bewegte oder ein Insekt an seiner Schnauze vorbeiflog, schlug er die Augen auf und schaute sie an.

Manchmal fand Sofia es genauso faszinierend, in die Augen des Hundes zu sehen, wie direkt in die zuckenden Flammen des Feuers zu starren, aus dem sich knisternde Funken lösten und in der Nacht verschwanden. Lokkos Augen waren wie die Öffnungen zu dunklen Höhlen, in denen sich Aufregendes und Seltsames verbarg. In den Flammen des Feuers tanzten Erinnerungen und Gedanken an das, was vor langer Zeit geschehen war ...

Das Dorf um sie herum schlief. Weit entfernt hörte sie ein Kind weinen. Sie lauschte. Es klang, als wäre das Kind krank. Vielleicht hatte es Fieber, vielleicht etwas anderes.

Das Weinen versetzte ihr einen Stich. Jetzt, da sie selbst zwei kleine Kinder hatte, wusste sie, dass es der Ausbruch einer bösen Krankheit sein konnte, wenn ein Kind anfing zu weinen. Es musste nicht so sein, aber man konnte ja nie wissen. Sie hatte allzu viele Kinder sterben sehen, am Fieber, an Durchfall oder Malaria. Arme Leute wie sie, die in diesem Dorf lebten, konnten nie sicher sein, dass es einen Arzt gab, der ihnen helfen würde, oder dass sie genügend Geld hatten, um die nötigen Medikamente zu kaufen.

Sie lauschte wieder. Jetzt war das Kind verstummt. Sofia zog mit einer Krücke einige Holzscheite zu sich heran und schob sie ins Feuer. Lokko sah sie an.

"Ist das nicht schön?", flüsterte sie. "Die Flammen hüpfen und tanzen, genau wie ich früher, bevor ich meine Beine verlor. Ich habe getanzt wie die Flammen."

Lokko sah sie mit seinen großen Augen an.

"Ich möchte wissen, was du denkst", sagte Sofia. "Wenn du nur eine Minute zu mir sprechen und mir erzählen könntest, was in deinem Kopf vor sich geht."

Sie legte die Krücke in den Sand und lehnte sich gegen den Holzschemel, der ihren Rücken stützte. Noch einmal lauschte sie in die Dunkelheit. Aber das Kind, das eben noch geweint hatte, war nun endgültig verstummt.

Wie ist das alles so geworden?, dachte sie. Ich bin selbst einmal ein kleines Kind gewesen. Und plötzlich bin ich erwachsen. Was bedeutet es eigentlich, kein Kind mehr zu sein?

Sofia schloss die Augen und kehrte in Gedanken in die Vergangenheit zurück. Es war, als gäbe es in ihrem Gehirn einen gut ausgetretenen Pfad. Häufig ging sie diesen Pfad entlang und mit jedem Tag, den sie lebte, wurde der Pfad etwas länger. So würde es weitergehen, bis sie alt war und so müde, dass der Pfad ihr zu lang we

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