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Dreckstück von Beauvais, Clémentine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.07.2015
  • Verlag: Carlsen
eBook (ePUB)
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Dreckstück

Dieser beklemmende, kammerspielartige Roman lässt niemanden unberührt: David, ein Junge aus gutem Hause, und seine Clique schwänzen wieder einmal die Schule, als ihnen ein kleines schwarzes Mädchen über den Weg läuft, das offenbar Läuse hat. Einfach so, aus einer Laune heraus, nehmen sie sie mit, um sie in der Wohnung eines der verwöhnten Jugendlichen zu entlausen. Doch dann läuft die Situation immer mehr aus dem Ruder. Der ganze Überdruss, die Arroganz und der aufgestaute Hass der Jugendlichen entlädt sich nun an diesem kleinen Mädchen - und niemand hat den Mut, das grausame Spiel zu beenden ...

Clémentine Beauvais wurde 1989 in Paris geboren und hat in Cambridge über Kinderliteratur promoviert, wo sie auch heute noch lebt. Sie schreibt vielfach preisgekrönte Kinder- und Jugendbücher auf Französisch und Englisch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 96
    Erscheinungsdatum: 30.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646927320
    Verlag: Carlsen
    Größe: 1737 kBytes
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Dreckstück

ICH HABE DIE ANDEREN GEGENÜBER VOM CAFÉ GETROFFEN, wo sie sich gerade eine Zigarette ansteckten, morgens um acht, die erste. Die Straße schimmerte nassgrau nach dem Unwetter in der vergangenen Nacht. In den Pfützen sah man die Häuser.

"Wo ist Marguerite?"

"Die sitzt in Levallois fest, wegen des Streiks."

An diesem Morgen standen Florian, Anne-Laure, Gonzague, Élise und ich vor dem Café. Das Wetter war scheußlich, kalt und trüb, wir unterhielten uns in einer Wolke aus Zigarettenqualm und kondensierter Atemluft.

Ich sage das noch mal ganz deutlich: Marguerite hatte nichts mit dieser Sache zu tun, wegen des Streiks. Wäre sie dabei gewesen, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen. Wer weiß das schon. Wenn Mathieu dabei gewesen wäre, natürlich auch, aber Mathieu war nicht mehr dabei.

"Seht euch diesen Wichser an", meinte Gonzague und wies mit dem Kinn die Straße hinunter.

Es war François, der eine halbe Stunde zu früh zur Schule kam, in seinen hässlichen Klamotten und den gelben Turnschuhen. Er lief auf uns zu, den Blick starr auf den Fußweg gerichtet. Er wusste, dass wir ihn beobachteten. Er hat ein Problem mit Anne-Laure, die immer ätzende Sprüche macht und ihn mit ihren hochhackigen Hirschleder-Stiefeln um einen ganzen Kopf überragt.

"Lass ihn in Ruhe, der will bestimmt nur wieder in irgendeinem Winkel der Bibliothek eine Lehrerin vernaschen", erwiderte Anne-Laure.

François hatte im vorigen Schuljahr mit Madame Bonnot, der Französischlehrerin, geschlafen. Fünfzehn Jahre Altersunterschied. Seine Eltern hatten Anzeige erstattet und Bonnot wurde gefeuert. Seitdem lebt sie in Mexiko, weshalb ich manchmal denke, sie hätte das alles schon so geplant. Sie hat zwei Kinder, aber der Vater hat das Sorgerecht bekommen, ich weiß nicht, ob sie die beiden noch sieht.

Gonzague sagte:

"Ich habe so was von keinen Bock auf Schule!"

So fängt das jedes Mal an - sobald auch nur einer von uns das sagt, ist das wie ein Gähnen, es steckt alle an.

"Aber echt, ich auch nicht", sagte Anne-Laure.

Élise will dann immer noch verhandeln. "Ach kommt, wenigstens heute Vormittag gehen wir noch hin."

"Mach, was du willst", meinte Florian, "aber ich habe die Schnauze voll. David?"

"Ich bin dabei", sagte ich. "Oder meinst du, ich habe Lust, eine Geo-Arbeit zu schreiben?"

Anne-Laure ließ ihre Kippe, von Lippenstift gesäumt, auf den Boden fallen. Ein Tritt mit dem Absatz und die watteartige Füllung quoll zu beiden Seiten des Filters heraus.

"Wir gehen zu dir", sagte sie zu Florian.

"Nein, mein Vater ist zu Hause."

"Wieso denn das?"

"Der sitzt hier fest. Wegen des Streiks."

Anne-Laure fluchte laut. Sie flucht immer mit ganz viel Luft in der Stimme. Florian wohnt gleich um die Ecke, in einer 300 -qm-Wohnung mit Terrasse und Whirlpool. Wir anderen wohnen alle etwas weiter weg. Anne-Laure lässt sich jeden Morgen von ihrer Mutter bringen, die einen Aston Martin fährt und sie immer direkt vor der Schule absetzt, weil sie ihr nicht traut; sie hat Angst, dass Anne-Laure die Schule schwänzt - zu Recht.

Es fing an zu nieseln. Ganz feine Tropfen, die an unseren warmen Gesichtern abperlten. Anne-Laure und Élise hatten überall welche in den Haaren, wie Kristalle.

"Wir schreiben erst noch die Geo-Arbeit", schlug Élise vor, "und dann hauen wir ab."

"Keine Chance", antwortete Florian unerbittlich.

Und so gingen wir los in Richtung Avenue de Tourville, ohne ein bestimmtes Ziel, untermalt vom Klackern der Absätze von Anne-Laure. Eine alte Frau führte ihren Hund spazieren. In diesem Viertel sehen die alle gleich aus, derselbe Pelzmantel, dieselbe blonde Föhnfrisur, dieselbe Lederleine, derselbe Hund: eine Fell-Explosion. Die Sonne ging jetzt auf, aber erst so gerade eben - das Licht war immer noch hellgrau, und als wir die Avenue erreichten, schalteten sich mit l

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