text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die längste Nacht von Abedi, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2016
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die längste Nacht

Es sind nur ein paar Sätze in einem noch unveröffentlichten Manuskript, das Vita im Arbeitszimmer ihres Vaters findet - aber etwas an ihnen verzaubert und verstört die Siebzehnjährige gleichzeitig. Wenig später bricht sie mit ihren Freunden zu einer Fahrt quer durch Europa auf und stößt in Italien durch Zufall auf den Schauplatz des Manuskripts: Viagello, ein malerisches kleines Dorf. Der Ort strahlt für Vita eine merkwürdige Anziehungskraft aus, die noch stärker wird, als ihr der Seiltänzer Luca buchstäblich vor die Füße fällt. Auf ersten Blick ist Luca für Vita etwas Besonderes, doch etwas an ihm und seiner Familie kann sie nicht fassen. Noch ahnt sie nicht, dass er sie auf eine Reise tief in ihre Erinnerungen führen wird, an deren Ende etwas steht, was einst in Viagello geschah - in jener längsten Nacht ... Isabel Abedi, 1967 geboren, arbeitete 13 Jahre lang als Werbetexterin. Abends, am eigenen Schreibtisch, schrieb sie Kinder- und Bilderbuchgeschichten und träumte davon, eines Tages davon leben zu können. Dieser Traum hat sich längst erfüllt: Isabel Abedi hat inzwischen zahlreiche sehr erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, von denen manche bereits ausgezeichnet und in andere Sprachen übersetzt wurden. 'Die längste Nacht' ist Isabel Abedis fünfter Jugendroman. www.isabel-abedi.de Foto: © Hergen Schimpf

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 408
    Erscheinungsdatum: 02.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401804668
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 1293 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die längste Nacht

ZWEI

U nser Abiball fand im Sankt-Pauli-Stadion statt; auf der VIPEtage, einem riesigen Saal mit Blick auf das Spielfeld. Trixie war im Festkomitee gewesen und hatte wegen der hohen Eintrittskosten im Vorfeld einen wahren Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Auch Danilo hatte die Location elitär und die Kosten übertrieben gefunden, aber inzwischen waren alle hellauf begeistert. Der Saal war festlich geschmückt, mit weißen Decken, Lüstern und Silberbesteck auf den langen Tischen, einem gigantischen Büfett und unzähligen kleinen Lichtern an den Decken. Es herrschte eine glamouröse, glitzernde Stimmung und jetzt, wo die offiziellen Reden hinter uns lagen und das Büfett abgegrast war, schwirrte Trixie mit einem Caipi in der einen und einer Flasche Sekt in der anderen Hand über die Tanzfläche. Sie trug ein kurzes knallrotes Flatterkleid und dazu ihre Krümelmonster-Handtasche aus türkisem Plüsch, die ich ihr vor ein paar Jahren zum Geburtstag genäht hatte. Ihre Schuhe lagen am Rand der Tanzfläche und Trixies braune Locken hatten sich längst aus ihrem Gefängnis aus Klammern und Spangen gelöst. Sie fielen ihr wild über die Schultern und ihr Gesicht glühte wie eine Hundertwattbirne kurz vor dem Durchknallen. Trixie war dauerhigh und brauchte dafür nicht mal Drogen. Manchmal fragte ich mich, wie der gelassene Danilo es mit ihr aushielt, aber wahrscheinlich zog ihn genau diese Gegensätzlichkeit an, und Trixie hatte auch eine andere Seite. Sie war der solidarischste Mensch, den ich kannte, konnte ein echter Kumpel sein, und sie und Danilo waren für mich die vollkommene Mischung.

Auf der Tanzfläche heizten zwei junge DJs die Stimmung auf. Der obligatorische erste Tanz galt den Vätern und Töchtern. Auch mein Vater hatte mich an der Hand zur Tanzfläche geführt. Ich hatte ihn noch nie tanzen sehen und war erstaunt, wie geschmeidig er sich bewegte. Es fühlte sich gut an, in seinen Armen zu sein, er strahlte Wärme aus und eine große Zärtlichkeit, die ich so noch nie an ihm wahrgenommen hatte. Irgendetwas in ihm schien mich fester halten und nicht mehr loslassen zu wollen. Ich schloss die Augen und für einen Moment war ich sein kleines Mädchen; sicher, beschützt und geborgen.

"Schön siehst du aus", flüsterte er mir ins Ohr. "Und dein Kleid ist einfach unglaublich. Ich habe nicht gewusst, dass meine Tochter eine Künstlerin ist."

Mein Vater war sparsam mit Komplimenten, er sagte nie etwas, das er nicht meinte, und das machte mich umso stolzer. Nähen war meine große Leidenschaft, schon in der Grundschule hatte ich meine erste Nähmaschine gehabt, als einziges Kind unter Erwachsenen Schneiderhandwerkskurse besucht, und die Bücher in meinem Regal enthielten keine Geschichten, sondern Schnittkonstruktionen, Anleitungen und Techniken der Kostümbildnerei.

Mein Kleid hatte ich selbst entworfen. Es war aus Taft, graublau wie meine Augen, im Rücken geschnürt, ärmellos und mit winzigen Silberpailletten, die ich in stundenlanger Handarbeit auf den unterfütterten Rock genäht hatte. Der Saum ging mir bis zu den Knien, für meine 159 cm Körpergröße die perfekte Länge. Trixie nannte mich scherzhaft den laufenden Meter, und mein Exfreund Chris hatte mich gern damit aufgezogen, dass ich in der Kinderabteilung einkaufen gehen konnte.

Er war es jetzt, der meinen Vater beim Tanzen ablöste. Chris und ich hatten am Anfang des Jahres etwas miteinander gehabt, aber es hatte nicht wirklich funktioniert. Außer, dass es Spaß machte, Sex mit Chris zu haben, teilten wir kaum etwas, und dass ich nicht in ihn verliebt war, merkte ich vor allem daran, dass ich keine Nacht bei ihm verbringen wollte, ganz egal wie sehr Chris mich bat zu bleiben. Genervt von seiner immer größer werdenden Anhänglichkeit hatte ich irgendwann Schluss gemacht. Er war verletzt gewesen, aber locker ließ er trotzdem nicht. Mehrfach versuchte er, wieder bei mir zu landen, mit dem Effekt, dass ich immer gereizter wurde und

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen